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Mr. Big der Wiener Eventszene © Sabine Hauswirt
© Sabine Hauswirt

27.11.2015

Mr. Big der Wiener Eventszene

••• Von Britta Biron

Josef „Muff” Sopper als Urgestein der Wiener Veranstaltungsszene zu bezeichnung, ist keine Übertreibung. Seit den Anfängen mit dem 1986 gegründeten Rockhaus in der Adalbert Stifter-Straße (kaum jemand, der nicht die eine oder andere schöne, wenn auch vielleicht ein wenig verschwommene Erinnerung an diesen legendären Musik-Tempel hat) bis zur heutigen Firmengruppe, zu der mit Planet Music im Gasometer Simmering, dem Veranstaltungssaal in der SiMM City und der Szene Wien gleich drei über die Grenzen der Stadt bekannten Locations zählen, kann er eine beeindruckende Statistik von mittlerweile gut 5.000 Veranstaltungen vorweisen. Und während viele andere in seinem Alter langsam beruflich kürzer treten, ist Sopper die „Lust am Feiern” noch längst nicht verloren gegangen. Ganz im Gegenteil will er sogar noch einen Zahn zulegen. medianet hat mit ihm über die vergangenen Jahre, die aktuellen Trends in der Branche und die Pläne für die Zukunft gesprochen.


medianet:
Können Sie sich noch an das erste Mal erinnern, als das ehemalige Rockhaus für einen Event gebucht wurde?
Josef „Muff” Sopper: Ja, es war eine Weihnachtsfeier der Wiener SPÖ. Die Sekretärin des Landesparteisekretariats sandte Spione aus, denn der Name Rockhaus war ja damals nicht gerade salonfähig. Wir mussten auch einen Heavy-Metal-Totenkopf im Club mit Watte und Schminke in einen Weihnachtsmann verwandeln. Und dann war alles gut. Bürgermeister Häupl hat mit uns um die Wette „gewuzelt”.

medianet:
Mit mangelnder Salonfähigkeit haben Sie heute wohl nicht mehr zu kämpfen.
Sopper: Nein. Wir sind zu einem bekannten Player am Markt geworden und kommen auf derzeit auf rund 450 Veranstaltungstage jährlich. Noch liegt der Anteil an Firmenevents, Galas und Messen bei knapp unter zehn Prozent, aber den Prozentsatz werden wir durch einen neuen online-B2B-Auftritt und verstärkte Akivitäten unseres Teams deutlich nach oben schrauben.

medianet:
Wo sehen Sie die wesentlichen Vorteile gegenüber dem Mitbewerb?
Sopper: Dass wir über drei Locations verfügen, die sich in Sachen Kapazität perfekt ergänzen – vom kleinen Rockclub in der Hauffgasse über den schmucken, multifunktionalen Saal in der SiMM City bis hin zur variabel großen Halle im Gasometer. Punkten können wir in verschiedenen Bereichen: Einerseits mit unserem fachlich unschlagbaren, immer hochmotiviertem Team. Dann natürlich mit der technischen Ausstattung. Unsere Visual-, Licht und Tonsysteme samt flexiblen Bars, Screens und variablem Ambiente sind sowieso einzigartig. Da hat noch jeder Kunde beim ersten Mal gestaunt und sich angesichts dieser Standards gefragt, wo dann bitte eine Konkurrenz ist. Ein weiterer Pluspunkt ist die verkehrsgünstige Lage. Alle drei Standorte liegen direkt an der U3, das Planet Music hat eine direkte Zufahrt von der Tangente und eine Parkgarage und die Szene als einzige Locations Wiens dank einer Kooperation mit Zielpunkt sogar einen Gratis-Parkplätze für die Gäste. Viele Firmen wissen diese günstige Verkehrslage auch für die Anreise von Gästen außerhalb Wiens sehr zu schätzen.

medianet:
Betrifft der neue B2B-Schwerpunkt alle drei Locations gleichermaßen?
Sopper: Der Fokus liegt vor allem auf dem Planet Music und der SiMM City. Mit diesen beiden Locations decken wir den Bedarf für Firmenveranstaltungen jeder Art in jeder gewünschten Atmosphäre und in Größenordnungen zwischen 100 und 1.500 Personen ab. Die Szene Wien ist durch ihren Charakter als Rock-Club und das geringere Fassungsvermögen eher selten Schauplatz von B2B-Events. Aber durch den Sommergarten unter dem Motto ‚Chill & Grill' ist sie ein beliebter Ort für inoffizielle, kollegiale ‚After Work'-Termine.

medianet:
Wie sind Sie mit der bisherigen Entwicklung der SiMM City zufrieden?
Sopper: Wir stehen im 6. operativen Betriebsmonat nach der Generalrenovierung, in die wir rund 650.000 Euro nur aus eigenen Mitteln investiert haben, und haben mit einem Veranstaltungsmix aus jungem Austropop, zeitgemäßen Kabarett, Dinner-Shows unter dem Motto Rock a la carte, mit Hip Hop, Heavy Metal und Local Heroes den Saal schon mehrfach ausverkauft. Auch das Vermietungsgeschäft ist gut angelaufen: Täglich läutet das Telefon und Event-Agenturen wollen den Saal sehen, und mehrere haben auch schon gebucht. Ich kann mich über die bisherige Entwicklung nicht beschweren. Aber natürlich ist hier noch Luft nach oben.

medianet:
Wie schätzen Sie die genenerelle Nachfrage nach Events ein? Haben die seit geraumer Zeit schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen negative Auswirkungen? Schauen die Unternehmen mehr aufs Budget als früher?
Sopper: Im Krisenjahr 2008 haben Firmenfeiern zu den ersten Posten gehört, bei denen Unternehmen den Sparstift angesetzt haben. Das haben damals alle Anbieter gespürt. Mittlerweile sind die Firmenchefs aber doch wieder zu der Überzeugung gelangt, dass eine gemeinsame Feier mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht nur Kosten verursacht, sondern durchaus motivierend wirkt und damit auch die Produktivität und die Teamfähigkeit gefördert wird, sich eine solche Maßnahme also auch wirtschaftlich rechnet. Aufs Geld haben die Unternehmen – glaube ich – immer schon geschaut. Also dass jemand kommt und sagt ‚da hast du 100.000 Euro und mach uns eine schöne Party' – so etwas hats – leider – nie gegeben …

medianet:
Die Vorweihnachtszeit ist traditionell Hochsaison für Firmenfeiern. Wie sieht heuer die Buchungslage aus?
Sopper: Unsere Stammkunden sind uns weiterhin treu. Für einen organisieren wir statt einer klassischen Weihnachtsfeier ein zehn Mal so großes Firmenjubiläum. Und auch zwei Neukunden konnten wir für uns gewinnen – die Tendenz ist also durchaus steigend.

medianet:
Gibt es Überlegungen hinsichtlich einer weiteren Location und wie sähe die im Idealfall aus?
Sopper: Danke nein, wir haben bereits drei Idealfälle und genug Arbeit damit, die noch besser am Markt zu positionieren und dort Feste zu veranstalten, die den Gastgebern und Gästen lange in guter Erinnerung bleiben.

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