Chancen und Perspektiven für den Nutzfahrzeugmarkt
MOBILITY BUSINESS Moritz KOlar 10.04.2015

Chancen und Perspektiven für den Nutzfahrzeugmarkt

Roland Berger-Studie Autonome Lkws erhöhen die Verkehrssicherheit und senken die Gesamtkosten des Betriebs

Neue Akteure und Player wie Softwarezulieferer werden eine wichtige Rolle auf diesem Markt spielen.

Autonome Fahrfunktionen haben das Potenzial, neben dem Pkw- auch den Nutzfahrzeugmarkt grundlegend zu verändern.

München. Das autonome Fahren im Lkw-Bereich wird laut der aktuellen Roland Berger-Studie „On the road toward the autonomous truck – Opportunities for OEMs and suppliers” künftig dazu beitragen, Straßenunfälle zu reduzieren und Gesamtbetriebskosten zu senken. Aus diesem Grund würden schrittweise auch immer mehr automatisierte Funktionen in den Nutzfahrzeugmarkt einziehen und müsse auch bereits heute geklärt werden, welche Haftung OEMs, Zulieferer und Fahrer übernehmen müssen, sollte es trotz ausgereifter Technik zu einem Unfall kommen.

Vier Megatrends feststellbar

„Trotz der noch offenen rechtlichen Fragen sollten OEMs und Zulieferer diese Marktchance zeitig erkennen und für sich nutzen, um das eigene Modell- und Produktportfolio entsprechend auszubauen”, erläutert Roland Berger-Partner Sebastian Gundermann. „In Zukunft werden neue Anbieter wie Softwarezulieferer einen wichtigen Teil der Wertschöpfungskette für sich beanspruchen. Das wird die traditionellen Marktteilnehmer stark unter Druck setzen.”Vier Megatrends werden die Lkw-Industrie laut Ansicht des Roland Berger-Experten bis 2025 verändern: Effizienz, Umweltschutz, Konnektivität und Sicherheit. Heute ist menschliches Versagen die Hauptursache für Unfälle auf Europas Straßen; über 90 Prozent der Kollisionen gehen darauf zurück. Hier will die Europäische Kommission gegensteuern. Neu zugelassene Nutzfahrzeuge müssen deshalb bis Ende 2015 mit Spurwarnsystemen ausgestattet sein; ab 2018 ist zudem ein erweitertes Notbremsassistenzsystem Pflicht.Intelligente Fahrassistenzsys-teme könnten die Zahl der Lkw-Auffahrunfälle um über 70 Prozent reduzieren. „Konnektivität wird im Lkw-Bereich eine immer wichtigere Rolle spielen. Denn hier geht es aus Gesetzgebersicht darum, die Sicherheit auf den Straßen zu erhöhen und die Anzahl der Unfälle deutlich zu reduzieren”, sagt Gundermann. Hinzu kommt die Möglichkeit, durch intelligente Fahrsysteme Kosten zu sparen – zum Beispiel durch einen niedrigeren Kraftstoffverbrauch oder weniger Stillstandzeiten.Lkw-Hersteller und Zulieferer stehen nun nach Ansicht der Roland Berger-Experten vor der wichtigen Aufgabe, diese Systeme zu entwickeln und bereitzustellen. Dabei werde sich die Wertschöpfungskette der Nutzfahrzeugindustrie in den kommenden Jahren weiter ausdifferenzieren. Funktionsspezifische Automatisierungslösungen wie Abstands- und Notbremssysteme könnten die Hersteller von Zulieferern beziehen. Die Zulieferindustrie müsse dafür laut Roland Berger die notwendigen Softwarelösungen und Sensortechniken entwickeln und bereitstellen. Komplexere Systeme, die mehrere Automatisierungsfunktionen verbinden, wie Abstandsregeltempomate und Spurwechselassistenten, bieten sowohl Lkw-Herstellern als auch Zulieferern und spezialisierten Ingenieurserviceanbietern gute Geschäftsmöglichkeiten.

Technische Entwicklung

Mit serienreifen Lkws, die komplett autonom fahren können, rechnen die Experten erst nach 2025. Neben den rechtlichen Rahmenbedingungen werden hierfür große technologische Fortschritte notwendig sein – vor allem bei der Auswertung der Daten, die durch die Sensoren übermittelt werden. Dann werden Nutzfahrzeuge in der Lage sein müssen, die unmittelbare Umwelt zu verstehen, um entsprechend reagieren zu können. Dafür werden sich standardisierte „Brain-Module” durchsetzen, die sich an das jeweilige Fahrzeugmodell anpassen lassen.„In dieser Phase werden Skaleneffekte und Standardisierung eine wesentliche Rolle spielen”, prog-nostiziert Roland Berger-Partner Gundermann. „Großen Softwareherstellern mit Robotik-Kenntnissen bietet sich so die Chance, in der Nutzfahrzeugbranche ver-stärkt Fuß zu fassen.”

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