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Börsechef: Politik muss den KMU-Markt öffnen! © Wiener Börse
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Andre Exner 16.06.2017

Börsechef: Politik muss den KMU-Markt öffnen!

Christoph Boschan: Passendes Segment eigens für KMU an der Börse könnte viele positive Effekte bringen.

••• Von Andre Exner

WIEN. Am Wiener Börseparkett knallten heuer schon im April die Sektkorken: Die Wiener Börse verzeichnete im Frühjahr nach einer längeren Pause wieder einen Neuzugang – der Börsengang von Cleen Energy war ein voller Erfolg.

Das auf nachhaltige Energieeffizienzmaßnahmen spezialisierte mittelständische Unternehmen aus dem Burgenland würde mit ‚bloß' rund 30 Mio. € Börsenwert in anderen Ländern vielleicht nicht als typisches „Futter für die Bullen” gelten. In Österreich ist der Kapitalmarkt jedoch lange nicht eine Spielwiese der Milliardenkonzerne und riesigen Fonds, sondern auch für den Mittelstand spannend.
Das beweisen nicht nur die ­Erfolgsstories aus der Vergangenheit, sondern auch aktuelle Themen wie eben der Börsengang von Cleen Energy. „Um auch in Zukunft wachsen zu können und für eine Kapitalaufnahme vorbereitet zu sein, haben wir den Weg an die Heimatbörse beschritten. Die Wiener Börse hat uns in dieser Zeit als sehr serviceorientierter Partner begleitet”, sagt Cleen-Vorstand Lukas Scherzenlehner.

KMU-Segment wäre sinnvoll

Die Wirtschaft Österreichs ist kleinteilig: „Österreich ist ein Land der Klein- und Mittelbetriebe”, sagt Christoph Boschan, CEO der Wiener Börse AG. ­„Regional verankert, haben sie eine enge Beziehung zu ihren Mitarbeitern und leisten einen erheblichen Beitrag zum Erfolg der österreichischen Wirtschaft. Ihr potenzielles Wachstum können die Unternehmen aber nicht voll ausschöpfen, weil sie sich mehrheitlich über Fremdkapital, das heißt Kredite, finanzieren.” Ein passendes Segment eigens für KMU an der Börse könnte viele positive Effekte bringen, meint der Wiener Börse-Chef.

Hier ist die Politik gefordert: „Die Entscheidung über die Einführung eines solchen Segments liegt nicht in den Händen des Managements der Wiener Börse, sondern beim Gesetzgeber”, sagt Boschan. „Er muss den Dritten Markt, das KMU-Segment der Wiener Börse, wieder öffnen und weitere neue Anreize setzen.”

Anreize für den Kapitalmarkt

In diese Kategorie von Anreizen, die den Staatshaushalt nicht belasten, sondern durch ihre Wertschöpfungseffekte sogar auffüllen würden, fällt zum Beispiel ein Absetzbetrag für den Börsengang von KMU und eine finanzielle Unterstützung bei den laufenden Kosten – hauptsächlich für den Vollzug regulatorischer Vorschriften. „Diese Maßnahmen könnten schnelle positive wirtschaftliche Effekte erzielen – nicht nur für die Unternehmen, sondern für Österreich”, ist Boschan überzeugt.

Job-Turbo Wiener Börse

Denn die Wertschöpfungskraft der Wiener Börse ist enorm: Ein Euro, investiert in börsenotierte Unternehmen, bringt 2,3 € für die heimische Wirtschaft.

Mehr als 400.000 Arbeitsplätze hängen an einem börsenotierten Konzern, also in etwa jeder elfte Job in Österreich. „Der Kapitalmarkt stärkt unseren Standort und unsere Innovationsfähigkeit. Wir arbeiten aktiv und intensiv daran, dieses Bewusstsein zu schaffen und zu schärfen. Das wird einen ­frischen Wind für ganz Österreich bringen”, resümiert der Chef der Wiener Börse.

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