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Wurst-Diskussion © WW/B.V. Ederer/Photosandmore (2)

Father & Son Thomas Schmiedbauer (Wiesbauer), Martina Pfluger, Jürgen Tarbauer (beide JWW), Karl Schmiedbauer (Wiesbauer).

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Father & Son Thomas Schmiedbauer (Wiesbauer), Martina Pfluger, Jürgen Tarbauer (beide JWW), Karl Schmiedbauer (Wiesbauer).

25.09.2015

Wurst-Diskussion

Die Wiesbauer-Chefs Karl und Thomas Schmiedbauer diskutierten öffentlich über Bio, Fleischersatz und Vegan.

••• Von Paul Christian Jezek

WIEN. Am 17.9. lud die Junge Wirtschaft Wien das Wiesbauer-Duo aus Vater und Sohn, Karl und Thomas Schmiedbauer, zum „Unternehmertalk”.

Rund 120 Jungunternehmer nahmen an der Veranstaltung mit dem Wiesbauer-Aufsichtsratsvorsitzenden und seinem geschäftsführenden Sohn in der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien teil.

Hart, aber herzlich

„Funktioniert die Vater-Sohn-Beziehung im Betrieb?”, wollte der JWW-Landesvorsitzende Jürgen Tarbauer wissen. „Es wäre nicht so lange gut gegangen, wenn das Verhältnis zum eigenen Vater nicht mehr passen würde”, erklärte Thomas Schmiedbauer. „Meine Lehre im elterlichen Betrieb war anstrengend, aber heute bin ich dankbar dafür, weil ich alle Abläufe im Betrieb kenne. Natürlich diskutieren und streiten wir auch einmal miteinander. Insgesamt ist es hart, aber herzlich.”

Angesprochen auf den Trend zu biologisch produzierten, fleischlosen und veganen Produkten, entgegneten die beiden Unternehmensführer, dass diese Entwicklungen „sehr wohl beobachtet, aber kritisch hinterfragt werden”. So sieht Karl Schmiedbauer das Thema vor allem im internationalen Vergleich und erkennt lebensmitteltechnische Herausforderungen: „Bio-Produkte sind in Österreich, vor allem durch die Werbung, ein viel größeres Thema als in anderen Ländern. Außerdem würden wir viele Inhaltsstoffe aus fleischlosen und veganen Produkten, wie Geschmacksverstärker, Milchpulver oder andere Zusatzstoffe, niemals in unserem Betrieb verwenden.” Der junge Geschäftsführer sieht vor allem wirtschaftliche Schwierigkeiten und Imageprobleme: „Die Einführung einer neuen, qualitativ hochwertigen Bio-Marke ist in Österreich aufgrund des Preisdrucks und der Konkurrenz von zwei großen Lebensmittel-Handelsunternehmen und deren Eigenmarken wirtschaftlich nur schwer umsetzbar. Seit 15 Jahren befassen wir uns mit dem Trend zu fleischloser und veganer Ernährung. Mit unserer Geschichte als Wursterzeuger konnten wir uns damit aber nie identifizieren, darum wäre es auch nicht glaubwürdig, wenn wir diese Produkte anbieten würden.”

Kultur des Scheiterns

„Besonders die Einführung neuer Produkte ist in den letzten Jahren immer schwieriger geworden, da auch der Wettbewerb immer größer wurde”, sagte der Sohn. „Ein Gefühl des Scheiterns hatte ich dabei aber noch nie. ” Und Seniorchef Karl: „Unsicherheiten und Fehler passieren immer wieder. Durch unsere Größe und die interne Organisation haben wir aber mehr Möglichkeiten und Durchhaltevermögen als kleinere Betriebe. Flops gibt es bei Produktneuheiten aber immer wieder, schließlich schafft es nur jedes fünfte bis zehnte Produkt dauerhaft in unser Sortiment.”

Angesprochen auf die vielen abgewanderten Unternehmen aus Wien, die Bedenken der verbleibenden Betriebe und immer neue finanzielle und bürokratische Belastungen, gaben die beiden Unternehmen klare Antworten: „Der Standort Wien ist nicht unabdingbar. Unsere wichtigste Ressource und unser wichtigster Unternehmensfaktor sind aber unsere Mitarbeiter.
Wir wollen sie mit einem Umzug nicht verlieren, schließlich ist es immer fraglich, ob wir dann auch an einem anderen Standort so tolle Mitarbeiter finden können.” Die schwierigen Verhältnisse am Standort Wien („überalterte Normen, endlose Verordnungen und große finanzielle Belastungen”) haben die beiden Unternehmer aber aus eigener Erfahrung bestätigt …

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