AUTOMOTIVE BUSINESS
Industrie 4.0 bei Mercedes-Benz © APA/EPA/Uli Deck

Dieter Zetsche, Vorsitzender des Vorstands Daimler AG, Leiter Mercedes-Benz Cars.

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Dieter Zetsche, Vorsitzender des Vorstands Daimler AG, Leiter Mercedes-Benz Cars.

30.10.2015

Industrie 4.0 bei Mercedes-Benz

Die Automobilbranche steht vor großen Veränderungen. ­Neben der Elektrifizierung des Antriebsstrangs und dem autonomen Fahren geht es vor allem die Digitalisierung.

••• Von Georg Biron

STUTTGART. „Alle großen Trends in der Automobilindustrie werden heute schon durch Digitalisierung getrieben oder treiben sie selbst voran. Unser Ziel ist es, auch bei digitalen Technologien der führende und innovativste Automobilhersteller der Welt zu sein”, sagt Dieter Zetsche, Vorsitzender des Vorstands Daimler AG, Leiter Mercedes-Benz Cars. „Unter dem Begriff ‚Industrie 4.0' verstehen wir die Digitalisierung der gesamten Wertschöpfungskette – von der Konstruktion und Entwicklung über die Produktion, wo der Begriff seinen Ursprung hat, bis hin zu Vertrieb und Service”, erläutert Markus Schäfer, Bereichsvorstand Mercedes-Benz Cars, Produktion und Supply Chain Management, Daimler AG.

Menschen und Maschinen

„Für uns steht außer Frage, dass der digitale Wandel unsere Branche grundlegend verändern wird. Das gilt für die Methoden, nach denen wir Fahrzeuge entwickeln, planen und bauen; das betrifft die Art, wie wir mit Kunden in Kontakt treten – und nicht zuletzt wird der Wandel an unseren Produkten selbst erfahrbar”, so Schäfer.

Michael Brecht, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats, ergänzt: „Die technischen Veränderungen kommen. Zu ihrer Gestaltung ist eine neue Humanisierungspolitik erforderlich. Entscheidend ist, wie das Verhältnis von Autonomie und Kontrolle in Mensch-Maschine-Interaktionen gestaltet wird. Entweder die Menschen sagen den Maschinen, was sie tun sollen. Oder die Menschen bekommen von den Maschinen gesagt, was sie tun sollen. Der Schlüssel ist, dass wir die Menschen durch Qualifizierung gut darauf vorbereiten.”
Bei der Digitalisierung des Unternehmens bildet die Smart Factory den Kern. Dort sind Produkte, Maschinen und die gesamte Umgebung untereinander und mit dem Web vernetzt. Durch die Integration der realen Welt in eine funktionale, digitale Welt kann ein soganannter Digitaler Zwilling erzeugt werden, der in Echtzeit eine Abbildung von Prozessen, Systemen und Fabrikhallen ermöglicht.

Mercedes-Benz Smart Factory

Fünf Hauptziele verfolgt man mit der Smart Factory:
• Größere Flexibilität: Die Smart Factory ermöglicht eine schnellere Reaktion der Fertigung auf globale Marktschwankungen und veränderte, noch individuellere Nachfrage der Kunden. Die digitale Produktion erleichtert auch die Fertigung immer komplexerer Produkte.
• Erhöhte Effizienz: Die Nutzung von Ressourcen wie Energie, Gebäuden oder Vorräten ist ein entscheidender Wettbewerbsfaktor; eine durchgängig digitale Prozesskette bedeutet auch eine ständige Inventur: Bauteile sind jederzeit und überall identifizierbar, Anlagen sind von überall aus steuerbar.
• Höhere Geschwindigkeit: Flexible Produktionsprozesse, vereinfachte Anpassung bestehender Produktionseinrichtungen sowie die Installation neuer Anlagen ermöglichen einfachere und effizientere Fertigungsabläufe.
• Attraktives Arbeitsumfeld: Die Interaktion von Mensch und Maschine auch über neue Bedienoberflächen verändert die Arbeitswelt in vielen Bereichen wie beispielsweise Qualifizierung und Ergonomie. Unter Berücksichtigung des demografischen Wandels ergeben sich neue Perspektiven bei der Gestaltung zukünftiger Arbeits- und Lebensmodelle.
• Smarte Logistik: Perfektion von der Fahrzeugkonfiguration und -bestellung über die Teilebedarfsermittlung und Beschaffung zur Produktion und zur Auslieferung.

Schäfer formuliert es visionär: „Ein bestelltes Fahrzeug sucht sich seine Produktionsstätte und Maschine selbst.”

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