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Vegetarischer Fleischersatz bleibt weiterhin eine kleine Nische © Haslinger, Keck. PR/APA-Fotoservice/Preiss
© Haslinger, Keck. PR/APA-Fotoservice/Preiss

Jutta Maucher 07.07.2015

Vegetarischer Fleischersatz bleibt weiterhin eine kleine Nische

Ernährungstrends Von einem Boom fleischloser Wurstwaren kann bisher noch keine Rede sein. Erst ­wenige ­Hersteller, wie etwa Landhof, haben Produkte für Veganer und Vegetarier in ihrem Sortiment, die Mehrheit ­konzentriert sich auf den deutlich stärkeren Trend zu noch mehr Qualität und Nachhaltigkeit.

Wien. Die Trendforscher sagen es: Vegetarische und flexitarische Ernährung liegt im Trend; 40% der Österreicher verzichten ab und zu bewusst auf Fleisch, die Zahl der Flexitarier, besser bekannt als flexible Vegetarier, die Fleischprodukte unregelmäßig bzw. nicht täglich konsumieren, ist im Steigen. Auf der anderen Seite gibt es bei denen, die nicht auf Fleisch verzichten wollen, den klaren Trend in Richtung Qualität.

Die meisten Hersteller aus der Fleisch- und Wurstbranche setzen daher auf Letzteres, wie dies etwa Thomas Schmiedbauer, Geschäftsführer von Wiesbauer, sagt: „Man muss natürlich über alles nachdenken, aber vegetarische Wurst, das passt nicht zu uns. Unser Name steht für qualitativ hochwertige Wurst- und Fleischspezialitäten uns so soll es auch bleiben.”
Auch aus dem Hause Berger heißt es von Geschäftsführer Rudolf Berger: „Die schweigende Mehrheit genießt Fleisch – möchte aber dabei das gute Gefühl haben, dass es dem Tier gut gegangen ist, und sucht nach entsprechenden Informationen.” In diesem Sinne möchte Berger „den Fleischessern das gute Gefühl zurückgeben und sucht nach entsprechenden Möglichkeiten, artgerechte Tierhaltung zu unterstützen und zu fördern”. (mehr dazu auf Seite 28).

Gleiche Produktionskosten

Nur wenige Produzenten setzen bewusst auf fleischlose Wurst. Seit gut einem halben Jahr bietet der niedersächsische Wursthersteller Rügenwalder Mühle vegetarische Wurst, Fleischlaibchen und Schnitzel an. Die Produktionskosten der vegetarischen Wurst seien „eins zu eins mit der Wurst aus Fleisch”, sagt der Entwicklungs- und Marketingchef von Rügenwalder, Godo Röben. Bereits im kommenden Herbst sollen die vegetarischen Produkte 30% der Wochentonnage ausmachen. Damit wolle Rügenwalder Mühle den Wurstmarkt „revolutionieren”.
Der Geschäftsführer des BVDF (Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie), Thomas Vogelsang, sieht das nicht als Kampfansage: „Es ist eher ein Revolutiönchen.”

Auf Basis von Milcheiweiß

In Österreich ist es vor allem Landhof, ein Unternehmen, das fleischlose Wurstprodukte, als Ergänzung zu seinem konventionellen Sortiment, herstellt. „Unser Ziel war dabei klar definiert: Wir machen die erste Wurst ohne Fleisch, die schmeckt: ohne Soja und ohne Gluten”, sagt dazu Geschäftsführer Thomas Huber, der weiter ausführt: „Die Entwicklung hat über ein Jahr in Anspruch genommen, wir haben unsere Kompetenz in der Wursterzeugung genutzt, haben traditionelle Zutaten verwendet, und eine rein vegetarische Rezeptur auf Basis von Milch- und Pflanzeneiweiß sowie Hühnereieiweiß erstellt. Der Geschmack war dabei unsere oberste Prämisse.”

Veggie für den Grill

Mittlerweile umfasst das vegetarische Sortiment unter anderem sieben Sorten Extrawurst sowie drei Sorten Leberkäse. „Um keine Wünsche offenzulassen, hat ‚die Ohne' von Landhof die heurige Grillsaison mit neuen fleischlosen Grillprodukten eröffnet: Von Käsekrainern über Bratwürstel bis hin zu Grillern in den Sorten Käse, Chili und Toscano bieten die fleischlosen Grillspezialitäten ein umfangreiches Geschmackserlebnis, natürlich wieder ohne Soja und ohne Gluten”, so der Geschäftsführer.
Gerade bei einem solchen neuen Sortiment ist der ständige Kontakt mit den Konsumenten von besonderer Bedeutung und steht an oberster Stelle. In diesem Sinne werden zahlreiche Marktforschungen durchgeführt, um aktuellen Konsumentenbedürfnissen bestmöglich Rechnung tragen zu können. „Aus diesem Grund bietet unsere fleischlose Produktrange auch für unsere Partner im LEH einen entscheidenden Mehrwert, da bei der Produktentwicklung die Konsumentenstimmen direkt berücksichtigt werden”, ist Huber überzeugt.

Mehr Fachgeschäftsanteil

„Es gibt sicher einen Markt dafür”, sagt Gero Jentzsch, Sprecher des Deutschen Fleischer-Verbands, der deutschlandweit rund 14.000 Betriebe vertritt. Gerade die Flexitarier seien für das Fleischerhandwerk eine neue Kundengruppe. Sie setzen sich bewusst mit dem Fleischkonsum auseinander, wollen aber nicht auf ein Steak oder Grillwurst verzichten. „Sie gehen häufiger ins Fleischfachgeschäft und nicht zum Diskonter.”

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