AUTOMOTIVE BUSINESS
„Der Downsizing-Effekt kostet den Staat Geld!” © Porsche
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Jürgen Zacharias 29.05.2015

„Der Downsizing-Effekt kostet den Staat Geld!”

Interview Alain Favey, Sprecher der Geschäftsführung der Porsche Holding, kritisiert die „wiederholten Erhöhungen der fahrzeugbezogenen Steuern” in Öster­reich, sieht die Entwicklung des Unternehmens aber trotzdem positiv.

Wien. Mit mehr als 620.000 verkauften Fahrzeugen und einem Umsatz von 17,1 Mrd. Euro ist die Porsche Holding Salzburg das größte Autohandelshaus Europas. Das Unternehmen wurde 1949 gegründet und ist heute neben Österreich in 23 Ländern in West- und Südosteuropa sowie in China, Kolumbien und Chile tätig. Wir haben mit Geschäftsführer Alain Favey über die weitere Expansion des Unternehmens, den schwierigen ukrainischen Markt und die Steuerpolitik in Österreich gesprochen.

medianet:
Herr Favey, die Porsche Holding konnte in den vergangenen drei Jahren stets Rekordergebnisse einfahren. Wo soll diese Entwicklung noch hinführen?
Alain Favey: Die Porsche Holding war von Anbeginn an wachstums-orientiert und hat stets nach Wegen gesucht, neues Wachstum zu generieren, und daran wird sich auch nichts ändern. Dieses Ziel verfolgen wir dort, wo noch erforderlich, durch die Komplettierung des Konzernmarkenangebots oder über die Erschließung neuer Märk-te, wie aktuell etwa mit der Übernahme des Importeurs in Bosnien im Juli. Wir bekommen damit ein weiteres Land in unser Portfolio, in dem wir Wachstum generieren können. Die Verbreiterung gibt uns auch die Möglichkeit, Krisenfälle auf Märkten anderswo zu kompensieren.

medianet:
So wie das aktuell etwa für den ukrainischen Markt notwendig ist?
Favey: Genau. Der Markt entwickelt sich dort vor den bekannten Hintergründen sehr schwierig und wird im laufenden Jahr wohl bei 40.000 Fahrzeugen liegen, was bei mehr als 40 Millionen Einwohnern praktisch nichts ist. Durch die Erholung anderer Märkte können wir aber die Entwicklungen in der Ukraine kompensieren und langfristig sehen wir vor Ort große Chancen.

medianet:
Die Ukraine zu verlassen, wie das andere Firmen getan haben, ist also keine Option?
Favey: Nein, ist es nicht und war es nie. Wir sehen dort für die Zukunft große Potenziale. Auch wenn es jetzt ein bisschen schwierig ist, lohnt es sich, dort zu bleiben und sich für die Zukunft einzurichten. Diesen langfristigen strategischen Ansatz verfolgen wir im Übrigen auch in anderen Ländern. Wenn wir uns einmal entschieden haben, in neue Märkte zu gehen, dann tun wir das auch mit aller Konsequenz. Wir haben schließlich auch unseren Händlern gegenüber die Verpflichtung, ihnen zur Seite zu stehen. Ein privater Investor, der in unsere Marken investiert, erwartet von uns, dass wir ihm auch in schwierigen Zeiten helfen, um dann in Zukunft auch gemeinsam erfolgreich sein zu können.

medianet:
Färben die Probleme in der Ukraine auch auf die Nachbarländer ab?
Favey: Wir hatten eigentlich befürchtet, dass sich die Ukraine-Krise in der ganzen Region auswirkt, aber das ist bislang nicht eingetreten. Im Gegenteil, die anderen osteuropäischen Länder befinden sich gerade in einer Phase der Markterholung. Diese verläuft in einzelnen Ländern sogar ziemlich spektakulär. Das Neuwagengeschäft in Rumänien ist im vergangenen Jahr beispielsweise um 20 Prozent gewachsen, und wir rechnen auch heuer mit einer ähnlich guten Entwicklung. Das bedeutet für uns natürlich auch mehr Wachstum, was uns in anderen Ländern wie der Ukraine einen längeren Atem ermöglicht.

