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Bei Raiffeisen ­Oberösterreich wird nichts zugesperrt © APA/Herbert Pfarrhofer
© APA/Herbert Pfarrhofer

20.11.2015

Bei Raiffeisen ­Oberösterreich wird nichts zugesperrt

Raiffeisen Oberösterreich-General Heinrich Schaller hat Beteiligungen gestrafft und setzt auf Kundenzufriedenheit.

••• Von Thomas Müller

WIEN. 2012 hat Heinrich Schaller als Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich das Erbe von Ludwig Scharinger angetreten. Mehr als 500 Beteiligungen umfasste damals noch das regionale Wirtschaftsimperium, das nach Jahrzehnten der Expansion entstanden war. Dass es mittlerweile auf 450 Einheiten zurückgestutzt wurde, liege am regulatorischen Umfeld und sei keineswegs als Aufräumaktion aus wirtschaftlichen Gründen zu sehen, sagt Schaller im medianet-Interview. Die Nachfolge Scharingers als „geheimer” Landeshauptmann anzutreten, scheint nicht sein vorrangiges Ziel zu sein.
medianet: In der Bankenszene ist gerade einiges los. Die Raiffeisengruppe verkauft Tochterunternehmen, die Bank Austria möglicherweise das ganze Privatkundengeschäft. Tut sich denn in Oberösterreich gar nichts?
Heinrich Schaller: Es wird bei Raiffeisen Oberösterreich nichts zugesperrt oder verkauft. Aber sonst tut sich sehr viel! Die Raiffeisenlandesbank und die oberösterreichischen Raiffeisenbanken haben schon vor Jahren wesentliche Steuerungsmaßnahmen gesetzt, um Kundenorientierung und Kundenzufriedenheit weiter auszubauen.

Diese Maßnahmen umfassen alle Segmente und werden derzeit Schritt für Schritt umgesetzt. Wesentliches Ziel ist, durch diese neue Form der Zusammenarbeit zwischen der Raiffeisenlandesbank und den Raiffeisenbanken die ­Effizienz laufend zu erhöhen. Das ist im Sinne unserer Kunden, zu denen wir durch die starke Verankerung vor Ort eine besonders enge Beziehung haben. Diese intensivieren wir weiter, indem wir Verwaltungstätigkeiten wie beispielsweise im Bereich Compliance konzentrieren. Auch innerhalb der Raiffeisenbankengruppe Österreich wurde die Zusammenarbeit intensiviert, zum Beispiel im IT-Bereich.

medianet: Nach dem Ende der Ära Scharinger begann das große Aufräumen. Wo steht die RLB Oberösterreich am Ende des Jahres 2015 mit ihren vielen Beteiligungen?
Schaller: In den vergangenen Jahren hat sich das Bankgeschäft insgesamt verändert, das hat mit einem Aufräumen nichts zu tun. Banken müssen heute eine ganze Reihe neuer Regularien einhalten. Dem begegnen wir, indem wir Strukturen gestrafft haben, auch im Beteiligungsbereich. Hier wurde ebenfalls entschlackt und nicht operative Gesellschaften eliminiert. Das Beteiligungsportfolio der RLB OÖ umfasst aktuell rund 450 gesellschaftsrechtliche Einheiten. Das sind um rund 70 bis 80 weniger als vor dreieinhalb Jahren. Der Beteiligungsbereich umfasst österreichischen Leitbetriebe wie die voestalpine AG oder die AMAG AG, die weltweit erfolgreich sind, und auch starke heimische mittelständischen Unternehmen. Und diese Diversifikation, ein solides operatives Bankgeschäft und ein erfolgreicher Beteiligungsbereich gewährleistet Stabilität.

medianet: Nach den Ankündigungen der Unicredit und dem ungewissen Schicksal der Bank Austria stellt sich die Frage, wie profitabel das Privatkundengeschäft bei den anderen Banken ist. Werden sich Maßnahmen beim Raiffeisen-Filialnetz vermeiden lassen? Schaller: Wir haben beim Privatkundengeschäft nicht gedrosselt, sondern das Gegenteil dessen gemacht: Die Raiffeisenbanken, die vor Ort fest verankert sind und eine direkte und enge Beziehung zu ihren Kunden haben, haben auch in diesem Bereich weiter intensiviert. Die Ergebnisse sind äußerst positiv. Ohne Maßnahmen zur weiteren Steigerung der Effizienz geht es aber nicht. Und da glauben wir, mit dem gemeinsamen Projekt ‚Raiffeisenbankengruppe Oberösterreich 2020' auf einem guten Zukunftsweg zu sein. Es gibt also kein Zusperrkonzept. Die Zusammenarbeit wird aber in allen Bereichen verstärkt.
medianet: Im Jahr 2014 war die Bank nicht gerade vom Glück verfolgt. Wie sieht es nach den ersten drei Quartalen für 2015 aus? Geht es mit dem Gewinn wieder nach oben?
Schaller: Im Bankgeschäft kann man sich ohnehin nicht auf Glück verlassen. 2014 konnte die Raiffeisenlandesbank OÖ im operativen Geschäft eine gute und stabile Entwicklung verzeichnen. Und durch die breite Ausrichtung des Konzerns konnten auch externe Faktoren ausgeglichen und sowohl in der UGB- als auch in der IFRS-Betrachtung positive Ergebnisse erzielt werden. Die Kernkapitalquote wurde im vergangenen Jahr ebenfalls gesteigert. Unter den gebotenen Rahmenbedingungen war das Ergebnis der RLB OÖ also sogar sehr gut. Auch das Halbjahresergebnis im laufenden Jahr 2015 war überaus positiv: Es konnte das zweithöchste Periodenergebnis bisher erzielt werden, und bei der Kernkapitalquote hat die Kreditinstitutsgruppe weiter zugelegt. Wenn uns Begleitmusik von außen heuer erspart bleibt, werden wir ein sehr, sehr positives Ergebnis erzielen können.

