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Die BKS bleibt weiter voll auf Expansionskurs © Gernot Gleiss
© Gernot Gleiss

04.12.2015

Die BKS bleibt weiter voll auf Expansionskurs

BKS-Chefin Herta Stockbauer will auch mit Filialen wachsen. Wichtigstes Erweiterungsgebiet ist Slowenien.

••• Von Thomas Müller

KLAGENFURT. Herta Stockbauer ist eine der ganz wenigen Frauen an der Spitze einer Bank in Österreich. Zehn Jahre lang hat sie an der Seite ihres Vorgängers Heimo Penker im Vorstand die Geschicke der BKS Bank gelenkt, die vom Heimatmarkt Kärnten aus nach Osten strebt.
Seit Penkers Abgang vor eineinhalb Jahren hat sie am Kurs der Bank nicht viel verändert, außer den Vertrieb völlig neu aufgestellt. Wir haben die Bank-Chefin gefragt, wie es weitergehen soll und was sie von Frauenquoten hält.
medianet: Heimische Banken auf internationalem Expansionskurs lassen beim normalen Steuerzahler mittlerweile die Alarmglocken läuten. Könnte eine Bank theoretisch eine mit der Hypo Alpe Adria vergleichbare Pleite produzieren? Oder würden ihr die Regulatoren heute schneller das Handwerk legen?
Herta Stockbauer: Die aufsichtsrechtlichen Anforderungen wurden in den letzten Jahren deutlich verschärft. Ich denke, dass zudem das Risikobewusstsein bei allen Entscheidungsträgern gestiegen ist, und die Bankkunden sind vorsichtiger geworden. Hohe Renditen bringen hohe Risiken. Eine umfangreiche Aufsicht, mündigere Bankkunden und mehr Verantwortungsbewusstsein machen Banken zukunftssicherer. Außerdem liegen Sanierungs- und Abwicklungspläne vor. Daher gehe ich davon aus, dass heute eine ähnliche Großmannssucht früher gestoppt würde.

medianet: Die Zukunft der Bank-Austria-Filialen bleibt zwar weiter ungewiss, aber sicher ist, dass deren Privatkundengeschäft einen Verlust einfährt. Die BKS wiederum eröffnet reihenweise neue ­Filialen, zuletzt im Oktober in Wien. Woher kommt die Zuversicht?
Stockbauer: Die ersten drei Quartale 2015 haben wir mit einem Periodenüberschuss von 44 Mio. Euro abgeschlossen, das ist über ein Drittel mehr als im Vorjahr. Die Kunden wollen auch weiterhin eine Bank zum Anfassen und ein Gesicht, das sie kennen. Gleichzeitig entwickelt sich die digitale Welt in rasantem Tempo weiter. Wir setzen auf beides. Der gelungene Mix ist unser Kundenversprechen der ­Zukunft.

medianet: Werden sich die bestehenden Filialen im nicht gerade prosperierenden Heimatmarkt Kärnten mittelfristig halten können?
Stockbauer: Davon gehen wir aus. Wir planen allerdings keine neuen Filialen. Wir sind aber flexibel genug, um unsere Filialstrukturen den Marktgegebenheiten anzupassen.
medianet: Haben Sie schon neue Expansionsgebiete ins Auge gefasst?
Stockbauer: Unsere wichtigsten Expansionsgebiete sind Slowenien, wo wir im kommenden Jahr voraussichtlich zwei neue Filialen eröffnen werden, der Wiener Raum und die Steiermark. In unseren anderen Märkten planen wir derzeit keine neuen Stellen, sondern ­fokussieren uns auf die Ausweitung des Kundenstamms und des Produktspektrums.

medianet: Welche Art Produkte sind da in Planung? Sparbücher werden es wahrscheinlich nicht sein ...
Stockbauer: Die Ausweitung des Produktspektrums bezieht sich vor allem auf die Slowakei, unseren jüngsten internationalen Markt. Wenn wir in einen neuen internationalen Markt eintreten, starten wir immer mit einer sehr eingeschränkten Produktpalette. Daher bieten wir beispielsweise in der Slowakei noch kein Schaltergeschäft an. In Österreich arbeiten wir derzeit an einem neuen Öko- bzw. Social Bond. Bei diesem werden wir mit dem investierten ­Kapital der Anleger ökologische oder soziale regionale Projekte finanzieren. Damit weiß der Anleger, dass sein Geld sinnvoll und nachhaltig in der Region zum Einsatz kommt.

