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„Verlage investieren wieder mehr in die Qualität ihrer Printmedien” © Druckerei Berger

Seniorchef Peter Berger mit Ferdinand (Mitte) und Peter jun. (rechts), die das erfolgreiche Familienunternehmen in 5. Generation leiten.

© Druckerei Berger

Seniorchef Peter Berger mit Ferdinand (Mitte) und Peter jun. (rechts), die das erfolgreiche Familienunternehmen in 5. Generation leiten.

britta biron 30.06.2015

„Verlage investieren wieder mehr in die Qualität ihrer Printmedien”

Aufwärtstrend Von einer Krise der Druck-Branche könne man nicht sprechen, ist das Management der ­Druckerei Berger überzeugt. „Der Trend zurück zu Print zeigt sich in stabilen oder sogar steigenden Auflagen, neuen Titeln und höheren Investitionen in die Veredelung”, so Seniorchef Peter Berger.

Horn. Das gern zitierte Wortspiel, dass die Druckbranche wirtschaftlich so stark unter Druck stehe, kann Peter Berger, Seniorchef der Druckerei Berger, nicht mehr hören. „Dass dieser Eindruck entsteht, liegt meiner Meinung nach vor allem an der etwas unglücklichen Medienpolitik mancher Funktionäre unserer Verbände. In Wahrheit geht es den Druckereien nicht wirklich schlecht. Zumindest nicht schlechter als anderen Branchen.”

Zwar habe in den letzten zehn Jahren ein Ausleseprozess stattgefunden, daneben gäbe es aber auch Unternehmen, die gut dastehen und auch gute Zukunftsperspektiven haben. Und zu dieser Gruppe dürfe man sich zu Recht zählen.
„Wir konnten im letzten Wirtschaftsjahr, das Ende März geendet hat, wieder ein Wachstum erzielen und gehen auch für das neue Jahr von einer weiteren Steigerung aus. Wir sind mit der derzeitigen Lage im Großen und Ganzen zufrieden”, erläutert Peter Berger jun.
Ein wesentlicher Faktor sei, dass man regelmäßig in die Modernisierung und Erweiterung der technischen Ausstattung investiere.

Mehr Aufträge

„Wir haben vor etwa einem Jahr eine zusätzliche 48 Seiten-Rollenoffset-Maschine in Betrieb genommen und kürzlich den Auftrag für eine neue 8-Farben-Bogen-Offset-Maschine unterschrieben. Zusätzlich wird auch in die Zukunftstechnologie in der Endfertigung investiert. Durch die neuen Technologien rechnen wir natürlich mit positiven Auswirkungen im Verkauf”, ergänzt Ferdinand Berger jun.
Dass man sich künftig auch stärker als bisher auf den Bogen-Offsetdruck konzentrieren möchte, hat zwei Gründe.
„Das ist ein Bereich, in dem wir in der Vergangenheit bereits einmal stark waren und in dem wir uns mit der modernen Technik die Marktanteile wieder zurückholen wollen. Und es zeigt sich, dass die Kunden für beide Druckverfahren – Bogen- und Rollen-Offset – gern einen Ansprechpartner haben. Nachdem wir die einzige Druckerei in Österreich sind, die beides unter einem Dach anbietet, ohne Leistungen zukaufen zu müssen, sehen wir hier interessantes Potenzial. Besonders natürlich dort, wo wir schon Partner im Rollen-Offset sind, rechnen wir mit zusätzlichen Bogen-Aufträgen”, so Peter Berger jun., einer des geschäftsführenden Bruderpaars.

Print ist wieder zurück

Auf der anderen Seite ortet man bei Berger generell wieder eine steigende Nachfrage nach Print. „Mittlerweile hat sich der Glaube, dass die Zukunft der Medien und der Werbung vor allem im Internet liegt, etwas abgeschwächt. Durch die Ad-Blocker, die Werbung für den User unterdrückbar und damit Schaltungen zum Teil sinnlos machen, zeigt sich international wieder ein Trend zurück zu Print und zur klassischen Anzeige in Zeitungen und Magazinen. Das merkt man unter anderem daran, dass die Umfänge der Printmedien stabil bleiben oder sogar leicht steigen”, so Berger jun.
Auch in die Papierqualität und die Umschlagveredelung der Magazine werde wieder mehr investiert.
„Die Verlage legen insgesamt wieder mehr Wert darauf, den Lesegenuss auch durch spezielle Haptik zu steigern und leisten sich optische Verbesserung ihrer Printprodukte, weil das beim Leser gut ankommt”, so Berger jun. weiter.
Den Trend zu Print sehe man auch darin, dass wieder neue Magazine auf den Markt kommen.
„Man kann sogar von einer neuen Gründerzeit in der Verlagsbranche sprechen. Man muss jetzt natürlich abwarten, wie sich diese Titel weiterentwickeln, aber generell zeigen sich derzeit positive Impulse für die heimische Druckbranche”, so Ferdinand Berger jun. weiter.
Dass sich ausländische Unternehmen ihr Stück vom Kuchen holen wollen, sieht man bei Berger relativ gelassen. „Natürlich akquirieren z.B. deutsche Druckereien oder solche aus dem angrenzenden Osteuropa in Österreich, im Gegenzug arbeiten wir auch für Kunden in Deutschland oder der Schweiz. Österreich ist kein abgeschotteter Markt, und Konkurrenz aus dem Ausland betrifft die gesamte Wirtschaft und nicht nur die Drucker”, führt Berger sen. weiter aus.
Wettbewerbsnachteilen durch die hohen Lohn- und Lohnnebenkosten und Steuern könne man einerseits mit der modernen technischen Ausstattung und andererseits durch eine hohe Servicequalität begegnen.
„Wir haben Kunden, die nach schlechten Erfahrungen mit der Vergabe von Druckaufträgen in Billiglohnländer wieder zu uns zurückgekommen sind”, nennt Peter Berger jun. als Beispiel.

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