medianet: Während die Großbanken Beteiligungen und Filialen reduzieren, wird am anderen Ende der Skala jetzt quasi von unten eine Bank für Gemeinwohl als Genossenschaft gegründet, was auch ein wenig an Raiffeisen erinnert. Haben sich die traditionellen Banken zu sehr vom Gemeinwohl entfernt?
Schaller: Wenn mit ‚traditionellen Banken' die Regionalbanken gemeint sind, dann sicherlich nicht. Denn gerade sie waren es, die in der Zeit der Wirtschafts- und Finanzkrise ihre Unternehmenskunden nicht fallen gelassen, sondern sie sehr intensiv begleitet haben. Raiffeisen Oberösterreich war den Unternehmen in einer herausfordernden Zeit ein überaus verläss­licher Partner.

Den Regionalbanken kann man auch keine Schuld an der Bankenkrise geben. Zu berücksichtigen ist im Gegenzug schon auch, welchen Regularien und Anforderungen der diversen Bankenaufsichten die Regionalbanken heutzutage unterworfen sind. Wir sehen es bei Raiffeisen Oberösterreich aber als unseren Auftrag, trotz dieser Rahmenbedingungen positive Impulse in der Region zu setzen.


medianet:
Die Zinsen sind gerade auf einem Rekordtief. Ein Bankberater würde wahrscheinlich raten, jetzt einen günstigen Kredit aufzunehmen, um zu investieren. Ist es nicht skurril, dass die europäischen Staaten das genau nicht machen sollen?
Schaller: Hätte man in wirtschaftlich guten Zeiten gut gewirtschaftet und die Schuldenquoten gesenkt, wäre jetzt sicherlich ein guter Zeitpunkt, das zu tun. Hier kommt es darauf an, wie die Staatsfinanzen gemanagt wurden.
medianet: Kommen denn junge Start-ups mit riskanten Ideen überhaupt zu Ihnen in eine Raiffeisen-Filiale? Oder geht man nicht heutzutage lieber gleich zum Crowd­investing?
Schaller: Die vielen neuen Vorschriften, die Banken einzuhalten haben, machen es jungen Unternehmen sicherlich nicht leichter, zu ­Finanzierungen zu kommen. Start-ups im Hochtechnologiebereich haben es da noch leichter als Internet-Ideen. Raiffeisen Oberösterreich ist aber auch für Firmengründer ein verlässlicher Finanzpartner. Und es braucht darüber hinaus einen funktionierenden Kapitalmarkt.

medianet: Noch eine Frage zum Thema Bankenabgabe: Ist es denn politisch nicht ohnehin hoffnungslos, diese wieder zurückzunehmen, solange die Banken Gewinne schreiben? Realistisch wäre doch eher, dass die Kuh gemolken wird, solange es geht ...
Schaller: Die Rahmenbedingungen sind für Banken zweifellos herausfordernd. Neben den hohen Steuerbelastungen sind es insbesondere auch die gewaltigen regulatorischen Anforderungen.

Darüber hinaus soll der Bankensektor zusätzlich Kernkapital aufbauen; dazu braucht es positive Ergebnisse. Gewinne sind also die Voraussetzung, damit Banken ihrer Aufgabe, die Realwirtschaft zu unterstützten, nachkommen kann. Auf diese volkswirtschaftliche Gesamtsicht gilt es immer wieder aufmerksam zu machen.


medianet: Von Ludwig Scharinger hieß es, er sei mächtiger als der Landeshauptmann gewesen. Wäre das eine Perspektive?
Schaller: Die Raiffeisenlandesbank und die oberösterreichischen Raiffeisenbanken kümmern sich um ihre Kunden, das wollen wir auch künftig sehr intensiv tun. Das ist unsere Perspektive.

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