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Gasteinertal startet eine starke Qualitätsoffensive © Kur-und Sport Hotel Palace
© Kur-und Sport Hotel Palace

25.09.2015

Gasteinertal startet eine starke Qualitätsoffensive

Eine der wichtigsten touristischen Regionen im Land zeigt sich kreativ und investiert kräftig in die Infrastruktur.

••• Von Paul Christian Jezek

GASTEINERTAL. Die Römer siedelten hier bereits vor mehr als 2.000 Jahren und wussten wohl schon die Heilkraft des Thermalwassers zu schätzen. Die Kelten betrieben in Gastein Goldbergbau, der in den folgenden Jahrhunderten im Tal zu beträchtlichem Wohlstand und zum Aufschwung des Handels führte.

Offiziell erwähnt wird der Name „Gastein” erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 1203. Der Ruhm der Gasteiner Heilquellen erreichte im 16. Jahrhundert seinen ersten Höhepunkt. In den folgenden Jahrhunderten sorgten der Niedergang des Goldbergbaus und Naturkatastrophen wie die Pest für einen Stillstand in der Entwicklung des Heilbades Gastein.

Das Bad der Diplomaten

Erst unter dem Habsburger Erzherzog Ferdinand III. nahm die Entwicklung des Bades wieder einen neuen Aufschwung, den Kaiser Franz I. mit großem Nachdruck förderte. Durch die Errichtung der Tauernbahn am Beginn des 20. Jahrhunderts war der bis dahin nur mit dem Pferdefuhrwerk erreichbare Kurort nunmehr leicht erreichbar. Gastein wurde zum Ort großer europäischer Politik, in Bismarcks Zeiten war Gastein das „Bad der Diplomaten”. Zahlreiche illustre Gäste wie Kaiser Franz Josef I. und seine Gemahlin Kaiserin Elisabeth, Fürst Bismarck, Grillparzer, Schubert, Schopenhauer und viele andere verschafften dem Gasteiner Heilbad den Ruf eines modernen Weltbades.

Nach starken Einbrüchen, hervorgerufen durch die Kriege des 20. Jahrhunderts, begann man im Winter 1945/46 mit der Errichtung eines Skilifts am Graukogel und läutete damit die Ära des Wintersports ein, die über Jahrzehnte hinweg Erfolge zeitigte.
Doch gegen Ende des vorigen Jahrhunderts kam der Tourismusmotor für den Weltkurort zunehmend ins Stottern. Um die Jahrtausendwende versuchte sich der Investor Franz Duval und kaufte das Hotel Straubinger, die frühere Post und das Badeschloss aus einem Konkurs. Einige Jahre später erstand er auch das Kongresshaus und das Haus Austria. Kaufpreis für alles: rund 5 Mio. €. Aber die wertvollen Gebäude aus der Belle Époque verfielen, die Politik zeigte sich ratlos, und wo einst Monarchen, der Hochadel und Größen der Literatur und Musik promenierten, wirkte die Stimmung im Tal zunehmend trostlos. Vom „schleichenden Tod” Gasteins war die Rede bzw. Schreibe – und gleichzeitig wurden ein Bauboom und neue Auslastungsrekorde propagiert; seit drei oder vier Jahrzehnten sei in der Gemeinde nicht mehr so viel investiert worden wie in den Jahren seit der Wirtschaftskrise.

Zwiespältige Eindrücke

Ähnlich gespalten zeigt sich die ­Situation im Sommer 2015: Im Juni wurde über das Sanotel Bad Gastein ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung am LG Salzburg eröffnet, nachdem es schon Anfang 2014 ein Konkursverfahren gab, das jedoch aufgehoben werden konnte. Die Gründe für die neuerliche Insolvenz lagen in der „Russland-Krise” seit Sommer 2014 sowie ganz wesentlich darin, dass das dem Sanierungsplan zugrunde gelegte Buy-to-Let Modell nicht umgesetzt werden konnte.

Nur wenige Tage später kam mit der Insolvenz der Hotel Grüner Baum GmbH & Co KG ein noch größerer „Brocken” mit rund 7 Mio. € Passiva und mehr als drei Dutzend betroffenen Dienstnehmern. Die Geschichte des 4-Sterne-Hotels mit 140 Betten, die auf fünf Häuser aufgeteilt sind, reicht zwar bis 1913 zurück, doch sind die wirtschaftlichen Schwierigkeiten eben „mit der Verschlechterung des Standorts Gastein als ehemaliger Nobelstandort im Allgemeinen verknüpft”, wie es im Schreiben zum Sanierungsverfahren heißt.
Der Betrieb sei insbesondere betreffend Landschaftspflege und innerbetrieblicher Logistik „äußerst kostenintensiv” – dazu kamen wirtschaftliche Fehlentscheidungen wie der Kauf benachbarter Liegenschaften, die entweder bereits anfänglich unnötig waren oder in einem verlustreichen Wiederverkauf mündeten. Die in den letzten zehn Jahren angelaufenen Kreditverbindlichkeiten bei der Hausbank wurden fällig gestellt, und eine Finanzierung durch andere Investoren oder Banken ist aufgrund der fehlenden Betriebsstättengenehmigung ebenso gescheitert.
Andernorts herrschte im Sommer aber durchaus reger Betrieb – vor allem in Bad Hofgastein. So verwöhnt etwa das Kurhotel „Palace” im reizvollen Zentrum unverdrossen fleißige Wanderer mit Viersterne-Luxus. Im Panoramahallenbad entspannen Gäste im heilkräftigen Gasteiner Thermalwasser, und auch eine Beautyfarm und eine renommierte Kurabteilung kann das Palace sein Eigen nennen. Und wenn abends die Wanderer von ihren Touren zurückkommen, die Wellnessgäste rundum entspannt sind, die Golfer ihre Schläger verpackt haben und die Familien vollgetankt mit Erlebnissen in das Hotelrestaurant kommen, wird am internationalen Buffet geschlemmt.

Gasteiner Hoffnungsträger

Das Vier Jahreszeiten Hotel St. Georg wiederum ist als Spezialist für Dr. F. X. Mayr-Heilfasten weit über die Grenzen des Salzburger Landes hinaus bekannt. Der Küchenchef und sein Team sind Komponisten wahrer Gaumenfreuden und servieren traditionelle Spezialitäten der Saison ebenso wie raffiniert-leichte Kreationen der modernen Diätküche.

Dass im Gasteiner Tal auch ordentlich investiert wird, ist besonders im Impuls Hotel Tirol in Bad Hofgastein zu spüren. Das innovative Viersterne-Superiorhotel verfügt über eine beeindruckende, 1.200 m² große Thermen- und Spa-Welt mit einem Therapie- und Kurzentrum auf hohem Niveau. Geboten wird ein von Spezialisten entwickeltes, umfassendes Programm, von der ganzheitsmedizinischen Betreuung nach der Traditionellen Chinesischen Medizin über verschiedene Massagen und Wohlfühlbehandlungen bis hin zu einfühlsamen Yoga-Begleitungen. Auf Wunsch steht ein persönlicher Gesundheitscoach zur Seite – die Kulisse bildet das Gasteiner Tal mit seinen Bergen, Naturschönheiten und der Heilkraft des Thermalwassers ...

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