AUTOMOTIVE BUSINESS
Die Autoindustrie schraubt ihre Investitionen hoch © APA/AFP/Samuel Kubani
© APA/AFP/Samuel Kubani

19.02.2016

Die Autoindustrie schraubt ihre Investitionen hoch

Noch nie investierten Automobilhersteller mehr Geld: GM, VW & Co steckten 2015 knapp 52 Mrd. € in Produktion, Labors und Fertigung.

••• Von Jürgen Zacharias

WIEN. Der Abgasskandal schlug Volkswagen, vielen Zulieferern und der deutschen Automobilwirtschaft im Ganzen aufs Gemüt. In China kam der Verkaufsmotor erst nach Steuererleichterungen Ende des Jahres so richtig ins Laufen, die Rückrufe erreichten neue Rekordwerte, und auch sonst gibt es über das vergangene Autojahr auf den ersten Blick wenig Positives zu berichten. Der zweite Blick offenbart dann aber doch einen neuerlichen Anstieg der globalen Zulassungen (insbesondere auch mit starkem Wachstum in den USA und in Westeuropa) und eine weltweite Investitionsoffensive der Branche, auf deren Basis die Automobilindustrie wohl auch in den kommenden Jahren gute Geschäfte machen wird.

Kontinuierlicher Anstieg

Laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberater von Ernst & Young lagen die Ausgaben der Automobilindustrie für neue Montagehallen, Produktionswerke, Forschungszentren oder Labors im Jahr 2010 noch bei 15,3 Mrd. €.

In den Folgejahren stiegen diese Ausgaben – mit Ausnahme des Jahres 2013, in dem es einen leichten Rückgang gab – kontinuierlich an, 2015 gab es gar ein Investitions­plus von knapp 50% auf den Rekordwert von 52 Mrd. €.
Grund für die höheren Anstrengungen ist laut den Studienautoren „die weltweit brummende Autokonjunktur” – der Markt wird größer, also strengen sich die Firmen an, um mehr abzubekommenden vom größeren Absatzkuchen. „Die Unternehmen haben jetzt das Geld, um langfristige Investitionen zu tätigen”, sagt Studienautor Peter Fuß.
Vor allem in China und den USA wurde zuletzt massiv investiert, um die dortige Nachfrage mit lokaler Produktion bedienen zu können: In den vergangenen fünf Jahren waren es dort jeweils mehr als 23 Mrd. €; Deutschland folgt in dem Ranking mit knapp 21 Mrd. € auf Platz 3.
Im Vorjahr war allerdings ein deutlicher Investitionsrückgang in China zu beobachten: Die größten Investitionen erfolgten in den USA (13,5 Mrd. €), gefolgt von Deutschland (zwölf Mrd. €), Mexiko (4,9 Mrd. €) und China (4,5 Mrd. €).
Die größte Einzelinvestition gab es laut der Untersuchung in Spanien – Seat steckte rund 3,3 Mrd. € in sein Stammwerk in Matorell bei Barcelona.

VW deutlich vor Fiat Chrysler

Ernst & Young-Experte Fuß wertete die präsentierten Zahlen auch als „Bekenntnis für den Automobilstandort Deutschland”. Unkenrufe, dass der Industriestandort Deutschland wegen hoher Personalkosten auf dem absteigenden Ast sei, erwiesen sich als falsch, so Fuß. Andere Staaten wie beispielsweise Brasilien hätten daraus kein Kapital schlagen können, im Gegenteil, erweise sich das südamerikanische Land bei den Investitionen „als Rohrkrepierer” – wegen der dortigen Konjunkturflaute ist die lokale Nachfrage nämlich eingebrochen.

Heruntergebrochen auf die Investitionen der 16 größten Autokonzerne im Zeitraum von 2010 bis 2015, liegt Volkswagen mit Ausgaben von 35,1 Mrd. € auf Platz 1, gefolgt von Fiat Chrysler (24 Mrd. €).
Daimler liegt mit 17,5 Mrd. € im Zeitraum auf Rang 5, BMW ist mit 8,4 Mrd. € Achter.
Auch im vergangenen Jahr war Volkswagen die Marke mit den höchsten Investitionen: Der deutsche Hersteller hat mehr als zehn Mrd. € in neue Werke und Forschungslabors gesteckt, die Premium-Konkurrenz von Daimler folgte mit Investitionen von 9,4 Mrd. € auf Platz 2.

Deutsche geben sich spendabel

Ob die hohen Investitionen im Vorjahr nur ein Ausschlag nach oben seien? „Nein”, sagt Experte Fuß, der die Investitionen auch in den kommenden Jahren auf hohem Niveau sieht. Treibende Kräfte seien dahingehend etwa die zunehmende Digitalisierung der Branche, selbstfahrende Autos und der allmähliche Wandel hin zur Elektromobilität.

So will Porsche 700 Mio. € in seinen Stammsitz in Stuttgart-Zuffenhausen stecken, um einen Elektro-Porsche herzustellen.
Andere deutsche Hersteller lassen sich ebenfalls nicht lumpen: Audi buttert 1,5 Mrd. € in die Werke Ingolstadt und Neckarsulm, Daimler jeweils eine Mrd. in die Werke in Rastatt, Untertürkheim und Wörth, und Volkswagen will in seinen Werken in Sachsen insgesamt 1,3 Mrd. € investieren.

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