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2000–2015: Jahre des touristischen Donners © Panthermedia.net/Mihtiander
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georg biron 10.07.2015

2000–2015: Jahre des touristischen Donners

Reise-Business Vom weltweiten Terror bis zu Airbnb – in den vergangenen 15 Jahren ist im Tourismus kein Stein auf dem anderen geblieben. Die Branche steht vor großen Herausforderungen, ist aber trotz alledem optimistisch.

Wien. Fakt ist: Am Dienstag, dem 11. September 2001, um 08:46 Uhr Ortszeit krachte American-Airlines-Flug 11 (eine Boeing 767-223ER) zwischen dem 94. und dem 98. Stockwerk in den Nordturm des World Trade Center in New York City. 3.800 l Kerosin explodierten beim Aufprall mit einem gigantischen Feuerball.Wenige Minuten später sendete CNN die ersten Live-Bilder. Auch die deutschen Nachrichtensender N-TV und N 24 unterbrachen ihr Programm und schalteten (um 15:00 Uhr MEZ) nach New York.

Um 09:03 Uhr raste United-Airlines-Flug 175 (eine Boeing 767-222) in starker Schräglage vor laufenden Fernsehkameras zwischen dem 78.und dem 84. Stockwerk in den Südturm des World Trade Center. Auf Millionen Fernsehgeräten in der ganzen Welt wurde diese Szene zeitgleich gesehen. Erst jetzt war eindeutig klar, dass es sich um einen Terroranschlag handelte.

9/11 als dramatische Zäsur

Die Folgen von 9/11 haben die Welt gründlich verändert.
Viele alltäglichen Abläufe werden seither durch neue Gesetze und Richtlinien geregelt. Auch für den internationalen Tourismus war das eine Zäsur, die dramatische Veränderungen und Sicherheitsvorschriften mit sich brachte.
Man scannte Passagierdatensätze, setzte Sky Marshalls in die Flugzeuge, verstärkte die Cockpit-Türen und gab biometrische und maschinenlesbare Ausweise aus. Und noch immer gilt ein Flüssigkeitsverbot für das Handgepäck.
Im Juni 2011 beendete Giovanni Bisignani, der Präsident des Airline-Verbands Iata, seine Amtszeit und erinnerte in seiner Abschiedsrede an Kriege, Erdbeben, Vulkan­aschewolken und Vogelgrippe, vor allem aber an 9/11: „Die Fluggesellschaften haben ein Jahrzehnt im Überlebensmodus hinter sich.”
Der frühere TUI-Vorstand und Professor an der FH Wernigerode, Karl Born: „Es war die mit Abstand gravierendste Katastrophe für den Tourismus – die Leute wollten überhaupt nicht mehr fliegen.”
Trotz dieses Schocks ist der globale Tourismus aber mittlerweile wieder zum Wachstumsmotor geworden, der auch in Österreich für Arbeitsplätze und Profite sorgt.
Dazu WienTourismus Direktor Norbert Kettner: „Von 2001 bis 2014 sind die Ankünfte in Wien um 91% auf 6,2 Mio. gestiegen, die Nächtigungen um 76% auf 13,5 Mio. Das Bettenangebot hat sich in Wien in diesem Zeitraum um 62% auf 67.970 erweitert, und der Netto-Nächtigungsumsatz der Wiener Hotellerie ist auf 638,8 Mio. Euro um 104% gewachsen.”

