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Gute Zeiten für den Städte-Tourismus © WienTourismus/Peter Rigaud
© WienTourismus/Peter Rigaud

georg biron 22.04.2016

Gute Zeiten für den Städte-Tourismus

Seit 2011 stiegen die Städtenächtigungen in Österreich um 21,7%. Wien ist dabei ein Treiber im heimischen Tourismus.

Mit ihrer hohen positiven Dynamik haben die Städte Österreichs dem Tourismus 2015 wieder starken Rückenwind gegeben”, berichtet Norbert Kettner in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der ArGe Städte, der Tourismus-Kooperation der österreichischen Landeshauptstädte und der Bundeshauptstadt.

„Ihr kumuliertes Jahresergebnis 2015 beträgt 21,44 Mio. Nächtigungen”, so Kettner weiter; „das entspricht einem Plus von 5,2 Prozent gegenüber 2014.”
2015 steuerten die Städte 15,9% zum gesamtösterreichischen Aufkommen bei, das mit 135,2 Mio. Nächtigungen und einem Zuwachs von 2,5% einen Rekordwert darstellt; ohne die Städte mit ihrem überdurchschnittlichen Wachstum hätte der Zuwachs 2% betragen.
Auch in der längerfristigen Entwicklung zeigen sich die neun ­österreichischen Landeshauptstädte als Impulsgeber des heimischen Tourismus:
Zwischen 2011 und 2015 erhöhten sich Städte-Nächtigungen um 21,7%, die gesamtösterreichischen Nächtigungen um 7,3%; ohne den Beitrag der Städte wären es lediglich 5,0% gewesen.

Wien ist Lebensqualität pur

Im internationalen Vergleich der Lebensqualität steht Wien auch im Jahr 2016 erneut an der Spitze des internationalen Städtevergleichs. Mit Zürich (Rang 2) und München (Rang 4) finden sich noch zwei weitere europäische Städte unter den Top 5; komplettiert wird die Spitzengruppe von Auckland (Rang 3) und Vancouver (Rang 5).

Zu diesem Ergebnis kommt die jährlich von der Beratungsgesellschaft Mercer durchgeführte, weltweite Vergleichsstudie zur Bewertung der Lebensqualität von Expatriates in 230 Großstädten. Das Schlusslicht unter den weltweiten Großstädten bildet Bagdad.

Rekorde am laufenden Band

WienTourismus scheint die positiven Rahmenbedingungen optimal zu nützen und fährt ein Rekord­ergebnis nach dem anderen ein.

