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Österreichs Franchise-Pionierin
17.04.2015

Österreichs Franchise-Pionierin

Waltraud Martius (56) hat eine in Österreich faktisch unbekannte Idee über drei Jahrzehnte hinweg kontinuierlich gefördert und gepusht – Hunderte Franchisegeber und -nehmer wurden von ihr „entdeckt”, betreut und erfolgreich beraten.

Salzburg. Österreich war eine Franchise-Wüste, als Waltraud Martius diese Vertriebsidee für sich entdeckt und 1981 – mit etwas mehr als 23 Jahren – die erste Diplomarbeit zum Thema hierzulande verfasst hat.

Wobei … „Franchise ist ja viel mehr als eine Vertriebsidee”, hält Martius fest. Und zwar? „Es geht um eine auf langfristige Zusammenarbeit angelegte Unternehmer-Partnerschaft: Vertrauen schaffen und gegenseitig Anerkennung geben – diese weichen Faktoren sind ebenso wichtig wie ein klares Konzept!” Man kauft sich in eine erprobte Geschäftsidee ein, erwirbt betriebliches Know-how und wird von einer erfahrenen Systemzentrale in Marketing, Vertrieb und Organisation unterstützt. Auch im wichtigen Bereich der Finanzierung habe Franchising Startvorteile zu bieten, und die Beschaffung von Fremdkapital gestaltet sich oft einfacher. Martius: „Gute Systeme stellen ihren neuen Partnern eine professionelle Bankenmappe zur Verfügung – Kreditgeber können diese Zahlen und Daten sofort verwerten, bekommen ein gutes Bild vom Geschäftskonzept und können sich schnell auf die Gründer selbst konzentrieren.”

Ein Erfolgs-„Run” beginnt

Wenn unser Land in den vergangenen drei Jahrzehnten also doch eine gewisse Franchise-„Kultur” entwickelt hat (immer noch kein Vergleich z.B. zu den USA!), ist dieszu einem Großteil das Verdienst von Waltraud Martius. Inzwischen verdanken viele erfolgreiche heimische Unternehmen ihre österreichweite und internationale Verbreitung einem rasanten Wachstum durch Franchise-Standorte. Von den Kunden in vielen Fällen unbemerkt, steckt hinter dem Großteil der Standorte von (alphabe-tisch) A1, Allianz, Body Street, EFM,Re/Max, Shape Line, Sonnentor, Team 7, Wolford, Zotter und vielen anderen keine „große” Firma, sondern viele einzelne Unternehmer.Ein Paradebeispiel ist immer noch McDonald's: Als 1977 erste Standorte in Wien eröffneten, hatten nicht wenige daran gezweifelt, dass der amerikanische Burger-Laden im Land des Schnitzels jemals erfolgreich Fuß fassen wird. Sie wurden eines Besseren belehrt: Nach und nach schossen neue Filialen aus dem Boden, knappe vier Jahrzehnte später ziert das gelbe M fast jedes größere Städtchen hierzulande – und dieses rasante Wachstum ist wohl vor allem auf die Franchise-Unternehmensstruktur zurückzuführen.Die Strukturen auch für Hunderte (!) andere Firmen wurden durch Waltraud Martius mitbestimmt. Sie war 1986 Mitbegründerin des Österreichischen Franchise-Verbandes und hat mit ihrem Consulting-Unternehmen Syncon mehr als 1.200 Firmen in Sachen Franchising beraten und begleitet – allein im Vorjahr waren es mehr als 50 Projekte, darunter „discovering hands” als Social Franchise-System für die standardisierte Tastuntersuchung der Brust durch sehbehinderte bzw. blinde Frauen, „basenfasten” nach der Wacker-Methode als System für Hotel- und Wellness-Betriebe oder AIS, wo mittels 24-Stunden-Betreuung hilfsbedürftigen Menschen ein Leben mit Würde und Selbstbestimmung in der gewohnten Umgebung ermöglicht wird.

Handel vor Dienstleistungen

Die „Szene” sei weit professionel-ler als vor drei Jahrzehnten, lobt Martius. Mehr als 420 Franchisesysteme sind 2015 in Österreich an 8.000 Standorten vertreten; rund 61.000 Mitarbeiter sind in diesen Betrieben tätig, rund acht Mrd. €im Jahr werden in Österreich durchdiverse Franchisesysteme umgesetzt. Aus „Spartensicht” dominiert der Handel, gefolgt vom Dienstleistungsbereich, von der Gastronomie und von der Produktion.Vom Konzept über Systementwicklung und Know-how-Transfer bis hin zur intensiven Betreuung der Franchisepartner – heutzutage muss einfach alles bestens zusammenpassen. Und das nicht „nur” in der Alpenrepublik, sondern auch beim großen Nachbarn, wo Martius 2014 die Syncon Cooperation gegründet hat – eine Vereinigung verschiedener Berater in Deutschland unter einem Dach, wo Experten komplementärer Fachrichtungen ein umfangreiches und qualifiziertes Beratungs-Portfolio für Franchisegeber anbieten.„Auf der Metaebene unterstützen wir Trends und Themen rund um das Thema Nachhaltigkeit im Franchising, wie z.B. Social Franchising oder Studien zum Wissens-transfer in Franchisesystemen”, beschließt Waltraud Martius das medianet-Gespräch. „Heuer werden wir gemeinsam mit AlexanderPetsche von Baker&McKenzie ne-ben dem Intensiv-Workshop ‚Franchise-Aspekte' auch erstmals einen Erfahrungsaustausch unter den ‚Big Franchise Playern' in Österreich realisieren, unsere Seminare und Franchise-Frühstücke weiterführen und ein Buch zum Forschungsprojekt ‚Wissenstransfer und Innovation in Franchise-Systemen' gemeinsam mit der Privat-universität Seeburg präsentieren.”www.franchise.atwww.syncon.at

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