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Kolonnenfahrten in ganz Europa © panthermedia.net/Antrey

Die Entwicklung des Kolonnenfahrens von Lkw (Platooning) soll möglichst schnell vorangetrieben werden.

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Die Entwicklung des Kolonnenfahrens von Lkw (Platooning) soll möglichst schnell vorangetrieben werden.

georg biron 08.04.2016

Kolonnenfahrten in ganz Europa

Platooning-Projekt wird vom Europäischen Verband der ­Automobilindustrie (ACEA) unterstützt. Ziel ist es, die ­Entwicklung von Strecken für Lkw-Konvois in EU zu fördern.

BERLIN. Scania ist einer von mehreren Akteuren, die sich an der „EU Truck Platooning Challenge” vom 29. März bis zum 6. April aktiv beteiligt haben. Es handelte sich dabei um die weltweit erste grenzüberschreitende Initiative dieser Art.

Dazu Jonas Hofstedt, Head of Powertrain Development bei ­Scania: „Die ‚EU Truck Platooning Challenge' ist eine hervorragende Gelegenheit für uns, die großen Vorteile von Fahrzeugkonvois sowie sichereren und effizienteren Transport und einen verbesserten Verkehrsfluss, sowohl in Schweden als auch in Europa, stärker ins Bewusstsein zu rücken. Wir hoffen auch, das Verständnis dafür zu fördern, dass gemeinsame Standards für die verschiedenen Assistenzsysteme benötigt werden und dass eine gemeinsame EU-Gesetzgebung erforderlich ist, um umfangreiche Kolonnenfahrten zu ermöglichen.”
Gestartet wurde mit drei Sattelzügen im schwedischen Södertälje, Ziel der Kolonnenfahrt war Rotterdam. Die Initiative wurde von den Niederlanden, die derzeit den EU-Ratsvorsitz führen, organisiert.
Scania hatte Lastzüge mit einem zusätzlichen Auflieger eingesetzt, sodass die Gesamtlänge eines ­Gespanns 32 m betrug.
Mit solchen Lösungen können die Transportkosten um 40% und der CO2-Ausstoß um mehr als ein Viertel gesenkt werden.

Vorbild Eisenbahnzug?

Im sogenannten Platooning gibt das erste Fahrzeug Spur und Geschwindigkeit vor, die anderen Fahrzeuge folgen und passen ihre Beschleunigung und das Abbremsen automatisch an den Vorausfahrenden Lkw an.

Der Abstand beträgt zum Teil nur zehn Meter. Scania nutzt das Verfahren bei eigenen Transporteinsätzen seit Jahren und hat gezeigt, dass sich der Kraftstoffverbrauch durch die Reduzierung des Luft­widerstands unter realen Verkehrsbedingungen um bis zu zehn Prozent senken lässt.

Daimler Trucks-System

Ein eindrucksvolles Beispiel für die Möglichkeiten durch die digitale Vernetzung von Lkw präsentierte Daimler Trucks auf der Autobahn A52 bei Düsseldorf.

Drei über WLAN vernetzte, autonom fahrende Lkw waren als sogenannter Platoon mit Straßenzulassung im öffentlichen Verkehr unterwegs. In dieser Verbindung lässt sich der Kraftstoffverbrauch um sieben Prozent und die benötigte Fahrbahnfläche auf Autobahnen um knapp die Hälfte reduzieren – bei gleichzeitig mehr Sicherheit auf der Straße.
Aufbauend auf dem Daimler Trucks-System „Highway Pilot” für autonomes Fahren von schweren Lkw vernetzen sich dabei drei Fahrzeuge zu einem aerodynamisch optimalen, vollautomatischen Verbund. Das weiterentwickelte System nennt Daimler Trucks Highway Pilot Connect.
Dazu Wolfgang Bernhard, im Vorstand der Daimler AG verantwortlich für Daimler Trucks & Daimler Buses: „Wir bringen den Lkw ins Internet – und machen ihn zum mobilen Datenzentrum des Logistik-Netzwerks. Der vernetzte Lkw verbindet alle am Transport Beteiligten: Sie erhalten Informationen in Echtzeit, die vorher so nicht verfügbar waren: zum Zustand von Fahrzeug und Auflieger, zu Verkehrs- und Witterungsverhältnissen, zur Belegung von Rastplätzen und vieles mehr.”
Aus der Vielzahl von Daten entstehen neue Möglichkeiten. Bislang sind die Bereiche des Logistik-Netzwerks nur unzureichend verbunden; oft fehlen Infos für einen reibungslosen Ablauf. So sind in Europa immer noch rund 25% aller gefahrenen Lkw-km Leerfahrten.

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