AUTOMOTIVE BUSINESS
Seit 2000: Autoindustrie erlebt radikalen Wandel © Porsche Medienservice
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Jürgen Zacharias 10.07.2015

Seit 2000: Autoindustrie erlebt radikalen Wandel

Rückblick In den vergangenen 15 Jahren haben sich Autoindustrie und -wirtschaft in großen Teilen neu erfunden: Autos wurden sicherer und sparsamer. Neue Vertriebs­wege wurden aufgebaut, weitere Veränderungen stehen ante portas.

Wien. „Kfz-Fahrzeuge sind heute wesentlich effizienter und sicherer als noch vor wenigen Jahren.” Für Burkhard Ernst, Bundesgreminalobmann des heimischen Fahrzeughandels, fußt die Entwicklung der Automobilbranche (ausführliche Kommentare siehe auf der folgenden Seite) in den vergangenen 15 Jahren vor allem auf zwei wesentlichen Säulen. Und tatsächlich: Unterlagen der Statistik Austria untermauern das Bild vor allem in Bezug auf Benziner. Demnach verbrauchte ein durchschnittlicher Pkw im Jahr 2000 rund 7,0 Liter Diesel bzw. 8,8 Liter Benzin auf 100 Kilometer, 2012 waren es dann nur noch 6,8 Liter beziehungsweise 7,5 Liter. Die Statistiker zählten vor 15 Jahren noch 976 Verkehrstote pro Jahr (1992 waren es gar noch 1.403) – eine Zahl, die seitdem Schritt für Schritt auf 430 im Jahr 2014 gesenkt werden konnte.

Effizienzsteigerung

Verantwortlich für die Effizienzsteigerung der Fahrzeuge sind gleich mehrere Faktoren. So werden Autos heute nach ganz anderen aerodynamischen Maßstäben gebaut, vor allem aber wurde bei der Motorentechnologie ein gewaltiger Sprung erzielt. „Das Thema Effizienz, gepaart mit Performance, war sicher eines der wichtigsten Themen der vergangenen Jahre”, sagt auch Corinna Widenmeyer, Geschäftsführerin von Mercedes-Benz Österreich, im Gespräch mit medianet automotive. „Die Motoren wurden zum einen immer sparsamer und dabei aber extrem leistungsfähig.”

Fahrzeuge immer schwerer

Hatte laut dem VCÖ im Jahr 2000 ein neu zugelassener Diesel-Pkw im Schnitt 102 PS, so waren es 2014 schon 135 PS. Parallel dazu gingen aber die Emissionen der Fahrzeuge zurück, wie Günther Kerle, Geschäftsführer von Mazda Austria, betont: „Im letzten Jahrzehnt hat sich der Ausstoß eines Mazda6 mit 150-PS-Dieselmotor von 160 auf 100 Gramm CO2 pro Kilometer reduziert – eine Reduktion um mehr als ein Drittel.”
Notwendig wurde die Leistungs- und Effizienzsteigerung auch aufgrund der immer schwerer werdenden Fahrzeuge: Mehr und bessere Dämmung, neue Bauweisen, mehr Extraausstattung und neue Fahrerassistenzsysteme schlugen mit mehreren hundert Kilogramm pro Fahrzeug zu Buche. So wog vor 45 Jahren ein Mittelklassewagen wie der Opel Rekord nur knapp mehr als 1.000 Kilogramm und damit genauso viel wie heutige Kleinstwagen wie der Renault Twingo in Topausstattung. Auch in den Abmessungen legten die Fahrzeuge deutlich zu: Maß der VW Golf im Jahr 1974 noch 1,61 Meter in der Breite, so sind es heute bereits 179,9 Zentimeter.

Zulassungen halten Niveau

Zulassungsmäßig hat sich seit dem Jahr 2000 in Österreich kaum etwas getan. Zwar ging es zwischenzeitlich auf und ab, 2014 wurden mit 425.046 Kraftfahrzeugen aber beinahe genauso viele Fahrzeuge wie 2000 (427.838) neu zum Verkehr zugelassen. Laut Alain Favey, Sprecher der Geschäftsführung der Porsche Holding Salzburg, sind Gründe für die aktuell niedrigen Zahlen auch in der heimischen Steuerpolitik zu finden. Favey am 29. Mai im medianet-Interview: „Die Rahmenbedingungen sind mit dem günstigen Spritpreis, den niedrigen Zinsen und der überschaubaren Arbeitslosigkeit grundsätzlich positiv, immer wieder bringen aber Steuerinitiativen Verunsicherung in den Markt.” Günther Kerle von Mazda Austria sieht das ähnlich: „In vielen europäischen Ländern errechnen sich Kfz-Steuern anhand der CO2-Emissionen. Nur Österreich hinkt weiterhin nach mit seiner veralteten, teuren, ökologisch sinnlosen Berechnung auf Basis der PS-Zahl.”

E-Mobilität & Digitalisierung

Wichtige Zukunftsfelder der Branche sehen unsere befragten Experten in der Elektromobilität, aber auch Digitalisierung und Konnektivität der Fahrzeuge. „Auch die Entwicklung neuer Mobilitätsformen wird eine weitere Herausforderung in den kommenden Jahren sein”, sagt Ernst. Nachsatz: „Auch der Online-Wandel wird weiter wachsen; dem muss Rechnung getragen werden.”

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