Die Karrierepläne der Frauen
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Für Frauen zählt die Unternehmenskultur – für Männer betriebswirtschaftliche Fakten.
CAREER NETWORK 06.11.2015

Die Karrierepläne der Frauen

Wenn es um die Karriere geht, ticken Frauen anders. Sie wollen eher in der Pharma- oder Konsumgüterindustrie arbeiten, Männer eher in der IT- oder Finanzbranche.

••• Von Paul Christian Jezek

WIEN. Der Banken- und Finanzsektor ist die beliebteste Branche der Wirtschafts-Männer in Österreich: 12,4% wollen nach dem Studium dort arbeiten. Bei den Wirtschafts-Frauen landet die Branche hingegen nur auf Rang 5. Nur 6,3% der Wirtschaftswissenschaftlerinnen zieht es für den ersten Job in die Finanzbranche. Das ist eines der Ergebnisse des trendence Graduate Barometers, einer Studie, die das trendence Institut unter rund 6.200 Studierenden in Österreich durchführt, die kurz vor dem Eintritt in das Berufsleben stehen.

Das zeigt sich auch in den Rankings der beliebtesten Arbeitgeber: Bei den Männern landen drei Banken in den Top 10: die Erste Bank (Rang 4), die Raiffeisen Zentralbank (Rang 7) und die Europäische Zentralbank (Rang 8). Bei den Frauen schafft es lediglich die Raiffeisen Zentralbank unter die Top 10, ebenfalls auf Rang 7. Die Wirtschafts-Frauen zieht es hingegen in die Konsumgüterindustrie (13,2 Prozent) und den Handel (10,6 Prozent).

Chemie für Frauen, IT für MännerAuch bei den Absolventen der technischen Fächer bestätigen sich Geschlechterklischees: 15,6% der Technik-Frauen zieht es in die Chemie- und Pharmaindustrie. Unter den zehn beliebtesten Arbeitgebern der Ingenieurinnen und Informatikerinnen sind mit Bayer auf Rang 3, Boehringer Ingelheim auf Rang 4 und Baxter auf Rang 6 gleich drei Unternehmen der Branche.

Bei den Männern liegt das beliebteste Pharmaunternehmen, Bayer, erst auf Rang 12; die Männer zieht es stattdessen in die IT-Wirtschaft (14,7%) und in die Automobilindustrie (11,7%).

Kultur vs. Betriebswirtschaft

Frauen sind generell etwas anspruchsvoller bei der Wahl eines Arbeitgebers: Ein Arbeitgeber muss für sie mehr Kriterien erfüllen als für Männer. Bei Frauen fällt die Unternehmenskultur eines Unternehmens viel mehr ins Gewicht. Sie achten stärker auf Wertschätzung, sichere Anstellungen, soziales Engagement, eine ausgewogene Work-Life-Balance – und vor allem darauf, ob die Chancen von Männern und Frauen im Unternehmen gleichverteilt sind.

Männern sind hingegen die ökonomischen Eigenschaften eines Arbeitgebers wichtiger als Frauen: der wirtschaftliche Erfolg, die Innovationskraft sowie die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens.

Wenn’s ums Geld geht

Auch wenn Frauen an sich anspruchsvoller sind – bei den Gehaltsforderungen macht sich das nicht bemerkbar. Im Gegenteil: Hier sind die Absolventinnen deutlich bescheidener als ihre Kommilitonen und legen schon beim Eintritt ins Berufsleben den Grundstein für den späteren Gehaltsunterschied zwischen den Geschlechtern. Technikerinnen rechnen mit 30.400 € brutto Einstiegsgehalt pro Jahr – 15% weniger als Männer mit 35.700 €. Bei den Wirtschaftswissenschaftlern ist das Verhältnis ähnlich: Die Frauen erwarten mit 28.600 € rund 13% weniger Gehalt als ihre Kommilitonen mit 32.700 €.

Holger Koch, Geschäftsführer des trendence Instituts, referierte am 4.11. bei der Personal Austria über diese Ergebnisse des trendence Graduate Barometers.

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