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Die Rechtsanwältin und die Angst © Christian Mikes

RA Katharina Braun, RA Manfred Ainedter, Wiener Börse-Chefin Birgit Kuras und Wirtschaftscoach Ralph Vallon (v.l.).

© Christian Mikes

RA Katharina Braun, RA Manfred Ainedter, Wiener Börse-Chefin Birgit Kuras und Wirtschaftscoach Ralph Vallon (v.l.).

PAUL CHRISTIAN JEZEK 18.03.2016

Die Rechtsanwältin und die Angst

Katharina Braun hat eine eigene Studie realisiert, um einen besseren Zugang zu einem in Zeiten wie diesen höchst relevanten Gefühl zu bekommen – für sich und für ihre Klienten.

••• Von Paul Christian Jezek

WIEN. Gerade in politisch und wirtschaftlichen schwierigen Zeiten haben viele Menschen Angst: Angst vor Veränderung; Angst, den Job zu verlieren, Angst vor Sicherheitsverlust.

Rechtsanwälte haben mit Ängsten naturgemäß viel beruflich zu tun, denn ein Gerichtsprozess bzw. ein Rechtsstreit sind ja geradezu Paradebeispiele für angstbesetzte Situationen, und viele setzen schon deswegen einen Rechtsanwalt ein, um dem Widersacher Druck zu machen.
Die Familienrechtsanwältin ­Katharina Braun und Wirtschaftscoach Ralph Vallon führten deshalb vor Kurzem zum Thema Angst eine Studie durch, an der 150 Personen teilnahmen, wobei 59% der Befragten selbstständig erwerbstätig waren. Gefragt wurde u.a., welche Themen am meisten ängstigen, ob diese Ängste mit dem Alter zunehmen, und ob den Ängsten reale Erlebnisse zugrundeliegen.

Die Ergebnisse der Studie

Krankheit (21%), Tod (17,28%), Jobverlust (13,58%) und Trennung bzw. Scheidung (9,88%) sind jene Angstthemen, welche die Menschen am meisten beschäftigen. Genau die Hälfte der Befragten gab an, dass sich die Ängste innerhalb der letzten Jahre verstärkt hätten. Gedankenblockaden gaben 48,65% als Hauptsymptom der Angst an.

„In unserer Leistungsgesellschaft wird Angst als Schwäche gesehen und daher oft verschwiegen”, meint Braun. Diese Tabuisierung könnte eine der Miterklärungen für das Resultat sein, dass die Mehrzahl (52,13%) der Studienteilnehmer bis dato noch keine Hilfe gesucht hat, wobei die häufigste in Anspruch genommene Hilfsmaßnahme mit 45,83% die Therapie ist, gefolgt vom Coaching mit 33,33%. Die Ängste mit Medikamenten zu behandeln, bestätigten nur 2,08%. 6,25% gaben an, wegen ihren Ängsten einen Arzt konsultiert zu haben.
Im Job ist die Angst, Fehler zu machen, die wesentlichste (53,33%). Braun: „Bemerkenswert ist auch, dass 55,43 Prozent angaben, dass ihren Ängsten keine reale Erlebnisse zugrundelagen.” Bei Angst vor einer Scheidung z.B. lag dieser überwiegend keine bereits schon erlebte Scheidung zugrunde. (Zu ähnlichen Resultaten kam auch der bekannte deutsche Angst­forscher Borwin Bandelow in seinen Studien.)

Neue Sichtweisen – ohne Angst

Schon der Philosoph Epiktet meinte: „Nicht die Dinge an sich sind es, die uns beunruhigen, sondern die Art und Weise, wie wir sie sehen.”

Braun: „Rechtsanwälte wie auch Coaches bzw. Therapeuten können sehr hilfreich und wichtig sein, um neue Sichtweisen zu eröffnen und so den Handlungsspielraum zu vergrößern. Ein Coaching kann auch dazu beitragen, dass der von diversen Sorgen und Ängsten geplagte Klient gegenüber den rechtlichen Fakten (wieder) aufnahmefähiger ist.”
Aufgabe des Rechtsanwalts sei es, dem Klienten die erforderlichen Fakten bzw. das Wissen an die Hand zu geben, diesem mögliche Szenarien aufzuzeigen, und mit diesem dann jene Lösungen zu erarbeiten, die den individuellen Bedürfnissen des Klienten entsprechen. Braun: „Hier kann die zusätzliche Konsultation eines Coaches oft hilfreich sein.”
Bei der Präsentation der Angststudie gesehen wurden u.a. Börse- Chefin Birgit Kuras, RA Manfred Ainedter, Verfassungsgerichtshofvizepräsidentin Brigitte Bierlein, Schauspieler Harald Serafin, die 4e7 Agenturchefs Alex und Selma Schönburg, Winzer Wolfgang Ziniel, Berater Stefan Höffinger, Oracle- Marketingchef Johannes Dobretsberger, KPMG-Partnerin Barbara Polster sowie Harald Pichler vom Viktor Frankl Zentrum.
YouTube-Link: bit.ly/1Uvv0Et

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