DESTINATION
Wien, Salzburg-Stadt und Innsbruck am Stockerl © Wien Tourismus/Maxum; APA/Barbara Gindl; Panthermedia.net/AnibalTrejo
© Wien Tourismus/Maxum; APA/Barbara Gindl; Panthermedia.net/AnibalTrejo

sabine bretschneider 30.09.2016

Wien, Salzburg-Stadt und Innsbruck am Stockerl

Hoteliervereinigung kürt Gewinner und Verlierer der Destinationsstudie 2016: Kärntner Touristiker „empört”.

Zuletzt war das bestimmende Thema rund um Tourismus und Hotellerie die Arbeitslosenstatistik, konkret der Arbeitskräftemangel in der Branche. Abseits dieser Thematik publizierte die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) jetzt die aktuelle Destinationsstudie 2016 – mit durchaus erfreulichen Resultaten.

„Am Ranking lassen sich gut die Entwicklungen der letzten Jahre ablesen”, so ÖHV-Generalsekretär Markus Gratzer. „Der urbane Raum boomt, Städtereisen sind das Trendsegment schlechthin. Ein Wachstum von 5,7 Prozent spricht da für sich”, verweist er auf die top platzierten Destinationen Wien, Innsbruck und Salzburg Stadt. Ebenso schnitten die Städte Klagenfurt und Graz stark ab, beide schafften es unter die Top-10-Aufsteiger. Die Steigerungsraten in diesem Segment stammen hauptsächlich aus europäischen Ländern oder Fernmärkten, die Märkte Deutschland und Österreich legten hier nur leicht zu.

Provinz verdrängt Linz

Gleichzeitig zieht auch der ländliche Raum an: Bodensee Vorarlberg und Ötztal Tourismus als beste nicht-städtische Destinationen belegen die Ränge vier und fünf und verdrängen Linz, eine letztjährige Top-Stadt, auf einen hinteren Rang. Diese Entwicklung als ein Schließen der Stadt-Land-Schere zu interpretieren, heißt es in der Mitteilung der ÖHV, sei jedoch „aus momentaner Sicht noch zu weit gegriffen”: „In den letzten Jahren haben sich viele klassische Feriendestinationen und Hotels breiter aufgestellt, Stichwort Saisonverlängerung, und spannende neue Angebote geschaffen. Dennoch gibt es noch viel Luft nach oben”, sieht Gratzer vor allem die Politik am Zug. Vielerorts könne vorhandenes Innovationspotenzial nicht ausgespielt werden, „da die Rahmenbedingungen hinterherhinken”. Die fünf schwächsten Regionen im Ranking sind die Carnica Region Rosental, die Nockberge, das Lieser- und Maltatal, die Nationalparkregion Hohe Tauern in Kärnten und der Millstätter See. Klaus Grabler vom Wiener Marktforschungsunternehmen Manova: „Für mich ist Kärnten das beste Warnbeispiel für Destinationen, die sich in Erfolgszeiten ausruhen.” Der Kärntner Tourismus-Spartenobmann Helmut Hinterleitner nannte die Studie in einer Reaktion darauf „wertlos”, da „nur Hotelnächtigungen” berücksichtigt wurden. „So wurden beispielsweise Campingnächtigungen, die in Kärnten immerhin einen Anteil von rund 25 Prozent an den Gesamtnächtigungen ausmachen, völlig ignoriert”, ärgerte er sich.

Mehr Sterne, mehr Gschäft

Der Blick auf die Segmentierung der Destinationen nach Topografie- (z.B. Berg, See, Stadt) und Angebotstypen (z.B. Sport, Wellness, Kulinarik) zeigt folgendes Bild: „Abseits der Städte sind vor allem ‚Sport und Berg’- sowie ‚Sport und Kultur’-Destinationen die Gewinner der Destinationsstudie 2016”, fasst Klaus Grabler zusammen. Profiteure der Nächtigungssteigerungen waren vor allem 4–5-Stern-Hotels. „Die Häuser in dem Segment punkten mit einem unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis”, ergänzt Gratzer. Wenig oder unterdurchschnittliches Wachstum wiesen hingegen Regionen mit Ausrichtung auf „Natur und Genuss”, „Wellness und Kulinarik” bzw. „Sport und Nachhaltigkeit” auf. Die Einzelergebnisse im Überblick:
• Trendwende bei „Stadt und Kultur”-Destinationen – nach Rückgängen in den letzten Jahren wiesen die Regionen ein Nächtigungsplus von 2,6% auf. Von den Zuwächsen profitierten in erster Linie 4–5-Stern-Hotels und Ferienwohnungen.
• Nach einem Minus im Vorjahr legten „See und Berg”-Regionen um 2,5% zu; auch hier profitierte vor allem die gehobene ­Hotellerie.
• Regionen, die auf Wellness und Kulinarik setzen, verbuchten in diesem Jahr die geringsten Zuwächse. Zusätzlich sank die Auslastung nach drei Jahren leichtem Anstieg erstmals wieder (–1,3%); ein Minus verzeichnete hier vor allem der dominante inländische Markt.
• Unterdurchschnittlich performen auch „Natur und Genuss”-Gebiete (+ 1,2% Nächtigungen). Stärkere Verbesserungen konnten die Hotels hier bei der Auslastung (+2,7%) verzeichnen.
• Ähnlich das Bild bei der Spezialisierung „Sport und Nachhaltigkeit”: Ein Nächtigungsplus von 1% ging mit einer leichten Auslastungssteigerung einher.
• „Sport und Kultur”-Destinationen landeten mit +3% bei Nächtigungen unter den Top-Performern, zudem stieg die Auslastung mit +4,3% stark an.
• Ebenso ganz vorn mit dabei: ganzjährige Destinationen mit Fokus auf „Sport und Berg”; diese fuhren +3% bei den Nächtigungen ein. Die Auslastung hingegen ging das zweite Jahr in Folge um 3% zurück. Der Anstieg ist in erster Linie dem Hauptmarkt Deutschland zu verdanken, der um 3,3% zulegte. In winterlastigen Destinationen mit Schwerpunkt Sport und Berg waren etwas geringere Zuwächse zu beobachten (+2% bis +2,7%). „Destinationsmanagement aus dem Bauch heraus war gestern, datengestütztes Arbeiten die Zukunft”, ist Grabler überzeugt. (sb)

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