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Sind Elektroautos unsere Klimaretter? © dpa/A3462 Marcus Führer

Alternative Wege Mit Effizienzsteigerungen von Benzin- und Dieselfahrzeugen seien laut der Studie ab 2025 keine großen Sprünge mehr zu machen. Es sei daher ein umfassendes Elektromoblitätskonzept notwendig, das auch Car-Sharing-Angebote (r.o.), elektrische Fahrräder (r.u.) und Schienenersatzverkehr berücksichtige.

© dpa/A3462 Marcus Führer

Alternative Wege Mit Effizienzsteigerungen von Benzin- und Dieselfahrzeugen seien laut der Studie ab 2025 keine großen Sprünge mehr zu machen. Es sei daher ein umfassendes Elektromoblitätskonzept notwendig, das auch Car-Sharing-Angebote (r.o.), elektrische Fahrräder (r.u.) und Schienenersatzverkehr berücksichtige.

04.12.2015

Sind Elektroautos unsere Klimaretter?

Eine neue MCC-Studie zeigt: Der Transportsektor könnte seine CO2-Emissionen mithilfe von E-Autos bis 2050 nahezu halbieren.

••• Von Jürgen Zacharias

Bei der Weltklimakonferenz in Paris wird aktuell über die globale Großwetterlage der kommenden Jahrzehnte entschieden. Nicht, dass die Politiker jetzt auch über Regen, Wind und Sonne bestimmen könnten, aber über die Reduktion oder weitere Eskalation von CO2-Emissionen allemal und diese spielen für das Weltklima eine nicht gerade unbedeutende Rolle. Das zeigt die Vergangenheit und das zeigen aktuelle Prognosen, die nur einen logischen Schluss zulassen: Die Emissionen müssen mittel- bis langfristig runter.

Ebenso klar ist, dass die bei den Weltklimakonferenzen ausgerufenen und durchaus ambitionierten Ziele aus politischen wie wirtschaftlichen Überlegungen regelmäßig mit Pauken und Trompeten verfehlt werden. Dabei wäre die Reduktion – geht es nach dem Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) – zumindest im Verkehrs­sektor durchaus realisierbar.

Elektromobilität als Triebfeder

Laut der Untersuchung „Transport: A roadblock to climate change mitigation?”, die Felix Creutzig vom MCC gemeinsam mit weiteren MCC-Autoren und Wissenschaftlern anderer Institute im Fachmagazin Science veröffentlicht hat, könnte der Transportsektor seine CO2-Emissionen bis 2050 sogar nahezu halbieren. Und das, obwohl der Weltklimarat IPCC für den Bereich, der laut MCC schon jetzt für 23 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich ist (in Österreich laut Umweltbundesamt 44,8%, global laut Weltklimarat 14%), bis 2050 eine Emissionsverdoppelung prognostiziert.

Nötig wäre zur Erreichung des von den Studienautoren ausgegebenen Emissionsziels außer weiteren Effizienzverbesserungen beim Verbrauch die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs in den Städten und vor allem der groß angelegte Wechsel zu Elektroautos.
„Elektromobilität in großem Stil könnte entscheidend dafür sein, dass die CO2-Emissionen im Transportsektor bis 2050 halbiert werden”, sagt dazu Leitautor Felix Creutzig.
Teil einer solchen Elektromobilitäts-Offensive müssten auch Car-Sharing-Konzepte, elektrische Fahrräder und der Schienenverkehr sein, so Creutzig „Effizienzsteigerungen der herkömmlichen Automobilflotte werden nach 2025 schwieriger; als Motor für die Dekarbonisierung bleibt dann nur der Brennstoffwechsel.”

Batteriepreise fallen weiter

Aufgrund fallender Batteriepreise ist der Elektroantrieb laut der neuen Studie gegenüber Motoren mit Biotreibstoffen oder Wasserstoffen in einer besseren Startposition.

Der Preis pro Kilowattstunde ist von 1.000 US-Dollar im Jahr 2007 (rund 950 Euro) auf etwa 410 US-Dollar (390 Euro) im Jahr 2014 gesunken. In Fortsetzung dieser Entwicklung gehen Prognosen für 2030 von einem Preis von weniger als 200 US-Dollar (190 Euro) aus.
„Die Elektrifizierung der Pkws könnte gleichzeitig einen Beitrag zur Energiewende leisten, wenn die Elektrofahrzeuge entsprechend ‚intelligent' in das Energiesystem integriert würden”, erklärt Patrick Jochem vom Institut für Indus­triebetriebslehre und Industrielle Produktion (IIP) des KIT, Mitglied der World Conference of Transport Research Society (WCTRS). „Ein Verschieben der Ladeprozesse in windstarke Stunden könnte zu einer Entlastung des Energiesystems führen und somit Synergien zwischen beiden Sektoren schaffen.”

Städte bieten ideales Umfeld

Laut Angaben der Forscher gibt es zahlreiche unterschiedliche Möglichkeiten, um die Emissionen des Verkehrssektors mittel- bis langfristig zu senken; besondere Bedeutung komme dabei aber der städtischen Infrastrukturpolitik zu. „Jeder Kilometer, den wir überhaupt nicht fahren, schützt das Klima ohnehin am besten – und darüber hinaus noch unsere Gesundheit beispielsweise durch sauberere Luft”, sagt Creutzig. „Die Infrastruktur­investitionen – etwa für neue Gleise oder Fahrradschnellwege – sind vergleichsweise gering. Denn sie bedeuten auch Einsparungen, weil weniger Straßen und Parkplätze gebaut werden müssen.”

Zudem würden solche Investitionen laut Creutzig meist positive Pfadabhängigkeiten nach sich ziehen. So würden etwa höhere Preise für Parkplätze im Innenstadtbereich bei einem gleichzeitigen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs Menschen zum dauerhaften Umstieg auf andere Verkehrsmittel bewegen und zugleich ihre Präferenzen auch längerfristig ändern.

Potenzial bleibt ungenutzt

Trotz dieses durchaus optimistischen Ausblicks geben sich die MCC-Verantwortlichen aber keinen Illusionen hin; bei internationalen Klimakonferenzen wie aktuell in Paris würden die Aspekte des Stadtverkehrs und der Elektroautos nämlich „meist nur eine untergeordnete Rolle spielen”.

„Mit Blick auf eine echte Transformation des Transportsektors im Sinne des Klimaschutzes waren die Politiker weltweit bisher wohl etwas zu schüchtern”, sagt Co-Autor David McCollum vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA). „Wenn wir optimale Lösungen, die wir jetzt schon überall auf der Welt sehen, wiederholen würden, könnten wir das bereits vorhandene Potenzial nutzbar machen.”
Viel zu oft ist dies allerdings – wie eingangs erwähnt – aus politischen wie wirtschaftlichen Überlegungen nicht der Fall. Und so werden die Treibhausgasemissionen wohl auch in Zukunft weiter steigen: Laut Weltklimarat legten die Emissionen zwischen 1970 und 2000 um 1,3 Prozent zu, von 2000 bis 2010 lag der Zuwachs dann aber schon bei 2,2 Prozent.

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