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Die Krise wird zum Prüfstein © APA/EPA/Ole Spata

VW-Chef Matthias Müller will an den Absatzzielen für 2016 festhalten, der Weg in die Zukunft werde aber „nicht ohne Schmerzen” sein.

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VW-Chef Matthias Müller will an den Absatzzielen für 2016 festhalten, der Weg in die Zukunft werde aber „nicht ohne Schmerzen” sein.

09.10.2015

Die Krise wird zum Prüfstein

VW: Während weiterhin nach Verantwortlichen für den Diesel­skandal gesucht wird, sieht Neo-Chef Matthias Müller schwierige Zeiten auf den Autohersteller zukommen.

••• Von Jürgen Zacharias

WOLFSBURG. Wer war es? Wer hat den Dieselskandal bei Volkswagen zu verantworten? Während die Automobilwelt auf der Suche nach einer Antwort auf diese Frage ist und mehrere Mitarbeiter unterer Entscheidungsebenen Manipulationen gestanden haben sollen, versucht der neue VW-Chef Matthias Müller, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und an den ambitionierten Absatzzielen für 2016 festzuhalten. Zwar könne noch niemand sagen, wie die VW-Kunden auf den Skandal reagieren, gemeinsam mit den Vertriebspartnern (denen Müller Hilfe versprach) sollen aber die Zielsetzungen für das kommende Jahr nicht aus den Augen verloren werden.

Kampf um die Mitarbeiter

Kurz- bis mittelfristig sieht Müller trotzdem schwere Zeiten auf Volkswagen zukommen. „Ich bin ganz offen zu Ihnen: Das alles wird nicht ohne Schmerzen gehen”, sagte der Konzernchef Mitarbeitern gegenüber und ergänzte: „Wir wissen heute zwar noch nicht, welche Auswirkungen die Krise haben wird. Aber wir werden dafür kämpfen, sie so gering wie möglich zu halten. Und wir werden alles tun, um die Beschäftigten im Unternehmen zu halten.”

Milliardenkosten erwartet

Kämpfen wird der VW-Chef wohl auch um das Ergebnis des Unternehmens müssen, deutliche Einbußen scheinen vorprogrammiert. „Natürlich kommen unser Ergebnis und die bisherige Finanzplanung unter Druck”, bestätigte Matthias Müller. „Die Belastungen werden groß sein. Möglicherweise sehr groß.” Berechnungen des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer zufolge drohen neben VW auch der Unternehmenstochter VW Financial Services sowie der VW-Handelsorganisation deutliche Rückgänge. Allein in Deutschland soll der Skandal bei den beiden Unternehmen Kosten von bis zu einer Milliarde Euro verursachen. Grund seien die gesunkenen Wiederverkaufswerte der von VW Financial Services finanzierten Leasing-Rückläufer der mit EA 189-Motoren ausgestatteten Fahrzeuge.

Investitionen auf dem Prüfstand

Als Reaktion auf den Skandal könnten bei Volkswagen auch geplante Investitionen zurückgefahren werden. „Was jetzt nicht zwingend nötig ist, wird gestrichen oder geschoben”, erklärte Müller. So soll das von Martin Winterkorn initiierte „Effizienzprogramm” nachjustiert werden; auch andere mittel- bis langfristige Ausgaben stehen auf dem Prüfstand.

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