Von 2001 bis 2014 sind die Ankünfte in Wien um 91% auf 6,2 Mio. gestiegen, die Nächtigungen um 76% auf 13,5 Mio.
Wiens Bettenangebot hat sich im selben Zeitraum um 62% auf 67.970 erweitert, der Netto-Nächtigungsumsatz der Wiener Hotellerie ist um 104% gewachsen.
„Wir streben mit der ‚Tourismusstrategie Wien 2020' folgende Ziele an: Einen Nächtigungszuwachs um rund 40 Prozent gegenüber 2013 auf knapp 18 Mio. und einen Anstieg des Netto-Nächtigungsumsatzes um rund 60 Prozent, womit die Ein-Milliarden-Schallmauer durchbrochen wäre. Weiters soll Wien bis 2020 aus 20 zusätzlichen Metropolen direkt angeflogen werden können”, so WienTourismus ­Direktor Kettner optimistisch.
Und in einem Nachsatz: „Die Themen der Zukunft werden die asiatischen Märkte, die globale Flugverkehrsentwicklung, die ‚sharing economy' sowie das rechtzeitige Reagieren auf technologische ­Errungenschaften sein, die wir heute noch nicht absehen können.”
Kettner erwartet eine weitere Steigerung der Nächtigungen aus China. Diese haben sich in den vergangenen fünf Jahren bereits verdoppelt. Gäste aus Hongkong zählen zudem zu den ausgabefreudigsten Wien-Besuchern.
Laut Angaben des Mehrwertrückerstatters Global Blue haben Hongkong-Chinesen 2015 im Durchschnitt 1.700 € pro Einkauf in Wien ausgeben, um rund 500 € mehr als im Jahr zuvor; ihre Gesamtausgaben für Shopping haben sich um 133% erhöht.
Kettner setzt große Erwartungen in den Direktflug von Austrian Airlines ab September 2016: „Die Verbindung von Hongkong wird Wien einen starken Impuls geben und ist eine erstklassige Unterstützung durch Austrian Airlines, die seit 14 Jahren unser wichtigster strategischer Partner sind.”
Im Laufe von 2016 setzen Austrian Airlines und WienTourismus ein gemeinsames Marketing-Budget von 4,84 Mio. € ein, wobei der überwiegende Teil (61%) von der Fluglinie getragen wird.
Der Tourismusverband besteht als öffentlich-rechtliche Körperschaft auf Basis des Wiener Tourismusförderungsgesetzes seit 1955. In der internen Struktur wird der Verband wie ein privates Unternehmen mit flachen Hierarchien flexibel geführt.
Seit 23. März 2007 ist die Wiener amtsführende Stadträtin für ­Finanzen, Wirtschaft und Internationales, Renate Brauner, Präsidentin des Verbands, seit 1. September 2007 ist Norbert Kettner Tourismusdirektor.
Der Verband wird hauptsächlich aus drei Quellen finanziert: der von der Hotellerie eingehobenen Ortstaxe, dem allgemeinen Stadtbudget und eigenen Einnahmen durch diverse Aktionen.

Starke Messepräsenz bei ITB

Bei der ITB 2016 im März in Berlin warb der WienTourismus im Österreich-Areal der Halle 17 gemeinsam mit den Partnern „Museumshighlights in Wien”, „Imperial Austria”, „Wien Holding Kulturbetriebe”, „Austria Trend Hotels”, „Vienna Pass” und „Sound of Vienna” für einen Besuch der Premium-­Destination an der Donau.

Bei einem eigenen Stand im „Gay & Lesbian Travel Pavillon” informierte der WienTourismus die Zielgruppe der Schwulen und Lesben über Wiens Mix aus historischer Pracht, Weltkunst, zeitgenössischer Offenheit und Lebenslust.
Und so ist z.B. am 18. Juni die Wiener Ringstraße wieder einmal gesperrt. Dann zieht nämlich die „Regenbogenparade” über Wiens schönsten Boulevard – natürlich andersrum, also gegen die gewohnte Fahrtrichtung. Mit diesem Event wird in Wien gefeiert, was anderswo „Christopher Street Day” genannt wird.
Sattelschlepper, Motorräder, aber auch Fiaker und Radfahrer sowie rund 100.000 Fußgänger aus dem In- und Ausland werden auf der Ringstraße ein sichtbares Zeichen gegen Diskriminierung und für ­Toleranz und Gleichstellung setzen.

Feine Kongressdestination

Wiens gesamttouristischem ­Rekordergebnis 2015 steht die Tagungsindustrie der Stadt um nichts nach, denn auch sie erreichte Bestwerte in allen relevanten Kennzahlen: Die Anzahl an Veranstaltungen stieg um 3%, die daraus resultierenden Nächtigungen um 13%, und die Wertschöpfung überschritt mit einem Plus von 16% erstmals die Grenze von 1 Mrd. €.

