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Digitale Changemaker am Arbeitsmarkt © Panthermedia.net/KirillM
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sabine bretschneider 07.04.2017

Digitale Changemaker am Arbeitsmarkt

Die vierte industrielle Revolution dominierte im Jahr 2016 Arbeitsmarkt, Recruiting und Unternehmensstrategie.

••• Von Sabine Bretschneider

Nicht nur am Arbeitsmarkt ist die sogenannte vierte indus­trielle Revolution das Thema schlechthin, sondern auch im Recruiting: Machine Learning, Chatbots und Robot Recruiting haben im Zeitalter der Digitalisierung in den Personalabteilungen Einzug gehalten. Egal ob Unternehmen lediglich HR-Software für effizienteres Bewerbermanagement oder auf ihrer Karriereseite nutzen, Recruiting wird mehr und mehr zu einem systemgesteuerten und bisweilen auch automatisierten Unternehmensbereich. In den nächsten Jahren werden technische Entwicklungen darauf abzielen, Recruiting-Prozesse verstärkt zu automatisieren.

Der digitale Wandel betrifft auch die meisten Berufsbilder: Wer heutzutage noch annimmt, dass Lernprozesse nach Ausbildung und Studium abgeschlossen sind, irrt. Vielmehr gilt, dass lebenslanges Lernen unumgänglich ist, um als Mitarbeiter – und auch als Unternehmen – wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Anbieter beruflicher Weiterbildung haben längst auf den Trend reagiert und bieten mit innovativen und unkonventionellen Produkten Weiterbildungskonzepte für die Workforce der Zukunft an. Arbeitsmarktexperten betonen, dass trotz Automatisierung unterm Strich kaum Arbeitsplätze wegfallen werden. Allerdings werden sich Hunderttausende von Beschäftigten beruflich völlig neu orientieren müssen.

Verunsicherung dominiert

Ausreichend vorbereitet fühlen sich allerdings auch erst elf Prozent der Unternehmen, besagt eine Analyse von Deloitte. ­Deloitte untersuchte in den Global Human Capital-Trends die aktuellen Herausforderungen im Personalbereich. Das Ergebnis: Der Großteil der Unternehmen ist laut Einschätzung der eigenen Führungskräfte noch nicht fit für die Zukunft. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen also nicht nur die Arbeitnehmer, sondern auch die Organisationen agiler und flexibler werden. Auch für die Arbeitgeber gilt: Kontinuierliches Lernen und schnelle Anpassungsfähigkeit werden immer wichtiger – und um die richtigen Talente zu gewinnen, brauchen Unternehmen innovative Rekrutierungsstrategien.

Insbesondere österreichische Führungskräfte kämpfen laut dieser Analyse mit komplexen Strukturen und fühlen sich auf fast alle Trends schlechter vorbereitet als die internationalen Mitbewerber. Identifiziert wurden drei Toptrends, die in nächster Zeit bestimmend sein werden. Erstens, Organisationen müssen agiler und digitaler werden. Um Abläufe zu vereinfachen, müssen hierarchische Strukturen durch Netzwerke und agile Teams ersetzt werden. Für Führungskräfte gilt: Gefragt sind rasche, fundierte Entscheidungen bei zunehmender Komplexität, während man gleichzeitig mit neuen Geschäftsmodellen und Arbeitsformen konfrontiert ist.

Mehr Flexibilität für alle

Zweiter Trend sind flexible Karrieremodelle und schnelle Anpassungsfähigkeit. Der Aufbau von Karrieremodellen und Entwicklungsmaßnahmen muss neu gedacht werden; eine Kultur des kontinuierlichen Lernens, Anpassungsfähigkeit, Entwicklung und persönliche Entfaltung stehen dabei im Mittelpunkt. Die Schwierigkeit liegt darin, die Karrierewünsche der Mitarbeiter und den Bedarf des Unternehmens zusammenzubringen.

Trend drei ist das innovative Recruiting zur Gewinnung neuer Talente mit digitalem Know-how. Österreichische HR-Abteilungen agieren beim Recruiting meist noch sehr traditionell. Die Suche nach geeigneten Kandidaten erfordert aber einen innovativen Zugang: Damit setzte sich auch Best Recruiters 2016/17, die größte Recruiting-Studie im deutschsprachigen Raum, kürzlich auseinander. Fazit der Studienautoren: Es gibt nicht mehr nur einen einzigen Kanal, über den Bewerber mit potenziellen Arbeitgebern kommunizieren und umgekehrt.
Die Herausforderung für Unternehmen wird sein, herauszufinden, wo sich die gesuchte Zielgruppe aufhält und sie genau dort abzuholen. Das mag darin münden, dass eine einzige Personalabteilung letztlich Bewerbungen über zehn, zwanzig, dreißig verschiedene Kanäle erhält und diese entsprechend koordinieren muss. Das ­Investieren allerdings lohnt sich: Wer sich im Recruiting technisch gut aufstellt, hat im Kampf um die besten Talente die Nase vorn.

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