AUTOMOTIVE BUSINESS
Autobauer blicken ins Auge des Taifuns Horváth & Partners Österreich

Stefan Bergsmann

Horváth & Partners Österreich

Stefan Bergsmann

Redaktion 04.12.2017

Autobauer blicken ins Auge des Taifuns

Neue Akteure und Wettbewerber bringen Geschäftsmodelle durcheinander; Gastbeitrag von Stefan Bergsmann, Horváth & Partners Österreich.

WIEN. In der Automobilindustrie bleibt derzeit kein Stein auf dem anderen. Externe Wettbewerber und Datendienstleister aus ganz unterschiedlichen Bereichen bedrohen jahrzehntelang bewährte Geschäftsmodelle und –strukturen. Damit die großen Autobauer in eine erfolgreiche Zukunft gehen können, müssen sie über ihren eigenen Schatten springen und branchenfremde Start-ups, Techno-Labs und disruptive Ideen an Bord nehmen. Das stellen die Managementberater Horváth & Partners in einer Studie fest, die kürzlich vorgestellt wurde (http://horvath-partners.com).
Andreas Brauchle, Partner im Kompetenzcenter Automotive bei Horváth & Partners, und sein Team analysierten im Rahmen der Untersuchung 134 Geschäftsmodelle und führten Gespräche mit 16 Experten aus unterschiedlichen Bereichen der Automobilindustrie. „Alle Akteure geben dabei an, dass ihre Businessmodelle große Schwächen aufweisen. Mehr als die Hälfte der Experten bewerten zudem die Abhängigkeit von externen Technologieunternehmen, Kompetenzdefizite bei der Digitalisierung und die mangelnde Sicherstellung neuer Erlösquellen als mögliche Risikofaktoren“, so Brauchles Fazit.
 
Schneller und flexibler als Devise
Traditionelle Autobauer und ihre Zulieferer sehen die neuen (und oft jüngeren) Wettbewerber wegen ihrer schnelleren und flexibleren Vorgangsweise als Bedrohung. Vor allem Hersteller fühlen sich unter Druck gesetzt. Auch beim Tempo der Produktentwicklung sind die Newcomer eindeutig besser; jeder dritte Experte nimmt diesen Vorsprung der Start-ups wahr. Vor allem sind es die neuen Technologie- und Datenspezialisten, die Zulieferer als Gefahr sehen. Was alle Beteiligten weiter beunruhigt, ist deren eigene Abwertung in der Wertschöpfungskette und die Kannibalisierung bereits des bestehenden Geschäfts.

Zukunft heißt „Coopetition“
Junge Unternehmen realisieren die Notwendigkeit von Kooperationen trotz Wettbewerbs, im Fachjargon sprechen die Managementberater Horváth & Partners von „Coopetition“. Vor allem bei serviceorientierten Geschäftsmodellen wie Car-Sharing-Diensten sind Kooperationen für die Angebotsvielfalt ein gangbarer Weg. Derzeit bestehen solche Businessmodelle zur erweiterten Marktabdeckung aber nur in den seltensten Fällen. „Nur jedes zehnte Geschäftsmodell beinhaltet die Zusammenarbeit mit Dritten. In Zukunft werden viele Geschäftsmodelle über die Zusammenarbeit mit Partnern überhaupt erst möglich. Aber Achtung: Das Risiko des Kompetenzdiebstahls ist im Auge zu behalten“, sagt Studienleiter Daniel Guffarth.

Neue Modelle, neue Strukturen
Egal ob sich traditionelle Autobauer daran orientieren: Für Experten hat die flexible und offene Zusammenarbeit bei neuen Themen und Geschäftsideen einen sehr hohen Stellenwert. „Kooperationen mit außenstehenden Partnern und sogar Konkurrenten sind ein zentraler Faktor, um den Betriebsoutput im Rahmen der Digitalisierung zu verbessern und neue Services zu etablieren“, sagt Guffarth. „80 Prozent der Befragten setzen auf die Hilfe externer Firmen.“
Wenn der Sturm am Horizont aufzieht, geht es darum, die Bedeutung von Datendiensten für neue werthaltige Ökosysteme zu erkennen und zielorientiert zu nutzen, meinen die Managementberater. Das funktioniert am besten über symbiotische Kooperationen mit Konkurrenten und branchenfremden Playern zur Wissensintegration und Serviceorientierung, empfiehlt Horváth & Partners. Wer dann bei Serviceorientierung, Organisation und Digitalisierung die Nase vorn behält, der wird auch im Auge des Taifuns gut bestehen können. (red)

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