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Noch 30 lange Jahre © Accenture/Martina Draper
© Accenture/Martina Draper

Redaktion 17.03.2017

Noch 30 lange Jahre

Frauen, die in Österreich 2020 die Hochschule abschließen, könnten die ersten sein, die genauso viel verdienen wie Männer.

WIEN. Vor fast genau 100 Jahren, 1918, wurde in Österreich das Frauenwahlrecht eingeführt. 1951 beschloss und propagierte die UN-Arbeitsorganisation ILO (International Labour Organization) den Grundsatz „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit”. Frauen, die 2020 – in westlichen Indus­triestaaten wie Österreich – ihren Hochschulabschluss machen, könnten die ersten sein, die in ihrer beruflichen Laufbahn genauso viel verdienen wie Männer. „Könnten”, wohlgemerkt.

Nach Berechnungen des Beratungsunternehmens Accenture wird sich der sogenannte Gender Pay Gap unter Umständen in weniger als drei Jahrzehnten schließen. Doch sogar für diese sehr langfristig angesetzte Perspektive sind ganz spezifische Karriere-Katalysatoren vonnöten sowie die „tatkräftige Unterstützung” von Unternehmen, Regierungen und Universitäten, verrät die Analyse.

Die kritischen Faktoren

Laut „Getting to Equal 2017” könnte das geschlechtsspezifische Lohngefälle zumindest in Industrieländern ab dem Jahr 2044 eingeebnet werden. „Das klingt nach einer langen Zeit”, gestehen die Studienautoren ein. Tatsächlich aber würde die Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen auf diese Weise 36 Jahre früher erreicht werden als unter den derzeit herrschenden Bedingungen. „Der Effekt wäre in den Schwellenländern sogar noch deutlich größer: Lohngleichheit könnte hier 100 Jahre früher eintreten als bisher – statt im Jahr 2168 bereits in 2066.”

„Wir brauchen die Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann im Beruf”, sagt Michael Zettel von Accenture Österreich. Die Lohngleichheit sei „ein wirtschaftliches und wettbewerbliches Muss und betrifft jeden”.
Die Studie identifiziert drei kritische Faktoren, die Frauen auf ihrem Weg zur angestrebten Lohngleichheit schon von der Universität an benachteiligen, auch in Österreich: Studentinnen entscheiden sich hierzulande deutlich seltener als ihre männlichen Studienkollegen für Studiengänge, die per se ein höheres Verdienstpotenzial haben. Sie haben seltener einen Mentor (45% vs. 74%) und streben seltener eine Führungsposition an (41% vs. 51%). Darüber hinaus sind sie im Studium weniger engagiert, wenn es darum geht, Programmier- und Computerkurse zu belegen (68% vs. 83%).

Die nötigen „Katalysatoren”

Demzufolge empfehlen sie drei wesentliche Katalysatoren, die Frauen zur Überwindung der Lohnlücke nutzen können: Digitale Kompetenz, eine durchdachte, aktive Karriereplanung und das Aneignen technologischer Expertise. Unterstützen dann noch Unternehmen, Regierungen und die akademische Welt die entsprechenden Bemühungen der Frauen zusätzlich, dann könnte sich die Lohnlücke weltweit schon bis zum Jahr 2030 um 35% reduzieren. (sb)
Link zur Studie „Getting to Equal 2017”:
https://goo.gl/wRRkIR

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