DOSSIERS
Ein Stück Wurstkultur © Günther Peroutka

Mehr als Wurst„Die Käse- krainer ist mehr als eine Wurst”, weiß Autor und Kolumnist Christian Seiler. „Sie vereint die Seriosität des Wurstmacherhandwerks mit dem Spaß am ausufernden Genießen.”Im Bild: Firmengründer Franz Radatz, Marketingleiterin Elisabeth Radatz-Fiebinger und GF Franz Radatz (v.l.)

© Günther Peroutka

Mehr als Wurst„Die Käse- krainer ist mehr als eine Wurst”, weiß Autor und Kolumnist Christian Seiler. „Sie vereint die Seriosität des Wurstmacherhandwerks mit dem Spaß am ausufernden Genießen.”Im Bild: Firmengründer Franz Radatz, Marketingleiterin Elisabeth Radatz-Fiebinger und GF Franz Radatz (v.l.)

25.09.2015

Ein Stück Wurstkultur

Die Käsekrainer ist die beliebteste Grillwurst in der ­Alpenrepublik – ob Mini, XXL oder schlicht mit Senf.

••• Von Paul Christian Jezek

SALZBURG. Die Geschichte der Käsekrainer beginnt in den Siebzigern in der Mozartstadt, als der damalige Radatz-Verkaufsleiter Helmut Brandl mit einem Einkäufer einer namhaften Supermarktkette zusammentrifft. Die beiden kommen ins Plauschen, und Brandl hört von einer „Käsegriller”, die außer Brät auch etwas Käse enthält; Brandl probiert einige Kombinationen aus.

Die Würste, die den Namen „Käsekrainer” bekommen, werden paarweise verkauft, sind daumengroß, und spielen am Anfang im Sortiment von Radatz eine untergeordnete Rolle. Sie bleiben, wie Brandl konstatierte, „weitgehend unbeachtet”.

Es muss (an-)gebraten werden

Man muss die Konsumgewohnheiten der siebziger Jahre betrachten, um den langsamen Anlauf, den die Käsekrainer unternehmen musste, zu verstehen. Am Würstelstand, dem seit jeher wichtigsten Marktforschungsinstitut jedes Wurstherstellers, gab es ausschließlich Burenwurst, Debreziner und Frankfurter in großen Wurstkesseln.

Erst als sich der erste Würstelstand beim Praterstadion bei seinem Schlosser eine Vorrichtung zusammenzimmern ließ, auf der man Würste auch braten konnte, horchte die Branche auf. Dank enormer Verkaufserfolge wurden Wiens Würstelstände binnen kürzester Zeit ebenfalls mit Grilleinrichtungen aufgerüstet – und so kam schließlich auch die Käsekrainer erfolgreich auf den Grill. „Plötzlich wurde die Wurst nicht nur verzehrt, sondern geliebt”, sagt Franz Radatz, Geschäftsführer bei Radatz Feine Wiener Fleischwaren.
Die Rezeptur der Käsekrainer ist seither jedenfalls gleichgeblieben. „Alle Aufzeichnungen und Berichte aus dieser Zeit unterstreichen, dass Radatz der erste Produzent war, der die Käsekrainer an die wichtigsten Supermärkte Österreichs geliefert hat”, erzählt Marketingleiterin Elisabeth Radatz-Fiebinger. „Die Zeit war einfach reif für den Käse in der Wurst!”

Acht Millionen Käsekrainer

Die Begeisterung der Österreicher spiegelt sich im Produktabsatz wider: Pro Jahr werden hierzulande etwa acht Mio. Radatz-Käsekrainer genossen. Die Länge der damit verzehrten Käsekrainer ergibt etwas mehr als 1.300 km – etwa die Strecke Wien–Barcelona.

Dass Herr und Frau Österreicher der Käsekrainer weiterhin treu verbunden sind, liegt wohl auch an der Innovationsfreude bei Radatz. So finden sich im aktuellen Angebot u.a. eine schärfere Chili-Käsekrainer, dazu Kren-Käsekrainer, Käsekrainer-Schnecken, die XXL-Käsekrainer und natürlich die Minikäsekrainer, die in keiner Grillmixpackung fehlen …

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