AUTOMOTIVE BUSINESS
Die Slowakei entwickelt sich zur globalen Autoschmiede © Volkswagen
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22.01.2016

Die Slowakei entwickelt sich zur globalen Autoschmiede

2015 wurden in unserem östlichen Nachbarland erstmals mehr als eine Millionen Autos produziert – in Zukunft könnten es viel mehr werden.

••• Von Jürgen Zacharias

BRATISLAVA. Eine Million Autos! Diese Zahl muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassaen, denn sie steht nicht für den Produktions-Output von Automobil-Großmächten wie Deutschland oder Frankreich, sondern für die kleine Slowakei. Unser östlicher Nachbar hat mit gerade einmal 5,5 Mio. Einwohnern deutlich weniger als Österreich, bringt es aber fertig, mehr als eine Million Neuwagen im Jahr von den Bändern laufen zu lassen und damit ein neues Rekordergebnis einzufahren.

Schon 2014 durfte sich das Land mit 971.000 gefertigten Fahrzeugen über einen neuen Produktionshöchststand freuen, damals wurden zwischen Bratislava, Zilina und Trnava 179 Autos pro Einwohner hergestellt. Laut dem Verband der slowakischen Autoindustrie (ZAP SR) und dessen Präsident Juraj ­Sinay stieg diese Zahl im Vorjahr auf 184 Fahrzeuge.

VW legt das Fundament

Seinen Anfang nahm der automobile Aufschwung in der Slowakei Anfang er 1990er-Jahre mit der Ansiedelung von Volkswagen Slovakia in der Nähe der Hauptstadt Bratislava. Die Deutschen bauten ihre Produktion in der Folge kontinuierlich aus und erhöhten die Zahl ihrer Mitarbeiter auf heute 10.000; weitere Hersteller zogen nach.

Etwa PSA Peugeot-Citroen, das seine Fertigung in der Slowakei 2006 in Trnava startete und im Vorjahr mit seinen 3.500 Mitarbeitern 302.000 Fahrzeuge produzierte – um 18% mehr als 2014. Im laufenden Jahr wollen die Franzosen ihren Output sogar auf 360.000 Neuwagen steigern. Vom Band laufen in dem Werk der C3 Picasso und der Peugeot 208.
Ebenfalls 2006 mit der Produktion in der Slowakei begonnen hat Kia. Der koreanische Hersteller brachte es im vergangenen Jahr in seinem Werk in Zilina auf 338.000 Autos (Cee'd, Venga und Sportage) und 582.000 Motoren und hegt ebenfalls Ausbaupläne.

Jaguar Land Rover ante portas

Noch nicht bekannt ist die schlussendliche Fertigungszahl von Volkswagen Slovakia. Im ersten Halbjahr konnten die Deutschen mit mehr als 200.000 produzierten VW Up, Touareg, Audi Q7, Skoda Citigo sowie Seat Mini und 150.000 produzierten Getrieben bereits Rekordwerte vermelden, detaillierte Angaben zum zweiten Halbjahr fehlen noch, es ist aber von neuen Höchstwerten auszugehen.

Damit war 2015 das erfolgreichste Jahr in der slowakischen Automobilgeschichte, was auch überdurchschnittlich starke Auswirkungen auf die Wirtschaftsentwicklung des gesamten Landes hat.
Insgesamt 80.000 Slowaken sind direkt bei den Herstellern oder bei Zulieferern beschäftigt, Zehntausende weitere Jobs indirekt von der Branche abhängig – kein Wunder, dass das Land in der Branche längst als neues Detroit gilt. Als ein Detroit des Ostens.
Während sich das alte Detroit noch immer nicht so recht von seinem Niedergang erholt hat, dürfte die Branche in der Slowakei aber sogar noch weiter wachsen. So will VW demnächst vor Ort auch mit der Fertigung von Karrosserien für die britische Luxus-Marke Bentley beginnen (schon jetzt werden Karosserien für den Porsche Cayenne gefertigt), 2017 wird dann auch die komplette Produktion des Cayenne nach Bratislava verlagert.
Und mit Jaguar Land Rover steht bereits ein weiterer Hersteller ante portas: Der britisch-indische Autobauer hat kürzlich bekannt gegeben, in der Nähe von Nitra um 1,4 Mrd. Euro ein neues Werk hochzuziehen. Gut 4.000 Arbeitsplätze sollen dort geschaffen werden, ab 2018 zumindest 150.000 Autos jährlich vom Band laufen.

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