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Oldies but Goldies © Rupert Pessl/Arche Noah/Schiltern
© Rupert Pessl/Arche Noah/Schiltern

25.09.2015

Oldies but Goldies

Warum gerade alte Sorten frischen Wind in die Gesellschaft bringen.

••• Von Judith Prugger

WIEN. Frische ist den Konsumenten am wichtigsten. Doch laut einer Studie von Oliver Wyman und dem Handelsverband aus dem Jahr 2014 schneiden gerade die österreichischen Händler im internationalen Konsumentenvergleich eher durchschnittlich ab; sprich: außerhalb der Top 10. Dabei ist Frische längst zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal und zum Schlüsselkriterium im fortschreitenden Verdrängungswettbewerb geworden. „Frische hängt aber von vielen Faktoren ab, unter anderem von der Länge der Transportwege”, erklärte Hansjörg Peterleitner, Sprecher von Lidl Österreich. Die Logistik­kette gilt es auch laut den Autoren der Oliver Wyman-Studie zu optimieren: Die Zeit zwischen der Herstellung der Ware und dem Kauf durch die Konsumenten müsse auf ein Minimum reduziert werden.

Rewe will mehr Regionalität

Im Gesamt-Frische-Ranking am österreichischen Markt konnten die Großformate Merkur, Maximarkt und Interspar am besten abschneiden. „Der umfassende Frischebereich ist das Aushängeschild von Merkur”, kommentierte Lucia Urban, Pressesprecherin von Rewe. „An den Frischeinseln finden sich mehr als 600 handselektierte Obst- und Gemüseartikel. Auf Wunsch können Kunden direkt im Markt frisch bestückte Obstkörbe bestellen und nur 15 Minuten später abholen.” Man wolle mit der Marke „Merkur Bauernmarkt” künftig noch viel mehr auf den Faktor Regionalität setzen: Insgesamt wird die Auswahl rund 7.000 österreichische Produkte von mehr als 500 regionalen Produzenten umfassen. Bei Spar setzt man dagegen vor allem auf die Beratung der Konsumenten. Außerdem komme speziell in großen Märkten „die Frische bei Obst und Gemüse durch die vorhandene Fläche und größere Auswahl gut zur Geltung; durch die stärkere Frequenz können hier auch Früchte angeboten werden, die in kleineren Märkten nicht nachgefragt werden. Die bestens geschulten Mitarbeiter legen dabei nicht nur viel Wert auf die Produktfrische, sondern auch auf die entsprechende Beratung, durch die unsere Frischekompetenz noch besser an unsere Kunden vermittelt werden kann”, kommentierte Spar-Sprecherin Nicole Berkmann.

Doch auch ein Discounter schnitt im Gesamt-Ranking besonders gut ab: Lidl landete auf Platz vier. „Frische und Qualität gehören für uns untrennbar zusammen. Dies trifft insbesondere im Obst- und Gemüse-Bereich zu. Der Trend hin zu heimischen, regionalen Produkten ist ungebrochen”, so Peterleitner. Man lege vor allem Wert auf beste Qualität aus Österreich, „der Anteil an heimischen Produkten steigt nach wie vor sukzessive an. So bieten wir unseren Kunden im Sommer fast ausschließlich heimisches Gemüse an: Karotten, Feldgurken, Radieschen und Salate kommen, wenn immer es möglich ist, aus Österreich.”
Im Bereich Frische könne beobachtet werden, dass der Anteil von Obst und Gemüse bereits ca. zehn Prozent vom Gesamtumsatz beträgt – „die Frische allgemein (inkl. Frischfleisch, Bake-off und Molkereiprodukte) macht bereits die Hälfte des Sortiments aus.”

Keine Abfallwirtschaft

Doch gerade im Frischesegment – und besonders bei Obst und Gemüse – ist Lebensmittelabfall ein Thema. Bis zu 1,3 Mrd. Tonnen Lebensmittel werden weltweit im Jahr weggeworfen. In der Europäischen Union werden jedes Jahr pro Person durchschnittlich 179 kg weg­geworfen.

Das macht insgesamt circa 89 Mio. Tonnen Abfall pro Jahr. Dabei gehen 42% aller weggeworfenen Lebensmittel auf das Konto der privaten Haushalte, 39% landen bei den Herstellern im Müll, 14% in der Gastronomie und fünf Prozent bei den Einzelhändlern.
„Wir arbeiten im Bereich der Lebensmittelabfälle laufend daran, diesen zu minimieren. In unseren Märkten fallen vergleichsweise kleine Mengen an abgelaufenen Lebensmitteln an”, erklärt Urban und weiter: „Lebensmittel mit unmittelbar bevorstehendem Ablaufdatum werden vergünstigt (30–50% Nachlass) an Kunden und Mitarbeiter abgegeben. Eine konkrete Maßnahme gegen die Wegwerfkultur sind unsere Wunderlinge. ”
Auch die Spar- und Interspar-Systeme seien „darauf ausgerichtet, so viel wie möglich verkaufen zu können. Jede Abschreibung bedeutet für uns einen wirtschaftlichen Verlust, den wir aus ethischen wie auch wirtschaftlichen Gründen vermeiden. Insgesamt können nur ein bis zwei Prozent der angebotenen Produkte nicht verkauft werden”, meint Berk-mann.
Auf der Großfläche sei der Anteil aufgrund der hohen Frequenz deutlich geringer als in kleineren Standorten: „Der Anteil der Frische liegt verständlicherweise etwas über diesen Schnitt. Produkte, die nicht mehr verkauft werden können, unsere Mitarbeiter aber selbst noch essen würden, werden an Sozialorganisationen gespendet, mit denen jeder Interspar- und Maximarkt-Standort zusammenarbeitet.”
Nähern sich Lebensmittel bei Lidl dem Ablaufdatum, werde mit einer Preisveränderung reagiert. „Artikel, die innerhalb eines festgelegten Zeitraums nicht verkauft werden können, werden Sozialmärkten, Tafeln oder anderen sozialen Einrichtungen kostenlos zur Verfügung gestellt”, so Peterleitner.

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