medianet: Das Jahr 2015 war für die BKS Bank das erste, bei dem Sie von Anfang an die Führung inne­hatten. Was hat sich nach dem Abgang von Heimo Penker geändert?
Stockbauer: Dass es jetzt zwei weibliche Vorstandsvorsitzende unter den CEOs der an der Wiener Börse notierten Unternehmen gibt. Heimo Penker und ich waren rund zehn Jahre gemeinsam im Vorstand. Nun arbeite ich mit Dieter Kraßnitzer und Wolfgang Mandl im Team. Zu den wesentlichen Erfolgsfaktoren unseres Hauses zählen Verlässlichkeit, Solidität und Verantwortungsbewusstsein. Das hat sich nicht geändert. Durch das raue Umfeld hat sich aber die Schlagzahl deutlich erhöht. Auch einige Veränderungen in der Führungsmannschaft haben stattgefunden, und der Vertrieb wurde völlig neu aufgestellt.
medianet: In Österreich, aber auch in Ungarn, wo die BKS am Markt ist, haben die Banken Zores wegen der Schweizer-Franken-Kredite gehabt. Welche Zwischenbilanz können Sie für die BKS Ende 2015 ziehen?
Stockbauer: In Ungarn oder Kroatien haben wir keine Schweizer-Franken-Kredite vergeben. Die doch sehr kurzfristige Entscheidung der Schweizer Notenbank bei der Aufhebung der Kursbindung zwischen Euro und Franken hat uns anfangs doch etwas Kopfzerbrechen bereitet. Mit vielen der betroffenen Kunden konnten wir aber individuelle Regelungen treffen. Zugute gekommen ist uns, dass wir in den vergangenen Jahren das Volumen der Schweizer-Franken-Kredite stetig senken konnten. Auch heuer haben wir den Schweizer-Franken-Kreditnehmern interessante Angebote zur Umschuldung in den Euro gemacht. Erfreulicherweise wurden die Angebote auch gut genutzt. Mit Jahresende 2015 wird unser Bestand an Schweizer-Franken-Krediten wieder deutlich kleiner sein.

medianet:
Die BKS Bank hat kürzlich das ‚Prime-Siegel' von oekom Research für ihre Aktivitäten im Bereich CSR und Nachhaltigkeit erhalten. Sehen Sie Potenzial für ethisches Retail Banking in Österreich? Derzeit gibt es keinen Anbieter, und die GLS Bank aus Deutschland hat sich dann doch nicht über die Grenze getraut.
Stockbauer: Ein Interesse an ethischen Produkten ist eindeutig da. Das zeigt das steigende Volumen, das international in Nachhaltigkeitsfonds investiert wird. Allerdings steht das Retail Banking nicht nur in Österreich unter enormen Druck. Auch für die kommenden Jahre werden weiterhin sinkende Erträge prophezeit, während die Kosten für die Filial- und IT-Infrastruktur sowie die Aufwendungen zur Erfüllung aller Regulatorien stetig steigen. Auch die Bankensteuer und die zunehmende Abgabenlast machen einen Markteintritt eher unattraktiv.

medianet: Zuletzt ein politisches Dauerthema: Sie haben sich wie Familienministerin Sophie Karmasin für eine freiwillige Frauenquote in Spitzenpositionen ausgesprochen, flexibel je nach Branche. Was tun, wenn die Unternehmen nicht ambitioniert genug sind und nichts weitergeht? Dann lieber doch eine Quote, wie in Norwegen?
Stockbauer: Österreich hat bei der Anzahl an Frauen in Spitzenpositionen noch immer Aufholbedarf, das zeigen viele Studien. Mit der Softquote im Bereich der Kreditwirtschaft und der Quote für öffentliche Unternehmen hat sich einiges geändert. Die Quote wirkt also durchaus. Und ohne einigermaßen verbindliche Regelungen wird sich in Zukunft daher nicht viel bewegen.

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