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Der guute Mensch der ­ergonomischen Ruhe © guut, das Bett
© guut, das Bett

PAUL CHRISTIAN JEZEK 10.07.2015

Der guute Mensch der ­ergonomischen Ruhe

Als Kind wollte ich immer schon … … klare Ziele haben. Ich habe tatsächlich jene Schulkollegen beneidet, die sich für nur eine Sache begeistert konnten.
Erfolg ist … … wenn die Dinge lebendig bleiben und sich weiterentwickeln,… wenn sie gedeihen, wachsen und Früchte tragen,… wenn dabei der Spaß an der Sache über lange Strecken erhalten bleibt,… wenn die Geschichten einen Sinn ergeben und sie die Welt, in der wir leben, ein kleines bisschen besser machen.
Für die Karriere ist wichtig … … Ich glaube, dass sich das Potenzial für einen erfolgreichen Lebensweg aus der Energie speist, die man in die Dinge steckt, die man tut.
Mein Lebensmotto: Umwege erhöhen die Ortskenntnis. Mich hat Zeit meines Lebens so ziemlich alles interessiert, was mit schönen Dingen zu tun hatte – ob Kunst, Musik, Architektur oder Fotografie war mir ganz egal.
Jungen Menschen würde ich raten … … vieles auszuprobieren und vor allem die Sachen zu machen, die ihnen Freude machen und an die sie glauben. In den 80er-Jahren hieß das Motto: Follow your heart, und bis heute gibt es wohl keine bessere Umschreibung dafür.
Die Bedeutung von Geld ist: … vollkommen überschätzt.
Ein Buch, das mich berührt hat: … „Kruso” von Lutz Seiler.
Wohin ich unbedingt reisen möchte Zum Gleitschirmfliegen in die Dolomiten.
Woran ich glaube … Wenn ich es mir genau überlege: an die Unsterblichkeit der Seele.
In 20 Jahren werde ich … … hoffentlich noch mindestens genau so neugierig, lebendig und interessiert sein wie heute.

Anselm Schwade (geb. am 28.12. 1965) arbeitete im Bundesdenkmalamt an der Festigung gotischer Fresken wie auch bei der Restaurierung von Kirchenfassaden in der Wachau mit. Später studiere er Querflöte – danach war er zunächst Angestellter der Flötenwerkstatt Wien und anschließend Querflötenlehrer im Waldviertel. Heute widmet er sich ganz der Gestaltung des guuten Schlafs.

Gegründet 1999 unter dem Namen lucas_bett & raum von Lucas Stürzenhofecker, der in einem Kellerlokal Matratzen genäht hat.
2003 fand er das Lokal am Wallensteinplatz: ein aufgelassenes Bastelgeschäft, fortan Werkstatt und Schauraum. Neben Matratzen entstanden bald auch die ersten eigenen Betten, seitdem entwickeln sich die Modelle kontinuierlich weiter. 2013 fasste der Gründer den Entschluss, andere Wege zu gehen zu wollen, und weil Gutes einfach weiter bestehen sollte, wurde daraus guut. „Heute wie damals heißt das: gut in aller Konsequenz und bis ins letzte Detail”, sagt Anselm Schwade.
www.guut.at

Wien. Seit rund zwei Jahren agiert Anselm Schwade als Chef der Wiener Betten-Manufaktur guut.

„Wer schlafen kann, darf glücklich sein”, zitiert er zu Beginn des medianet-Gesprächs Erich Kästner. Dazu bedarf es eines ergonomisch perfekt und intelligent geformten Bettes – und damit, bringt es Schwade auf den Punkt, eines Liegesystems von guut: „Die schraubenlosen, aus heimischen Hölzern im Mühlviertel handgefertigten Betten und die mehrschichtigen, am Wiener Wallensteinplatz handgenähten Matratzen garantieren höchste Schlafqualität!”

