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Drei Karrieren – mindestens – auf höchstem Niveau
10.04.2015

Drei Karrieren – mindestens – auf höchstem Niveau

Der international renommierte Software- und Telekom-Experte Günter Koch ist Unternehmer, Manager und Wissenschaftler und gilt als einer der profundesten Kenner der europäischen und nationalen Forschungs- und Technologieszene.

Wien. Man schrieb 1984 – älteren Semestern noch als „Orwell-Jahr” geläufig –, als Günter Koch in Freiburg im Breisgau mit weiteren namhaften Querdenkern den seither halbjährlich in einem Kloster tagenden „Synergieworkshop” realisierte, um (u.a.) „Visioning” als Methode zur Vorbereitung von Zukunftsstrategien anzuwenden und Zukunftsszenarien und Handlungsstrategien daraus zu entwickeln.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt waren die Visionen Kochs (der schon 1984 NSA-Machenschaften erwähnt hatte – mehr dazu unter www.orwell-1984-award.org) ständige Begleiter und entgegen dem oft zitierten Ausspruch eines ehemaligen Bundeskanzlers musste er deswegen keineswegs etwa einen Arzt in Anspruch nehmen …

Erfolgreiche Start-ups

Schon 1993/94 führten Kochs Ideen zur Gründung des Vereins CampusArt in Graz. „Anstelle wie ursprünglich beabsichtigt eine Genossenschaft mit beschränkter Haftung zu gründen, haben die CampusArtisten entweder eine Anstellung angenommen oder ihr eigenes Ding durchgezogen, d.h. Firmen gegründet”, erinnert sich Koch – „mindestens vier Spin-off-Gründungsunternehmen” sind daraus hervorgegangen.1993 bis 1996 war Koch Generaldirektor des European Software Instituts (ESI) in Spanien und ein Jahr später als Chefconsultant und „Architekt” beim Computerkonzern SUN Microsystems in Genf tätig. In Österreich war er – nach einer ersten Gastprofessur in Systementwurf und Systemarchitekturen anfangs der 90er in Graz – von 1998 bis 2003 wissenschaftlich-technischer Geschäftsführer der Austrian Research Centers (vulgo: Forschungszentrum Seibersdorf). „Mein Job in Zusammenarbeit mit Co-GF Wolfgang Pell bestand darin, den Turnaround zu schaffen”, erinnert sich Koch im media-net-Gespräch. Die Entwicklung lässt sich anhand der Fakten ablesen: 50% Umsatzwachstum, 66% Eigenfinanzierung durch wettbewerblich eingeworbene Aufträge, Verdreifachung des industriellen Auftragseingangs, nicht vorhandene Eigenkapitalbasis wieder auf rund 60% aufgebaut, Sicherheitsreserven (rund 30 Mio. €) angelegt. Weitere Erfolge waren ohne Zweifel die Initiierung und Konzeption des ersten österreichischen Forschungs-Kollektivvertrags sowie die Verdichtung von rund 40 „verhüttelten” Technologieaktivitäten auf acht Leitprogramme. Weitere Meilensteine wie etwa Outputorientierung oder die hohe Erfolgsquote bei der Gründung von Kompetenzzentren stehen exemplarisch für den Ruck, der damals durch die ARC gegangen ist. „ARC hat unter meiner Leitung vielfach eine Vorreiterrolle übernommen, insbesondere was modernes Management einer Forschungsorganisation betrifft – wie etwa die Führung per Wissensbilanz”, erinnert sich Koch mit berechtigtem Stolz. „Die von mir in Zusammenarbeit mit Ursula Schneider von der Uni Graz ausgearbeitete Wissensbilanz wurde 1999 in Seibersdorf eingeführt und hat sich mittlerweile – weit über Österreichs Grenzen hinaus – als methodischer Erfolgsschlager entwickelt.” Aufgegangen ist auch die Idee einer klaren Förderung der inter- und transdisziplinären Forschung (via „Innovation Labs”), aus der innovative Produkte wie etwa Biochips hervorgegangen sind.Die Wissensbilanzierung (engl.: Intellectual Capital Reporting) habe sich vermutlich als am „wirkungsmächtigsten” erwiesen: Sie wurde auch in die gängige unternehmerische Praxis implementiert und fand auch Eingang in die österreichische Universitätsgesetzgebung: Seit 2006 müssen alle heimischen Unis jährlich einen Bericht nach dieser Methode vorlegen.

Kochs globale (An)Sicht(en)

Koch gab und gibt sich jedoch nicht „nur” mit den Unis zufrieden: Seine „globale Sicht auf Österreichs Forschungspolitik” („Austria’s Transformation into the Knowledge Society”) ist auch vier Jahre nach dem Erscheinen in den weitaus meisten Erkenntnissen nach wie vor gültig. „Die besondere Bedeutung dieser Arbeit liegt vor allem in der Spiegelung der internen Selbstsicht österreichischer zu den Außensichten internationaler Experten und dem daraus resultierenden Momentum für wechselseitiges Lernen zum Thema einer integrierten Wissenspolitik für die zukünftige Wissensgesellschaft”, erklärt Koch.Als Managing Director des internationalen „European Software Institute” hat er weiters einen Standard (ISO 15504) begründet, nach dem die Software-produzierende Industrie das Management ihrer Software-Projekte qualitativ erheblich verbessern kann. Bemerkenswert ist auch die Humboldt Cosmos Multiversity (HCM, http://humboldt-cosmos-multiversity.org) – eine „Multiversität” mit Ausrichtung auf Menschen mit lebenslanger Berufserfahrung, deren Wissen und Weisheit als „Silberwissen” bezeichnet wird und die von tägli-chen operativen Leistungsverpflichtungen entbunden und in ihrer Lebensführung unabhängig sind. „Diese Vielfalts-Universität vereint mehrere aufeinander abgestimmte Konzepte der Bildung und Forschung wie projekt- und fallbezogener Diskurs, Studienerarbeitungen, Lehr- und Seminarveranstaltungen, Exkursionen sowie aktives Kommunizieren und Publizieren in sich”, erklärt Koch. „Die HCM ist keine Vorlesungs-Universität, sondern fordert ihre Teilnehmer zu aktiver Beteiligung auf – und bildet damit in der Zielsetzung immerhin einen Teil von Günter Kochs Aktivitäten und Intentionen ab …http://www.execupery.comhttp://www.km-a.net

Als Kind wollte ich immer schon …… Schauspiel- bzw. Zirkusdirektor werdenErfolg ist …… wenn man sich die Anerkennung von Familie & Freunden/Kollegen erworben hatFür die Karriere ist wichtig …… Nicht auf Kosten der Kollegen, sondern mit ihnen die Leiter hochklettern.Mein Lebensmotto:Tue Gutes und rede (schreibe) nur ab und zu darüber (so wie hier).Jungen Menschen würde ich raten …… so früh als möglich herauszufinden, ob Wünsche zu Potenzialen passen und dann viel weiter reichende Ziele entwickeln.Die Bedeutung von Geld ist:… relativ, da ein künstliches und vergängliches Konstrukt. Siehe Bitcoins, siehe Währungsreformen.Zwei Bücher, die mich berührt haben:… Dava Sobels „Längengrad” und Daniel Kehlmanns „Vermessung der Welt”.Wohin ich unbedingt reisen möchte … In die Südsee, z.B. Fidschi-Inseln.Woran ich glaube … An die Überlegenheit der Vernunft.In 20 Jahren werde ich …… hoffentlich von meinen Enkelnrespektiert und zu allem aufgeklärt werden,was deren Generation bewegt.

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