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Börsianer: Wenn die Herde in die Irre läuft © AFP
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Andre Exner 10.02.2017

Börsianer: Wenn die Herde in die Irre läuft

Der richtige Weg ist nicht immer der, den alle gehen – das zeigt sich besonders bei Aktien, so eine Studie.

••• Von Andre Exner

WIEN. Spätestens wenn einem schon die Taxler von einem Investment in Aktien vorschwärmen, sollte man auf den „Verkauf”-Knopf drücken – der Crash kann nicht mehr weit sein. So lautet ein bekannter Ratschlag der Investmentlegende Warren Buffett. Sprich: Der Herdentrieb ist beim Investment der falsche Weg; den Markt kann man nur schlagen, wenn man sich von ihm absetzt. „Doch viele Fonds zeigen – wenn überhaupt – nur wenig von jener Kreativität und Überzeugungskraft, die eine derartige Strategie erfordert”, sagt Stephen Anness, Fondsmanager Global Equities beim US-Fondsriesen Invesco, der mit seinem Kollegen Andy Hall eine neue Studie zum Thema Contrarian Investing erstellt hat. Anness sagt: Viele aktiv gemanagte Produkte seien in Wirklichkeit „heimliche Indexfonds” – sprich Produkte, die nur an ihrer Benchmark kleben.

In ihrer Studie skizzieren die Invesco-Experten einen disziplinierten und bewertungsorientierten Ansatz zur Identifizierung unterbewerteter Unternehmen aus dem gesamten Aktienuniversum. Eine Contrarian-Strategie investiert bewusst gegen den Konsens und setzt auf langfristige Anlagechancen, von denen das Management überzeugt ist. Richtig umgesetzt, bietet diese Strategie Anlegern mehrere Vorteile – eine bessere Performance, eine geringere Volatilität, weniger Überreaktionen auf Marktentwicklungen und eine stärkere Fokussierung auf nachhaltig attraktive Unternehmen.

Mehr als nur Nein sagen

Echten Contrarianism definieren die zwei Fondsmanager nicht als simple Ablehnung der Marktmeinung, sondern als Bereitschaft, den Konsens zu hinterfragen, die ihm zugrundeliegenden Fehlannahmen zu erkennen und zu zeigen, dass es einen besseren Weg gibt. „Es geht nicht darum, den Konsens per se abzulehnen. Gerade im Investmentkontext ist das sehr wichtig, weil konträre Strategien nur dann erfolgreich sind, wenn ihre Annahmen irgendwann mit der Marktstimmung übereinstimmen”, sagt Hall. „Zum Glück für aktive Stock-Picker sind die Märkte nicht immer effizient und Menschen nicht immer rational. Deshalb werden Aktien falsch gepreist. Genau hier kommen die Stärken konträrer Anlagestrategien zum Tragen.”

Aled Smith beispielsweise, der beim britischen Fondsriesen M&G den Global Leaders Fund betreut, ist jemand mit einer bewusst konträren Strategie: „Wir versuchen immer, den wahren inneren Wert einer Aktie zu ermitteln”, sagt er. Dieser wird mit einem Punkt auf dem Chart markiert. Notiert die Aktie aktuell über diesem Punkt, ist sie für Smith nicht interessant, liegt der Kurs unter dem Punkt, schlägt er zu – und verkauft, wenn der Marktpreis den Punkt erreicht, sprich der von M&G ermittelte innere Wert erreicht ist.
Derzeit gehören mit Microsoft und Amazon zwei Unternehmen zu den größten Positionen Smiths, die von Analysten praktisch Woche für Woche gescholten werden. Das zeigt: Bei einer solchen Strategie müssen auch die Fondsanleger mitmachen. Es zahlt sich aber aus: Der M&G Global Leaders Fund brachte in den vergangenen fünf Jahren mehr als 70% Rendite.

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