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Führen heißt: Raus aus der Komfortzone © Panthermedia.net/.shock
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sabine bretschneider 24.02.2017

Führen heißt: Raus aus der Komfortzone

In Zeiten des Wandels ist Pioniergeist gefragt: Der neue Leadership Report des Zukunftsinstituts ist da.

••• Von Sabine Bretschneider

Digitalisierung, Globalisierung und neue Generationen, die auf den Arbeitsmarkt drängen, stellen die Geschäftswelt auf den Kopf. „Die Antworten auf die Fragen der Zukunft finden wir nicht in den Erfahrungswerten der Vergangenheit”, erläutert der „New Work”-Experte Franz Kühmayer. „Im Gegenteil: Wir leben in bewegten Zeiten. Die Wirtschaft durchlebt gerade eine Phase des digitalen und kulturellen Umbruchs.” Diese Zeiten des Wandels seien „Aufbruchszeiten, in denen Pioniergeist gefragt ist”. Es gehe um den Willen, Wegbereiter für eine neue unternehmerische Entwicklung zu werden. Kühmayer: „Daran scheitern viele Unternehmen, es fehlt der Mut zum Risiko. Bequeme Stabilität kann aber auch zu tödlicher Starre führen.” Im jährlich erscheinenden Leadership Report des Zukunftsinstituts erklärt Kühmayer, was Führungskräfte und Personalentwickler in Zukunft bewegt. Im Mittelpunkt des diesjährigen Reports steht der „Pioniergeist”, als Praxisbeispiele werden etwa Unternehmen wie McDonald's, Bayer und BMW angeführt.

Plädoyer für Optimismus

Am Schnittpunkt zwischen Trendforschung und Unternehmensberatung will der Report neue Perspektiven und Trend-Updates liefern – mit konkreten Lösungen. Pioniergeist, so ist zu lesen, heißt neue Ideen zuzulassen und diese in den laufenden Betrieb zu integrieren. Dies gelinge vielfach nur durch Krisen – als „reinigende Katalysatoren für künftige Entwicklungen”. Krisen seien in Wahrheit „produktive Zustände” – allerdings nur dann, wenn man bereit sei, seine Komfortzone zu verlassen und sich der Unbequemlichkeit des Neuen, Unbekannten und ­Irritierenden zu stellen. Kühmayers Appell in diesem Zusammenhang lautet: „Wer nicht bereit ist, ständig zum Sprengmeister seiner eigenen Glaubenssysteme zu werden, wird über kurz oder lang zum Gefangenen seines Wissens, seiner Erfahrung und seines Erfolgs.”

Das „Chef-Profil”

Der skizzierte Wandel verändert auch das Anforderungsprofil an Führungskräfte. Laut Kühmayer benötigt gutes Leadership die Balance zweier Führungskräfte­typen: Auf der einen Seite die „konsequenten Verweigerer”, die nach dem Motto „Never change a running system” weitermachen möchten wie bisher. Auf der anderen Seite der „enthusiastischen Chaot”, der in neuen Organisationsmodellen das Heilsversprechen interner Probleme sieht.

Der ideale Typus ist für Kühmayer der „progressive Leader”: Er ist neugierig und in der Tiefe über neue Modelle informiert, sieht in ihnen aber keinen Selbstzweck und kein Allheilmittel. Als sensibler Kenner der eigenen Unternehmenskultur prüft er neue Strukturen immer auch auf Anschlussfähigkeit im Betrieb, bindet Mitarbeiter und Führungskräfte aktiv in den Wandel mit ein und ertüchtigt sie in ihren Kompetenzen, um den Erfolg nachhaltig sicherzustellen. Führung wandelt sich von einer im buchstäblichen Sinne richtungsweisenden hin zu einer „dienenden Aufgabe” – im Sinne des Dienstes am Mitarbeiter.


Franz Kühmayer, Leadership ­Report 2017; Dezember 2016, 120 Seiten, ISBN 978-3-945647-36-3, 125 € zzgl. MwSt.
Hier kann der Report bestellt werden: https://onlineshop.zukunftsinstitut.de/shop/

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