Wiener Tourismusstrategie

Kettner geht davon aus, dass sich Wien bei einigermaßen gleichbleibenden globalen geopolitischen und ökonomischen Rahmenbedingungen positiv entwickeln wird, und strebt mit der Tourismus­strategie Wien 2020 folgende Ziele an: „Einen Nächtigungszuwachs um rund 40% gegenüber 2013 auf knapp 18 Mio., einen Anstieg des Netto-Nächtigungsumsatzes um rund 60%, womit die Ein-Milliarden-Schallmauer durchbrochen wäre. Auch soll Wien in fünf Jahren aus 20 zusätzlichen Metropolen direkt angeflogen werden.”
„Der Hotelmarkt ist seit 2000 in Wien generell deutlich gewachsen”, weiß auch Renaisance Wien Hotel- General Manager Sonja Bohrer. „Die wachsenden Budget Design-Hotelprodukte stellen eine große Herausforderung für uns dar und verändern die Aufgabenstellungen für das anspruchsvollere Gästesegment. Gleichzeitig brachten die neu etablierten Hotelketten auch interessante neue Gästeschichten nach Wien.”
Auch habe sich das Buchungsverhalten verändert und sei extrem kurzfristig geworden, was eine hohe Flexibilität erfordere: „Generell kann man sagen: Die Latte liegt hoch, doch ich sehe die Entwicklung insgesamt positiv und bin schon gespannt, welche ­Anforderungen der Markt in den nächsten Jahren an uns stellen wird.”
Petra Stolba, Geschäftsführerin der Österreich Werbung, sieht im Tourismus in Österreich nicht nur eine lange Tradition, sondern auch eine hohe volkswirtschaftliche Bedeutung: „Der Anteil am BIP beträgt mehr als 7%, Tourismus- und Freizeitwirtschaft zusammen erwirtschaften sogar knapp 15%. Seit der Wirtschaftskrise 2008 hat sich der Tourismus als wichtige Stütze der heimischen Wirtschaft erwiesen. Wir sind zuversichtlich, dass das Urlaubsland Österreich auch in Zukunft mit hochqualitativen Angeboten und gebündelten Kräften im Marketing profitieren wird.”

Das Reisebüro der Zukunft

„Das ganze Business ist unpersönlicher geworden”, beklagt ­Johannes Stich, Ruefa-Filialleiter in Wien: „Callcenter, Zentralisierung, der Fokus auf Onlinemarkt und Onlinevertrieb, eine Vielzahl von Reiseplattformen und ein Überangebot an Möglichkeiten bietet die Qual der Wahl und überfordert die Kunden. Im Web ist die Konkurrenz nur einen Mausklick entfernt.”
Ein Reisebüro der Zukunft, so Stich, müsse qualifizierte, kompetente und innovative Mitarbeiter in einem starken, stationären Vertrieb garantieren. Hilfe suchenden, überforderten Onlinekunden muss persönliche Betreuung geboten werden – sowie maßgeschneiderte Reiseberatung, Verständnis und vor allem eine Entscheidungshilfe.
Stich: „Nur durchs Reden kommen die Leut zsamm! Ein Mix aus neuen Ideen (z.B. Themenreisen oder Special Interest), Eigenveranstaltungen, Baustein- und Pauschalreisen runden die Vision ab.”

Internet und Tourismus

„Eine der wichtigsten Herausforderungen in den letzten Jahren waren die Auswirkungen des Webs auf den Tourismus. Diese Konkurrenz zur ganzen Welt hat zwar einerseits durch unmittelbare Vergleichbarkeit und maximale Preistransparenz den Druck erhöht, aber auch andererseits mehr Möglichkeiten, neue Gäste­gruppen zu erreichen, eröffnet”, so WKO-Bundesspartenobfrau Petra Nocker-Schwarzenbacher.
Eine weitere Dynamik sei auf dem Arbeitsmarkt festzustellen: „Wir stehen im direkten Wettbewerb mit anderen Branchen und müssen junge Leute für die Ausbildung und Arbeit im Tourismus begeistern. Das ist für eine Dienstleis­tungsbranche, in der am Wochenende und an Feiertagen gearbeitet wird und die mit wachsenden Ansprüchen an Work Life Balance und Vereinbarkeit von Familie und Beruf konfrontiert ist, nicht einfacher geworden.”

Urlaubsträume für 2015

Grundsätzlich sind die Österreicher sehr reiselustig – wenn auch heute kaum noch jemand drei Wochen am Stück in Jesolo Urlaub macht. Die Reisen sind kürzer, finden aber dafür mehrmals im Jahr statt – wenn es das Familienbudget erlaubt.
In seiner aktuellen Tourismusanalyse stellt Peter Zellmann vom IFT Institut für Freizeit- und Tourismusforschung fest: „Geträumt wird vom sonnigen Süden, und dann wird der Urlaub im eigenen Land verbracht. Immerhin urlaubt jeder Zweite am Mittelmeer, aber mindestens jeder Vierte genießt die Berge und Seen in der Heimat ...”

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