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EICMA: Zweiräder im Rampenlicht © automotive.lulop.com/Simon Palfrader (4)
© automotive.lulop.com/Simon Palfrader (4)

27.11.2015

EICMA: Zweiräder im Rampenlicht

Haupttrends der Motorradmesse EICMA in Mailand: kleine und mittlere Klasse, Aktualisierungen, neue Nischen und Derivate.

••• Von Beatrix Keckeis-Hiller

Die EICMA in Mailand belegte heuer kaum mehr als ein Drittel des Messegeländes der Fiera Milano. Dennoch ist die Zweirad-Neuheitenschau in der lombardischen Metropole nach wie vor die größte Präsentations-Plattform für Hersteller motorisierter Einspuriger geblieben und dieses Jahr war sie die einzige große internationale Motorrad-Show in Europa.

Große Sorgenfalten

Im Kontrast zum Nebelwetter liefen die Inszenierungen der neuen Modelle – von denen etliche im Sinne einer technischen Aktualisierung zur Erfüllung der ab 1. Jänner 2016 geltenden Euro 4-Abgasnorm neu sind – wie gewohnt glanzvoll über die Bühne.

Dennoch konnten das Scheinwerferlicht und die betont dynamische Geschäftigkeit nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zweirad-Branche Sorgen hat: Die europäischen Märkte sind nach wie vor rückläufig.In Österreich weist die Neuzulassungsbilanz für den Zeitraum von Jänner bis Oktober das dritte Jahr in Folge ein Minus von rund sechs Prozent aus.
Das bedeutet für heuer: 2.377 Fahrzeuge weniger als im Vergleichzeitraum des Vorjahres (2014: 39.417, 2015: 37.040).
An diesen Zahlen wird sich bis Jahresende auch kaum etwas ändern, da die Saison gewöhnlich mit Beginn des Herbsts endet. Die Gründe für das rückläufige Zweirad-Geschäft sind vielfältig. Unter anderem liegt es an der schwierigen Wirtschaftslage, an einer gewissen Marktsättigung und am nur zögerlich nachrückenden Nachwuchs.

Produktion auf neuen Märkten

Dieser gesamteuropäischen Entwicklung begegnen die Hersteller nicht nur in den Roller-, sondern auch in den Motorradsegmenten mit einer Konzentration auf die kleinen und mittleren Hubraumklassen sowie auf Modelle, die auch auf den zulassungsstarken asiatischen und südamerikanischen Märkten Verkaufserfolge versprechen.

Um Produktions- und Transport-Kosten zu sparen, produzieren etliche europäische Marken bereits in diesen Absatz-Hoffnungsgebieten, vor allem in Asien, wie KTM in ­Indien sowie Vespa, Ducati und Triumph in Thailand.
Neuerdings hat auch BMW einen indischen Partner: Aus der Kooperation mit der TVS Company in Bangalore entstammt das erste Modell (seit dem längst aus der Produktion genommenen Dach-Scooter C1) in einer Hubraumklasse unter 650 cm3: die G 310 R (313 cm3, 34 PS); der im Sommer präsentierte Prototyp startet im kommenden Jahr.

Downsizing-Strategie

Die Kleine soll auch in Europa dafür sorgen, dass das Geschäft wieder anspringt. Das erste Modell der geplanten Baureihe zielt vor allem auf die junge Klientel ab: Den Jungen soll das Thema Motorrad wieder schmackhaft gemacht werden – mit coolem Styling, leistbarem Preis und Stufenführerschein-Tauglichkeit.

In diese Kerbe schlägt der japanische Hersteller Yamaha mit der MT-03 (321 cm3, 42 PS). Ebenso ­Ducati: Die Italiener haben den Hubraum des heuer erfolgreich gestarteten Submarken-Modells Scrambler 800 mit 75 PS (bisher weltweit knapp 14.650, in Österreich 225 verkauft) reduziert, auf 399 cm3 (41 PS) und sie einsteigergerecht gemacht.

Modell-Geschichte

Die größte japanische Marke, Honda, setzt neben dem Ausbau der Roller- und Mittelklasse-Palette auf die Wiedergeburt einer Ikone: Die Africa Twin ist wieder da, nach wie vor mit zwei Zylindern, allerdings einem Parallel-Twin (95 PS) statt eines V2.

Yamaha greift ebenfalls auf die Historie zurück und füllt die mit dem Slogan „Faster Sons” propagierte XSR-Modellfamilie mit einer 900er (Dreizylinder, 115 PS) auf.
Bereits auf sieben Jahrzehnte Geschichte wird die Roller-Ikone Vespa im kommenden Jahr zurückblicken; als rollendes Zeichen dafür präsentiert der Hersteller Piaggio die Variante „Settantesimo”. In der österreichischen Zweirad-Gesamtzulassungsstatistik rangiert die italienische Marke erneut auf Platz eins.
Ein Erfolg, für den Josef Faber, Boss der Faber GmbH (seit 1964 Generalimporteur), heuer ausgezeichnet worden ist. Für bislang mehr als 200.000 importierte Fahrzeuge der Piaggio-Gruppe (inklusive Piaggio, Derbi, Gilera, Scarabeo, Moto Guzzi) bekam er den „Ordine della Stella d’Italia”, den höchsten Orden, den Italien an Nicht-Italiener verleiht.
Faber ist trotz des heurigen Gesamtmarktergebnisses zuversichtlich für 2016, angesichts seiner breiten und variantenreichen ­Modellpalette.

Charakter & Image

Bei allem Trend zu vernünftigen Klassen fehlen leistungs- und charakterstarke sowie imageträchtige Modelle dennoch nicht. Der österreichische Hersteller KTM trumpft mit einer „Ready to Race”-Interpretation des Themas Sport-Touring auf: Die neue 1290 Super Duke GT (173 PS) kann ihrer Koffer entledigt und rennstreckentauglich gemacht werden.

Yamaha pflanzte das Herz der Supersport-Ikone R1 in ein Naked Bike. Die Leistung der MT-10 ist noch nicht endgültig definiert, wird aber nicht unter 150 PS liegen.
Und Ducati stellt nicht nur der 1299 Panigale eine gar nicht schwache 959er (mit 157 PS) zur Seite, die Italiener machten auch aus der Diavel (162 PS) einen starken Crossover (156 PS): Die XDiavel, die allerdings eher ihr mächtiges Drehmoment (129 Nm bei 5000 U/min) nach Cruiser-Manier denn ­ihre Spitzenleistung ausspielen soll.

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