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Niki-Pleite: Viele Ideen, (noch) keine Lösung © APA dpa Rainer Jensen
© APA dpa Rainer Jensen

Redaktion 14.12.2017

Niki-Pleite: Viele Ideen, (noch) keine Lösung

Alle Niki-Flieger seit Mitternacht am Boden, 40.000 Passagiere in den nächsten 14 Tagen betroffen; Rückholaktion angelaufen.

BERLIN/SCHWECHAT/FRANKFURT. Nach der Insolvenz und Einstellung des Flugbetriebs der Fluglinie Niki versucht der bestellte deutsche Masseverwalter Lucas Flöther einen Notverkauf. Am Flughafen Wien fand unterdessen heute, am Donnerstagvormittag, eine Informationsveranstaltung der Geschäftsführung für die Mitarbeiter statt.
Man versuche nun, den Geschäftsbetrieb von Niki durch einen Schnellverkauf, einen sogenannten Fire Sale, doch noch zu retten. Laut Flöther habe man "noch ein paar Tage Zeit". Der Insolvenzverwalter kündigte an, umgehend Gespräche mit infrage kommenden Investoren aufzunehmen.

Die Mitarbeiter von Niki - insgesamt sind rund 790 Beschäftigte in Österreich und 210 in Deutschland von der Insolvenz betroffen - erhielten um 10 Uhr am Flughafen Wien-Schwechat erste Infos von der Geschäftsführung. Es finde eine Mitarbeiterversammlung statt, sagte GPA-Gewerkschafter Peter Stattmann zur APA. Flüge sind von der Mitarbeiterversammlung ohnehin nicht mehr betroffen. Seit Mitternacht bleiben alle Niki-Flieger am Boden. Der letzte Flug unter "HG"-Flugnummer ist gestern um 23:18, aus Teneriffa kommend, in Wien gelandet. Betroffen sind auch Tausende Kunden, die einen Flug mit Niki geplant haben. Mit Einstellung des Flugbetriebs verlieren nach Angaben des Masseverwalters rund 350.000 ausgestellte und bezahlte Einzeltickets ihre Gültigkeit; dazu kommen 410.000 über Reisebüros und Reiseveranstalter gebuchte, aber in der Regel noch nicht ausgestellte Tickets.

Dem Insolvenzverwalter zufolge hatten in den nächsten 14 Tagen knapp 40.000 Passagiere ihren Heimflug mit Niki geplant, von diesen hatten 15.500 selbst gebucht, die restlichen 25.500 über Reisebüros. Das Niki-Grounding kam genau zur Weihnachtsreisezeit.

GPA-Chef Wolfgang Katzian hofft auf eine Rettung. Er sagte im "Ö1-Morgenjournal", es gebe nach der Insolvenz drei bis vier potenzielle Interessenten für Niki. Air Berlin hatte am Mittwochabend bestätigt, dass beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg ein Insolvenzantrag für die Niki Luftfahrt GmbH gestellt wurde. Die Rückholaktion österreichischer Passagiere ist heute, Donnerstag, angelaufen. Im ersten Schritt werde versucht, Niki-Passagiere auf bestehenden Flügen anderer Airlines unterzubringen. Damit sei bereits begonnen worden. Sollten diese Kapazitäten nicht reichen, werde man zusätzliche Charterflüge bei der AUA (Austrian Airlines) in Auftrag geben, so ein Sprecher des Verkehrsministeriums.

Auch die deutschen Airlines wollen beim Rücktransport von gestrandeten Passagieren aus dem Ausland helfen. Die Fluggesellschaften würden Niki-Fluggästen, die keine Pauschalreise gebucht haben, noch verfügbare Sitzplätze zu Sonderkonditionen anbieten, erklärte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft am Donnerstag in Berlin.

Die noch wenige Tage amtierende Bundesregierung denkt offenbar bereits über eine Finanzspritze für die insolvente Fluglinie Niki nach. "Es gibt Überlegungen, mit Zwischenfinanzierungen etwas zu tun, aber das muss man schon noch konkret prüfen", sagte Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ) im "Mittagsjournal". Da müsse man aber noch über die Höhe und über die Rechtslage nachdenken.

(APA)

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