Schlaf klingt wie Musik

Schon der lang gedehnte Name „guut” klingt wie ein Stück Musik und verkörpert Schwades Programm: „Bewusst spiegelt er jenen Wohlfühl- und Entspannungsfaktor wider, der sich sofort einstellt, wenn man in einem unserer Betten liegt. Betten sind slow living und damit bewusste Entschleunigung, denn guter Schlaf ist genauso wichtig wie gesundes Essen.”
Deutlich weniger wichtig ist Schwade das „klassische Karrieredenken”: „Das liegt etwas außerhalb meiner Welt: Ich mache Dinge, von denen ich überzeugt bin, die ich für sinnvoll halte und von denen ich gut leben kann. So gesehen habe ich wenig Ideen dazu, welches die richtigen Bausteine für eine Karriere sein könnten.”
Schwade hat auch schon Jobs aufgegeben, „in denen ich vor Jahren mehr verdient habe als heute, weil sie mir keinen Spaß gemacht haben, aber vor allem: weil ich keinen Sinn darin sehen konnte.”
Was aber wirtschaftlichen Erfolg durchaus nicht grundsätzlich verhindert: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich noch jedes Mal das für meine Projekte notwendige Geld aufgestellt habe, wenn mir die Dinge wirklich wichtig waren. Der Dreh- und Angelpunkt dabei: Ich muss es wirklich wollen – ein ,Ich hätte gern …' ist zu ­wenig!”
Handarbeit, Regionalität und Nachhaltigkeit heißen die Prinzipien, die Schwade bei guut realisiert. Verarbeitet werden nur heimische Laubhölzer, weil sie härter sind als Nadelhölzer und sich daher ideal für die innovativen, schraubenfreien Holz-Steck-Verbindungen der guut-Betten eignen. Diese ermöglichen Auf- und Abbau in Minutenschnelle – ohne Werkzeug. Hergestellt werden die guut-Betten nach dem Prinzip des Goldenen Schnitts in der Tischlerei von Alois Füchsl in Mühlviertel.

Guut ist wirklich wichtig

Auch die guut-Matratzen werden in Handarbeit gefertigt: in der Wiener Werkstatt am Wallensteinplatz. „Maßarbeit und Sonderwünsche gehören bei uns zum guten Ton”, verspricht Schwade. guut-Matratzen sind aus einzelnen Schichten aufgebaut und dadurch variabel und einfach zu handhaben. „Das ermöglicht es, Einzelelemente zu verändern, zu ergänzen und zu reinigen.”
Für Matratzen, Pölster, Decken und Bettwäsche werden ebenfalls nur natürliche Materialien verwendet: reiner Naturlatex, latexierte Kokosfaser, Bio-Baumwolle, Rosshaar, Dinkelspelzen, Hirsespelzen, Latexflocken, Kapok, Wildseide, (Schur-)Wolle, Wollfilz und Babykamelflaumhaar, ohne dass dem Kamel auch nur ein einziges Haar gekrümmt wird. „Schon aufgrund meines katholischen Elternhauses gab es einen starken Zug ins Soziale”, lächelt „Guut-Mensch” Schwade. „Ich glaube an die unsichtbaren Verbindungen hinter den Dingen und an das Guute im Menschen!” Und an die Vielfalt: „Ich habe mir einfach alles angeschaut und so viel möglich ausprobiert. So suchte eine Freundin meiner Eltern einen neuen Geigenschüler für ihre Lehrerin. Als mich meine Eltern fragten, ob mich das interessieren könnte, habe ich natürlich sofort zugesagt. Auf diese Weise habe ich als Kind Geige und Querflöte gelernt, habe gemalt, gebastelt, gekocht, gebacken, gestrickt und genäht, was für Burschen in dieser Phase ihres Lebens vielleicht eher unüblich ist …”
Aus diesen vielfältigen Ansätzen hat sich wie ein geflochtenes Band der rote Faden entwickelt, der Schwades „Career” so lebendig und spannend gestaltet hat: „Mal war die Kunst oben, mal das Soziale, mal das Handwerk. Im Laufe der Jahre habe ich mich mit meiner Vielseitigkeit versöhnt. Ich habe begriffen, dass all die unterschiedlichen Dinge, die ich gemacht habe, sich gegenseitig ergänzen: Keine einzige meiner Erfahrungen war umsonst!”

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