medianet:
Braucht es diesen längeren Atem auch in Österreich? Die Zulassungszahlen der vergangenen Monate lassen wohl kaum große Freude aufkommen ...
Favey: Wir erwarten hierzulande keine Katastrophe am Markt, aber ein kleiner Rückgang wird über das Gesamtjahr wohl unvermeidlich sein. Dabei sind die Rahmenbedingungen mit dem günstigen Spritpreis, den niedrigen Zinsen und der überschaubaren Arbeitslosigkeit grundsätzlich positiv, immer wieder bringen aber Steuerinitiativen Verunsicherung in den Markt.

medianet:
Es sind also die politischen Rahmenbedingungen, die den heimischen Markt hinter die anderen westeuropäischen Länder zurückfallen lassen?
Favey: Aus unserer Sicht ist das so, überall sonst in Europa sind die Märkte schließlich im Plus. In Österreich hatten wir in den Jahren 2011 und 2012 Rekordjahre, als die Regierung den Neuwagenverkauf mit Incentives unterstützt hat. Das hat sich auch positiv auf die Steuereinnahmen ausgewirkt. Jedes Wachstum ist schließlich auch für die Staatskasse gut. Wiederholte Erhöhungen der fahrzeugbezogenen Steuern führen, wie das Beispiel Österreich zeigt, zu einem Marktrückgang und damit in Summe zu niedrigeren Steuereinnahmen.

medianet:
Die in der Steuerreform enthaltenen Neuregelungen könnten also zu einem Rückgang der Steuereinnahmen führen?
Favey: Vielleicht ergeben sich dadurch dieses und nächstes Jahr Mehreinnahmen, aber langfristig wird sich das mit Sicherheit negativ auswirken. Wenn die private Nutzung eines Dienstwagens, dessen CO2-Emissionen 120 Gramm übersteigt, zukünftig höher besteuert wird, wird der Trend unweigerlich zu Fahrzeugen mit niedrigeren Emissionswerten führen. Es kommen also mehr günstigere und kleinere Autos in Umlauf, die dem Staat auch weniger Mehrwertsteuer und NoVA bringen. Dieser Downsizing-Effekt wirkt auf den Staatshaushalt also langfristig negativ, was von der Politik aber ignoriert wird …

medianet:
… weil es nicht um die langfristige Entwicklung, sondern kurzfristige Mehreinnahmen geht?
Favey: Wir können uns das nur so erklären, unsere Argumente werden jedenfalls nicht gehört. Und das, obwohl die Entwicklung eindeutig ist. Nehmen wir beispielsweise die im Vorjahr beschlossene Erhöhung der NoVA, die zu Mehreinnahmen hätte führen sollen. Über die vergangenen zwölf Monate sind die NoVA-Einnahmen aufgrund des Marktrückgangs aber um 80 Millionen Euro gesunken; man hat also genau das Gegenteil bewirkt und gleichzeitig weniger Neuwagen verkauft. Für eine Branche wie die Automobilwirtschaft, in der immerhin jeder neunte Österreicher beschäftigt ist, ist das eine durchaus gefährliche Entwicklung.

medianet:
Es bräuchte aus Ihrer Sicht von politischer Seite also eher mehr Investitionen in den Markt als ständig neue Steuererhöungen, um den Absatz anzukurbeln und damit höhere Steuereinnahmen zu provozieren.
Favey: Ja, und was das bewirken kann, ist in Spanien aktuell sehr gut zu beobachten. Dort wurde eine Verschrottungsprämie eingeführt, in deren Folge die Zulassungszahlen nun monatlich um bis zu 40 Prozent zulegen. Die steuerlichen Mehreinnahmen sind sogar größer, als die Investitionen in die Verschrottungsprämie, was zwei positive Effekte zur Folge hat: Erstens hat der Staat Mehreinnahmen, und zweitens werden viele alte Autos durch neue, deutlich umweltschonendere Fahrzeuge ersetzt.

medianet:
Müsste die Politik also wirtschaftlicher denken? Nur wer investiert, wird auch mehr ernten können?
Favey: Das wäre in jedem Fall wünschenswert. Immer neue Steuer-erhöhungen werden langfristig weder dem Markt noch dem Staatshaushalt guttun. Auch Unternehmen müssen immer wieder in ihre Infrastruktur investieren, um konkurrenzfähig zu bleiben und in Zukunft Mehreinnahmen zu lukrieren. Auch deshalb investieren wir jedes Jahr einen hohen Millionenbetrag in unsere Standorte und haben wir erst kürzlich den Aus- und Umbau unseres Standorts in Wien Liesing um 50 Milllionen Euro entschieden.

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