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Österreichs Hotellerie ist schwer unter Druck © Panthermedia.net/Mladen Mitrinovic
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georg biron 26.06.2015

Österreichs Hotellerie ist schwer unter Druck

Diskussion Hotel- und Gastronomieverbände in Europa stehen vor ähnlichen Herausforderungen, doch Österreich nimmt eine Sonderstellung ein: In keinem anderen Land wird ein so großes Belastungspaket geschnürt.

Wien/Bad Ragaz. Rund 30 Spitzenvertreter der Verbände aus Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg, Österreich, Südtirol und der Schweiz trafen sich zum alljährlichen Jahrestreffen der deutschsprachigen Hotellerie- und Gastronomieverbände in Bad Ragaz und Zürich.

Gastgeber der diesjährigen Veranstaltung, bei welcher der Austausch über die Schwerpunkte der Verbandsaktivitäten im Mittelpunkt stand, waren in diesem Jahr die Schweizer Verbände gastrosuisse und hotelleriesuisse.

Sharing Economy im Fokus

Siegfried Egger, Obmann des Fachverbands Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO), ist überzeugt: „Diese traditionellen Jahrestreffen haben sich zu einer fest etablierten Plattform für den Dialog und den Austausch von Erfahrungen, Know-how und Informationen zur unabdingbaren Unterstützung in unserer Interessenvertretung entwickelt.”
Der Fachverband Hotellerie in der WKO vertritt 17.000 Beherbergungsbetriebe mit 1,05 Mio. Betten. Mit knapp 37 Mio. Ankünften und 133 Mio. Nächtigungen leistet die heimische Hotellerie einen wesentlichen Beitrag zur direkten und indirekten Wertschöpfung der Tourismus- und Freizeitwirtschaft in der Höhe von rund 46,5 Mrd. Euro. Das sind 14,8% des BIP.
„Die Treffen sind von gelebter Gastgeber-Mentalität und höchster Kompetenz geprägt. Da werden Trends mit einer gesunden Portion Optimismus und einer noch höheren Dosis an Kompetenz erörtert”, so Michaela Reitterer und Gregor Hoch, die Präsidenten der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), über das Branchentreffen in Bad Ragaz.
„Die Hotel- und Gastronomieverbände in ganz Europa stehen vor ähnlichen Herausforderungen, doch Österreich nimmt eine Sonderrolle ein”, so Hoch. „Aus keinem anderen Land ist ein vergleichbares Belastungspaket bekannt”, betonten die Teilnehmer des europäischen Meetings.
Egger: „Gerade im Tourismus machen die Herausforderungen an der Ländergrenze nicht halt. Deshalb macht es Sinn, grenzenübergreifende Synergieeffekte zu nutzen. Denken wir an das Phänomen der sharing economy; unablässig entstehen dort neue Angebote.”
Besonders die Online-Plattform Airbnb sorgte unter den Tourismus-Experten für Diskussionen. So fordern die deutschsprachigen Branchenverbände – wie auch schon seit Jahren der Fachverband Hotellerie – gleiche Wettbewerbsbedingungen bei Registrierung, Sicherheit, Hygiene und Abgaben.

Die Politik ist gefordert

„Es ist ein Unterschied, ob ich mit einer Weltmarke und großen Geldgebern im Rücken in einen Markt gehe oder als Einzelkämpfer auftrete”, verweist Reitterer auf die systematische Steuervermeidung bei Airbnb & Co. Außerdem würden Arbeitsplätze durch höhere Steuern für gewerbliche Anbieter gefährdetet: „Die Politik sieht zu, wenn Steuergesetze umgangen und Arbeitsplätze vernichtet werden”, hält Reitterer fest.
Verdorben wurde die Stimmung durch Berichte über das Belas-tungspaket in Österreich: „Alle Kollegen drücken uns die Daumen, dass die zugesagten Nachbesserungen realisiert und weiterer Schaden von der Branche abgewendet werden kann”, so Hoch.
Die Beherbergung wird in Zukunft mit 13% statt wie bisher mit 10% MwSt. versteuert. Eine kleine Erleichterung konnte bei Pauschal-angeboten von Zimmer mit Frühstück bzw. Halb- oder Vollpension erreicht werden. Hier wird auch zukünftig das Frühstück mit 10% Mwst. angesetzt.

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