So viele Rückrufe wie nie zuvor
MOBILITY BUSINESS Moritz KOlar 30.01.2015

So viele Rückrufe wie nie zuvor

Center of Automotive Management Aktuelle CAM-Studie zeigt: Bei Autos treten weltweit immer häufiger sicherheitsrelevante Probleme auf

Zahl hat sich 2014 dramatisch erhöht – 63 Mio. Rückrufe allein in den USA.

Bergisch-Gladbach. Die Gründe sind vielfältig, die Auswirkung ist aber stets die gleiche: Aufgrund defekter Airbags, Brems-Probleme oder sonstiger Fertigungsmängel wurden im vergangenen Jahr weltweit so viele Autos zurück in die Werkstätten gerufen, wie nie zuvor. Einer aktuellen Studie des Center of Automotive Management (CAM) zufolge waren wegen Sicherheitsmängeln allein in den USA 2014 rund 63 Mio. Autos betroffen – mehr als doppelt so viele wie im Rekordjahr 2004. Zum Vergleich: Das sind fast vier Mal so viele Wagen, wie insgesamt neu auf die Straßen kamen.

Fehlende Qualitätskultur

Qualitätsmängel werden die Automobilhersteller der Studie zufolge wohl auch im neuen Jahr in Atem halten. Die Probleme mit defekten Zündschlössern bei General-Motors und explodierenden Airbags des japanischen Zulieferers Takata hätten gezeigt, dass eine Qualitätskultur längst nicht in allen Firmen den nötigen Stellenwert habe, schreibt der Autoexperte Stefan Bratzel in der Untersuchung. Manche Hersteller legten mehr Wert auf kurzfristige Gewinnmaximierung und beseitigten Mängel erst hinterher – „vielfach unter billigender Inkaufnahme von Unfällen”, kritisiert Bratzel.

Sensible Konsumenten

Die Zahl der Rückrufe bleibe daher vermutlich auch in den kommenden Jahren hoch. Mit ein Grund dafür sei, dass die Verbraucher weltweit sensibler auf Qualitätsmängel reagierten und sich über das Internet gut informierten. Bratzel untersucht in jedem Jahr den US-Markt, weil sich wegen der hohen Sicherheitsbestimmungen und des Klagerisikos dort besonders gut Schlüsse auf die Qualität der Fahrzeuge ziehen lassen. Der Trend gelte jedoch weltweit, da die Produktion global vernetzt sei.

Anhaltender Sparzwang

Als Grund für die gestiegenen Rückrufe sieht der Experte den höheren Anteil an Elektronik in den Autos und die steigende Zahl an gleichen Bauteilen. Damit nehme die Gefahr zu, dass selbst kleine technische Mängel sich rasch auf eine große Zahl von Autos ausbreiten. Ursache für technische Mängel sei vielfach ein hoher Sparzwang und erfolgsabhängige Bezahlung. Einkaufsmanager erhielten die Auflage, möglichst viel aus einem Geschäft herauszuholen. „Die stecken meist nicht in den Themen, um einschätzen zu können, welche langfristigen Folgen das hat; dann sind sie längst in einer anderen Position und können nicht mehr verantwortlich gemacht werden”, schildert Bratzel.Die höchste Rückrufquote hatte dem Experten zufolge im Vorjahr General-Motors mit 912 Prozent – das ist die Zahl der zurückgerufenen Fahrzeuge im Verhältnis zu den jeweiligen Neuzulassungen des Jahres. Insgesamt musste GM fast 27 Mio. Fahrzeuge zurück in die Werkstätten beordern. www.auto-institut.de

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