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Osteuropa verliert, Afrika gewinnt © Singita

Nobles AfrikaDas über dem Sabi Sand River gelegene Singita Resort in Südafrika gilt als eine der schönsten Lodges auf dem gesamten Kontinent.

© Singita

Nobles AfrikaDas über dem Sabi Sand River gelegene Singita Resort in Südafrika gilt als eine der schönsten Lodges auf dem gesamten Kontinent.

27.11.2015

Osteuropa verliert, Afrika gewinnt

Die boomenden Hotelinvestitionen in Osteuropa haben einen Dämpfer erlitten. Afrika ist neuer Hoffnungsmarkt der Reiseindustrie.

••• Von Dino Silvestre

WIEN. „Ein Hotel mit 300 Zimmern ernährt in Afrika 7.000 Menschen: 700 Mitarbeiter und ihre Familien”, betont Tourismusberater Alexander Gassauer von Kora Hospitality auf dem internationalen Hotel Investment Forum in Wien.

Investitionen im Tourismus seien daher die beste Entwicklungshilfe für den schwarzen Kontinent und verhindern den Exodus von Millionen Menschen. Die Voraussetzungen dazu seien – trotz Krisen und Negativberichten – denkbar gut, versicherte Gassauer.

Hilton & Co. treten an

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Auch wenn Politik und Wirtschaft in vielen Ländern unberechenbar sind, so ist dennoch von einem starken Tourismuswachstum südlich der Sahara auszugehen.

Paola Lunghini, CEO von Economie Immobiliare, verweist auf ein Plus von rund 2,5 Mrd. Euro jährlich oder 5,6% des BIP. Bis 2017 werden internationale Investoren rund 40.000 zusätzliche Hotelzimmer bauen, allen voran Hilton und Marriott; hinzu kommen die vielen lokalen „Mushroom”-Hotels, die derzeit überall wie Pilze aus dem Boden schießen.

CEE ist sehr schwerfällig

Osteuropa hingegen wird für die Investoren immer mehr zum Sorgenkind: Während der Tourismus auf dem Balkan auf niedrigem Level nur langsam vorankommt und der Ausblick in den CEE-Märkten und Polen freundlich bleibt, müssen sich Investoren in Russland auf eine Durststrecke einstellen.

Vor allem der unsichere Rubel-Wechselkurs und die gesunkene Nachfrage aus dem Ausland aufgrund der westlichen Sanktionen machen der Tourismuswirtschaft im Putin-Land zu schaffen.
„Die Risiken sind zu groß. Da ist kein Geschäft mehr zu machen”, so Hotelentwickler Raoul Gransier.
Der Tourismus in Serbien entwickelt sich nur schleppend. Deutlich besser ist die Lage in Kroatien und Montenegro; generell punkten hier die großen und guten Destinationen. Bedauerlich ist, dass diese Länder nicht auf dem Radar der internationalen Hotelinvestoren aufscheinen.
Eine Sonderrolle nimmt in diesem Länderreigen Kasachstan ein: Es ist reich an Erdöl und Bodenschätzen; acht Mrd. Euro will das Land bis zur geplanten Weltausstellung 2017 in die touristische Infrastruktur der Hauptstadt Astana stecken, um die erwarteten fünf Mio. Touristen aus 100 Ländern zu bewältigen – ein ehrgeiziger Plan.

Qualität und Preis in Afrika

Der in London sitzende Afrika-­Berater Yves Ekoué Amaizo von Mutagile gibt sich überzeugt, dass insbesondere die Länder Westafrikas hohes Entwicklungspotenzial im Tourismus haben. Zwei Drittel der Bevölkerung seien „jung und hungrig und als Arbeitskräftepotenzial sehr kostengünstig”.

Wenn Ausbildung, Preis und Qualität der Dienstleistungen stimmen, werden Unternehmen wie Privatpersonen verstärkt nach Afrika kommen. Die zentrale Frage für alle Länder sei: „How to create Jobs”.
Das Tourismusgeschäft steht ganz am Anfang. Lediglich 50.000 Hotelzimmer sind in ganz Afrika derzeit in der Pipeline, 31.300 in Bau. Bei 36 Ländern entspricht das 900 Zimmern pro Land. Doch das Wirtschaftswachstum – je nach Land zwischen fünf bis neun Prozent – lockt neue Leute an.

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