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Untersuchung bestätigt: ­Österreicher tanken anders © APA/dpa/Oliver Berg
© APA/dpa/Oliver Berg

20.11.2015

Untersuchung bestätigt: ­Österreicher tanken anders

Die Studie MobilitätsTrends 2015 zeigt Unterschiede, Besonderheiten und Eigenheiten im Tankverhalten der deutschsprachigen Länder.

••• Von Jürgen Zacharias

Beim Thema Tanken scheiden sich bekanntermaßen die Geister. Wenige Cent auf oder ab pro Liter lösen am Zapfhahn so heftige Diskussionen aus wie kaum in einem anderen Bereich, für eine Preisersparnis von schlussendlich 60, 70 oder 80 Cent werden kilometerlange Anfahrtswege in Kauf genommen. Nicht selten bleibt der erhoffte Preisvorteil dabei auf der Strecke. Besonders gern scheinen Mann und Frau für einen billig gefüllten Tank in Deutschland Umwege zu wählen, während sich in der Schweiz nicht einmal jeder zweite zu einer Kilometer-Mehrleistung im Gegenzug für günstigeren Treibstoff motivieren kann.

4.500 Personen befragt

Das sind nur einige der Ergebnisse der aktuellen Studie MobilitätsTrends 2015 von der exeo Strategic Consulting AG und der Rogator AG. Grundlage der mehrmals jährlich durchgeführten Untersuchung ist eine repräsentative Befragung von insgesamt rund 4.500 Personen ab 18 Jahren (deutschsprachige Bevölkerung des sogenannten D-A-CH-Gebiets), die in den vergangenen zwölf Monaten Reisen bzw. Fahrten mit einer Entfernung von mehr als 50 Kilometern unternommen haben.

Dabei zeigt sich bei deutschen Autofahrern eine starke Fokussierung auf den Spritpreis: 60 Prozent der Tankstellenkunden sind bei unseren Nachbarn bereit, aufgrund von Preisdifferenzen beim Kraftstoff einen Umweg in Kauf zu nehmen, während dies nur 54 Prozent der Österreicher und nur 48 Prozent der Schweizer machen würden.
Die Verbraucher in unserem Nachbarland sind in puncto Spritpreis deutlich sensibler als die europäischen Nachbarn. Während in Deutschland 46 Prozent tanken, wenn Preissenkungen zu beobachten sind, machen das in Österreich nur 27 Prozent und in der Schweiz sogar nur 12 Prozent. „Die Preisgestaltung bei Kraftstoffen führt für viele Autofahrer zu Verwirrung und zu Verärgerung”, sagt Studienautor Andreas Krämer. „Dabei zeigen die Autofahrer in Deutschland eine höhere Preissensitivität als die Nachbarn in Österreich und der Schweiz”.

Preisrecherche im Netz

Vor diesem Hintergrund gewinnen die Möglichkeiten, sich über das Preisniveau von erreichbaren Tankstellen in der Umgebung zu informieren, an Bedeutung.

Etwa ein Drittel der Befragten in Deutschland gibt an, in den vergangenen zwei Monaten das Internet genutzt zu haben, um sich über Tankstellen in ihrer Umgebung zu informieren.
In den Nachbarländern spielt dies eine deutlich geringere Rolle (Österreich 29 Prozent beziehungsweise Schweiz 4 Prozent).
Damit im Zusammenhang steht auch, dass die Bindung an eine bestimmte Tankstelle in Deutschland vergleichsweise gering ist. 53 Prozent der deutschen Autofahrer geben an, immer oder fast immer dieselbe Tankstelle zu nutzen (47 Prozent wechseln ihre Tankstelle, wobei dies überwiegend mit einem Markenwechsel verbunden ist); in Österreich (69 Prozent) und auch in der Schweiz (68 Prozent) liegen die Anteile der „Tankstellentreuen Kunden” viel höher.
Die Frage „Wann tanken Sie üblicherweise?” spaltet die deutschsprachigen Autofahrer, wobei sich auch da eine deutsche Besonderheit zeigt: Während in unserem Nachbarland die eine Hälfte (50 Prozent) immer erst dann tankt, wenn der Tank leer ist, sind das in Österreich 68 Prozent und in der Schweiz 85 Prozent.

Verbrauch bleibt konstant

Neben den MobilitätsTrends 2015 geben auch andere Studien und Untersuchungen immer wieder Auskunft über das Verbrauchsverhalten der österreichischen Autofahrer an Tankstellen.

So dokumentiert der Fachverband der Mineralölindustrie ­(FVMI) seit Jahren einen Verbrauchsrückgang von Mineralölprodukten. Im Vergleich zum Jahr mit den höchsten Verbrauchswerten (2005, 12,8 Mio. Tonnen) wurden im vergangenen Jahr um 17,5 Prozent weniger (2014, 10,6 Mio. Tonnen) verbraucht.
Trotzdem blieb im ersten Halbjahr 2015 der Verbrauch von Diesel und Benzin im Vergleich zu den ersten sechs Monaten 2014 konstant. Umgerechnet in Liter, vertankten Herr und Frau Österreicher von Jänner bis inklusive Juni 4,6 Mrd. Liter Kraftstoff (inkl. Bioanteile), die sich auf eine Mrd. Liter Benzin und 3,6 Mrd. Liter Diesel verteilen – und das bei kontinuerilich sinkenden Preisen.

Sinkende Preise

Das mag der eine oder andere Leser vielleicht anders wahrnehmen, laut dem Fachverband der Mineralölindustrie (FVMI) sinken die Kraftstoffpreise aber von Jahr zu Jahr kontinuierlich: In Summe ist Benzin seit 2012 um 11 Prozent und Diesel um 19 Prozent billiger geworden.

„Dehnt man den Betrachtungszeitraum weiter aus und stellt Vergleiche mit dem Verbraucherpreisindex 1986 an, sind Kraftstoffe inflationsbereinigt und bei Weglassen der mehrfachen Mineralöl-Steuererhöhungen seit 1986 sogar günstiger geworden”, sagt Christoph Capek, Geschäftsführer des FVMI.
Und auch dabei zeigen sich Unterschiede zwischen den Ländern der D-A-CH-Region. Demnach tanken wir Österreicher vergleichsweise günstig, 2014 mussten wir nur 1,350 bzw. 1,301 Euro pro Liter Euro­super und Diesel hinlegen.
In Deutschland mussten Konsumenten dafür 1,543 bzw. 1,361 Euro bezahlen, und die Schweiz präsentiert sich im Vergleich einmal mehr als eines der teuersten Länder Europas: Für den Liter Dieselmussten Eidgenossen 2014 1,498 Euro bezahlen, der Eurosuper war mit 1,416 Euro vergleichsweise günstig.

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