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Braucht das Thema Bildung einen Plan B? © APA/Roland Schlager

„Digitale Bildung” (v.l.) Bildungsministerin Sonja Hammerschmid und Kanzler Christian Kern vergangene Woche beim Besuch einer HAK in Wien-Simmering.

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„Digitale Bildung” (v.l.) Bildungsministerin Sonja Hammerschmid und Kanzler Christian Kern vergangene Woche beim Besuch einer HAK in Wien-Simmering.

sabine bretschneider 03.02.2017

Braucht das Thema Bildung einen Plan B?

Wenig Konkretes findet sich im Programm für Österreich zum Schlüsselfaktor Bildung. IV & WKO freut’s dennoch.

••• Von Sabine Bretschneider

Für Österreich” heißt es also, das von SPÖ und ÖVP in zähen Verhandlungen generalüberholte Regierungsprogramm, das am Montag präsentiert wurde. Auf 35 Seiten werden Maßnahmen für Wirtschaft und Arbeitsmarkt, Forschung und Bildung, Sicherheit, Integration und Migration aufgelistet. Zum Stichwort „Bildung”, Kapitel 2, findet sich einiges im neuen Kompendium. Neu und sehr konkret festgelegt ist etwa die geplante Übernahme „der vollen Kosten für alle Vorbereitungskurse auf die Lehrabschlussprüfung aus den Mitteln der betrieblichen Lehrstellenförderung” (duale Ausbildung). Durch die Abschaffung der bisher bestehenden Deckelung würden zusätzlich 3.000 Lehrlinge pro Jahr von der Förderung profitieren. Auch die Erasmus+ Auslandspraktika für Lehrlinge mit Schwerpunkt Sprachenerwerb sollen ausgebaut werden.

Neue Zugangsregeln

Österreichs Hochschulen sollen sich „Richtung Weltspitze entwickeln”; für Mitte Juni wird ein „Umsetzungskonzept zur Einführung eines Studienplatzfinanzierungsmodells an öffentlichen Universitäten” inklusive „entsprechender Anpassung des Hochschulbudgets” angekündigt sowie Maßnahmen zur Verbesserung der sozialen Durchmischung wie auch der Ausbau von Studienplätzen in MINT-Fächern.

Auch am Beginn der Bildungslaufbahn wird angesetzt: Die Elementarpädagogik soll weiter gestärkt, die Entwicklung des Kindergartens von der Betreuungs- zur Bildungseinrichtung forciert werden. Die Schulen werden zukünftig „wesentlich stärker in die Autonomie und Eigenverantwortung entlassen”. Weiters wurde die Digitalisierungsoffensive an den Schulen, wie von Bildungsministerin Sonja Hammerschmid angekündigt, im Arbeitspapier festgeschrieben.

WKO und IV zuversichtlich

Die Reaktionen auf die Bildungs­offensive ließen nicht lang auf sich warten: Für die WKO ist die Festschreibung von Maßnahmen im Schulbereich im neuen Arbeitsprogramm der Regierung „eine gelungene Fortsetzung des eingeschlagenen Weges”. Die Umsetzung des Schulautonomiepakets müsse dabei an oberster Stelle stehen. „Im Autonomiepaket gleich ein Sparpaket zu vermuten, wie dies die Lehrergewerkschaft derzeit tut, sehe ich nicht”, so Michael Landertshammer, Leiter der Abteilung für Bildungspolitik der WKO. Zusätzlich zum Lehrlingspaket des neuen Arbeitsprogramms brauche die Wirtschaft außerdem eine „deutliche Kostenentlastung der Ausbildungsbetriebe oder die Einführung neuer, zukunftsweisender Lehrberufe”. Die geplanten Maßnahmen im Hochschulbereich begrüße man, „da sie langjährigen Forderungen der Wirtschaft nachkommen”.

„Das Autonomiepaket muss kommen”, bekräftigt auch Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV). „Noch nie war in Österreich das Fenster so weit offen für Veränderungen hin zu einer echten Schulautonomie, wie jetzt. Diese Chance dürfen wir nicht verstreichen lassen.” Wesentlich für eine erfolgreiche Umsetzung des Autonomiepakets sei aber jedenfalls eine „durchdachte, autonomiefördernde und letztlich für die Schulen und Pädagoginnen und Pädagogen praktikable Ausgestaltung der angestrebten Schulcluster. Cluster müssen die Schulen dabei unterstützen, Autonomie gut leben zu können. Sie müssen Autonomie von unten nach oben ermöglichen”, forderte Neumayer. „Gleichzeitig muss eine wirksame Qualitätssicherung und -steuerung gewährleistet sein, am besten durch eine unabhängige Qualitätssicherungsstelle”, appelliert er abschließend.

Applaus der Internetoffensive

Auch die Internetoffensive ­Österreich beklatscht das neue Regierungsprogramm als „Meilenstein in der österreichischen Digitalisierungspolitik”. Damit habe man einen „gezielten Weg eingeschlagen, der uns an die internationale IKT-Spitze bringen kann”, sagt Norbert Schöfberger, IOÖ-Präsident und Geschäftsführer von Hewlett Packard Enterprise Österreich.Besonders erfreulich sei, „dass neben den Infrastrukturthemen auch Maßnahmen für die Digitalisierung der Bildung, Anreize für Unternehmen im Bereich der Beschäftigungspolitik und für die Forschungsförderung gesetzt werden”.

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