„Allen in Wiens Tagungsindustrie sei aufs Herzlichste gratuliert”, so Kettner, „denn sie haben vergangenes Jahr das beste Ergebnis in Wiens Geschichte als Meeting-­Destination erzielt. Unsere Stadt hat 3.685 Kongresse und Firmenveranstaltungen beherbergt.”
Ausschlaggebend für das wirtschaftlich starke Ergebnis der Tagungsindustrie sind die internationalen Kongresse, denn sie bringen die meisten Nächtigungen und die höchsten Umsätze. Dass ihre Anzahl 2015 gesunken, das Ergebnis aber trotzdem so signifikant positiv ausgefallen ist, ist nur ein scheinbarer Widerspruch, den Christian Mutschlechner, Leiter des Vienna Convention Bureau im WienTourismus, folgendermaßen auflöste: „Zwar hat es in Summe weniger dieser Veranstaltungen gegeben, doch waren darunter mehr Großkongresse als 2014. Diese bringen nicht nur hohe Teilnehmerzahlen, sie dauern auch länger, und beides wirkt sich entsprechend auf Nächtigungen und Umsätze aus. Mit einer solchen Tagung wird auf einem Schlag mehr wirtschaft­licher Impact erzielt.”
Der Wiener Tagungsindustrie ist jetzt ein Coup gelungen: Der Kongress der Kongress-Profis kommt 2017 nach Wien.
Der Associations World Congress ist mit 300 Leuten bezüglich der Teilnehmerzahl zwar klein, aber dennoch von größter Bedeutung. Seine Delegierten entscheiden nämlich u.a über die Destinationswahl für die Kongresse ihrer Verbände; 2017 hat Wien Gelegenheit, sie in der Praxis zu überzeugen.
Dazu Damian Hutt, Executive Director des Associations Network: „Wien genießt seit vielen, vielen Jahren nachweislich den Ruf, eine der führenden Destinationen für Verbandskongresse weltweit zu sein. Für mich war es somit eine naheliegende professionelle Entscheidung, nach Wien zu gehen. Sie wurde mir umso leichter gemacht durch die vom Vienna Convention Bureau exzellent bewerkstelligte Koordination des Angebots und die Umsicht, mit der man sich unserer Anliegen angenommen hat. Ich freue mich schon auf 2017 und bin überzeugt, dass wir in Wien einen Teilnehmerrekord haben werden.”

Vertriebspartner der Wien-Karte

Die DocLX Travel Events GmbH wickelt seit Dezember 2015 den Vertrieb für die Wien-Karte des WienTourismus ab. Sie erhielt nach einer EU-weiten Ausschreibung zur Vergabe der Dienstleistungskonzession den Zuschlag, denn, wie Tourismusdirektor Kettner erklärt: „Alexander Knechtsberger und sein Team haben ein überzeugen­des Vertriebskonzept präsentiert, dem die touristische Branchenerfahrung und das starke Know-how im Onlinebereich deutlich anzusehen ist. Das umfangreiche internationale Netzwerk von DocLX ist ein zusätzliches Plus, das uns sicher zugutekommen wird.”

Die Wien-Karte war 1995 die erste Gästekarte Österreichs. Seither ist sie die meistgefragte des Landes, und 2012 errang sie in einem Vergleichs­test von 16 europäischen Städtekarten den ersten Platz.
2014 wurden 324.000 Stück verkauft, heuer liegen die Ver­käufe bis Oktober mit rund 290.000 Stück bereits um 26% über der Vergleichszahl des Vorjahres.
Inhaber der Wien-Karte genießen freie Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Stadtgebiet und haben mehr als 210 Vergünstigungen in allen großen Museen, bei diversen Sehenswürdigkeiten, Konzert- und Theater-Aufführungen, in Geschäften, Restaurants, Heurigen und vielem mehr.
Die Karte gibt es in zwei Varianten: als 72-Stunden-Fahrschein mit Vergünstigungen (21,90 €) sowie als 48-Stunden-Fahrschein mit Vergünstigun­gen (18,90 €).
Dazu Knechtsberger: „Als klassischer Event-Touristiker kommt es uns sehr entgegen, dass es dem WienTourismus in den letzten Jahren gelungen ist, Wien nicht nur als imperiale Kultur-Stadt, sondern als moderne, stylishe und eventaffine Topdestination nicht nur in Europa zu positionieren.

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