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Dringend gesucht: private Geldgeber für Start-ups © Ludwig Schedl

Studienautor Thomas Schmalzer: „Innovative Start-ups beleben den Wirtschaftsstandort und schaffen Arbeitsplätze.”

© Ludwig Schedl

Studienautor Thomas Schmalzer: „Innovative Start-ups beleben den Wirtschaftsstandort und schaffen Arbeitsplätze.”

kurt sattlegger 03.07.2015

Dringend gesucht: private Geldgeber für Start-ups

GEM Report Die Start-up-Szene macht im internationalen Vergleich Fortschritte: Noch immer sind die Hürden hoch

Österreich auf Platz 13 von 29 Ländern bei Gründungen, 8,7% der Bevölkerung in Start-ups tätig.

Wien. Die heimische Start-up-Landschaft hat Fortschritte gemacht – aber es bleibt noch sehr viel zu tun, um Österreich tatsächlich zu einem attraktiven Land für Gründer zu machen. So kann man die Ergebnisse der Studie Global Entrepreneurship Monitor 2014 (GEM) zusammenfassen. Es fehlt vor allem auch an privatem Risikokapital.

Fortschritte seit 2007

73 Länder werden mit diesem „Bericht zur Lage des Unternehmertums” regelmäßig untersucht, 2014 eben auch Österreich.
Bei Gründungsaktivitäten liegt Österreich auf Platz 13 unter den 29 innovationsbasierten Ländern. 8,7% der Bevölkerung sind in Vorgründungen oder operierenden Start-ups tätig. Das ist im internationalen Vergleich noch nicht sehr viel, für Österreich aber ein Erfolg, weil man gegenüber 2012 stabil blieb und 2007 noch den letzten Platz belegt hat.
Bei der Präsentation des GEM-Reports zeigte sich Innovationsminister Alois Stöger zufrieden und zuversichtlich: Ziel der Regierung ist es ja, Österreich zum Gründerland Nummer 1 zu machen.

Finanzieller Anschluss nötig

Dass der Weg dahin durchaus steinig ist, zeigen Erfahrungen von Gründern ebenso wie die Studienergebnisse: Gründer werden hierzulande besonders behindert durch hohe Steuern und überbordende Bürokratie; was aber vielleicht noch wichtiger ist, meinte ein anwesender Gründer, sei die fehlende private Finanzierung.
Klappt die Förderung durch staatliche Einrichtungen wie aws und FFG ganz gut, fehlt nach dieser Startphase oft der finanzielle Anschluss. Gründer finden in dieser vielversprechenden, aber sensiblen Phase, in der ihr Produkt am Markt Fuß fassen soll, nur sehr schwer private Kapitalgeber. Viele würden daher rasch etwa nach Berlin, den USA oder Asien abwandern. „Hierzulande siebenstellige Summen aufzutreiben, ist fast unmöglich”, meinte ein Gründer.

„Zu wenig cool”

Dazu kommt, dass heimische Start-ups sich in vielen Fällen sehr rasch internationalisieren müssen, einfach weil der Markt sehr klein ist. Das braucht Kapital und Know-how. Ein anderer Hemmschuh der heimischen Start-up-Szene sehen Experten im „soziokulturellen Umfeld” – will heißen Unternehmersein und -werden ist hierzulande zu wenig cool, die Angst vor dem Scheitern dafür um so weiter verbreitet; insbesondere kritisiert wird in diesem Zusammenhang das Schulsystem.

Frühe Förderung klappt

Wie kann man also die Bereitschaft für privates Risikokapital steigern? Steuerliche Anreize wurden gefordert.
270 Mio. € gibt Österreich jährlich für Start-ups aus, meinte Stöger. Die beiden Förderinstitutionen aws und FFG schnitten im GEM-Report sehr gut ab: Sie liegen unter allen untersuchten Ländern an der Spitze. Da scheint auch einiges zu fruchten: Bereits 87% der heimischen Jungunternehmer sind im FTI-Bereich tätig (Forschung, Technoloige, Innovation). „Und gut ein Drittel ist erfolgreicher Nischenplayer mit neuen Produkten oder Dienstleistungen auf Märkten mit wenig oder gar keiner Konkurrenz”, erläutert Studienautor Thomas Schmalzer das Potenzial.
Aber die österreichspezifische Mischung aus Bürokratie, hohen Steuern, strikten Regulierungen und einer generellen Skepsis gegenüber Unternehmertum könnte das wichtige Pflänzchen nach wie vor zu sehr bedrohen.

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