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Ein Ausblick auf das Börsen- und Finanzjahr © AFP/Daniel Roland
© AFP/Daniel Roland

Reinhard Krémer 07.12.2017

Ein Ausblick auf das Börsen- und Finanzjahr

Die Experten sind sich einig – auch 2018 wird ein gutes ­Anlegerjahr. Die Wirtschaft brummt, die Zahlen passen.

••• Von Reinhard Krémer

Das Jahresende nähert sich in Riesenschritten, und so stellen sich viele Investoren die bange Frage: Wird es auch im Neuen Jahr was zu verdienen geben? Der Rückblick auf 2017 legt 2018 allerhand vor, denn: „Es lief wesentlich besser als erwartet. Die Weltwirtschaft expandierte seit der Finanzkrise im Jahr 2008 niemals schneller und vor allem geschlossener als im Jahr 2017. Dazu kommt, dass die Inflation nach unten überraschte und zum wiederholten Male hinter den Erwartungen der Zentralbanken bzw. Analysten zurückblieb”, sagt Heinz Bednar, Geschäftsführer der Erste Asset Management (Erste AM).

Signale auf „grün”

Und auch für 2018 stehen die Signale auf „grün”: „Wir gehen davon aus, dass die Wirtschaft 2018 weiterhin kräftig und breit wachsen wird. In den USA könnten Steuererleichterungen die ohnehin gut laufende Wirtschaft noch zusätzlich ankurbeln, und in Europa ist der Aufschwung inzwischen so breit angelegt, dass auch die schwächeren Länder in der Peripherie davon profitieren. Auch in den Emerging Markets scheinen die Sorgenkinder der vergangenen Jahre wie Brasilien und Russland ihre Rezession überwunden zu haben und wieder neu durchzustarten. Eine Phase der starken Konjunktur spricht dafür, weiterhin risikobehaftete Anlageklassen im Portfolio zu halten”, ist Erste AM Anlagechef Gerold Permoser überzeugt.

Wenig Gefahr aus den USA

Die US-Wirtschaft befindet sich in einer der längsten Expansionsphasen ihrer Geschichte (US-Daten reichen zurück bis in die 1850er-Jahre; Anm.) und ist Europa deutlich voraus, was laut Permoser zur Vorsicht mahnt: „Lange Phasen der Expansion führen üblicherweise dazu, dass sich in der Wirtschaft und/oder im Finanzsystem Ungleichgewichte aufbauen.”

Solche sind zum Beispiel 2008 am US-Immobilienmarkt aufgetreten oder auch schon im Jahr 2000 beim Platzen der „Dot-Com-Blase”. Derzeit scheint aber wenig darauf hinzuweisen, dass solche massiven Ungleichgewichte in der US-Wirtschaft bestehen, so Permoser. Weitere Erste AM-These: Eine Anleihen-Korrektur nicht in Sicht, aber tendenziell leicht steigende Renditen. Vor diesem Hintergrund sind Aktienfonds sowie offensive Misch- und Anleihenfonds im Fokus.
„Wir starten optimistisch in das Jahr 2018 und sehen unverändert gute Chancen für unsere Anleger”, beschreibt CEO Heinz Bednar die Grundstimmung.

Risiken im Auge behalten

Man dürfe Risiken, wie ein unerwartet starkes Anspringen der Inflation, nicht außer Acht lassen. Auch der Einfluss mancher politischer Entwicklungen auf die Märkte dürfe nicht unterschätzt werden. Beispielsweise könnte eine Eskalation rund um die Raketenabschüsse Nordkoreas die Märkte irritieren, so Bednar.

Die Experten des renommierten Bad Homburger Rating- und Analyse-Hauses Feri Trust sen den auch eine warnende Botschaft, denn viele Investoren könnten auf ihren Deflations-Trades ‚eingeschlafen' sein. Sie sehen „gefährliche” Konsens-Trades im zurückliegenden deflationären Umfeld.

Investoren: Nicht schlafen!

Das sind zum Beispiel Technologie und Health Care als bevorzugte Branchen, Schwellenländer-Konsumaktien, Stable-Growth- und Qualitätsaktien, idealerweise mit hoher Dividendenrendite, oder Unternehmensanleihen und High Yields.

Einzelne Sektoren, so die Feri-Analysten, sind besonders günstig. Das sind zum Beispiel Energieaktien, die über lange Strecken eine relative Schwäche gegenüber dem Weltaktienmarkt zeigten: „Entsprechend niedrig ist inzwischen die Bewertung”, meint man bei Feri Trust. „Der gegenwärtige Ölpreis als auch das gegenwärtige Bewertungsniveau der Aktienmärkte rechtfertigen eine höhere Bewertung der Energieaktien, vor allem wenn die These stimmt, dass der Ölpreis sich 2018 über 50 US-Dollar pro Barrel stabilisieren wird.”

Banken bieten Chancen

Auch Aktien von Banken bieten Ertragschancen: Die relative Performance von Bankaktien korrelierte auffällig hoch mit den Zinsänderungserwartungen (12m fed-fund-rate; Anm.), heißt es bei Feri: „Wenn das Risiko für 2018 in höheren Zinsen besteht, dann sind Bankaktien eine interessante Investition.”

Vorteil Europa

Und schließlich ist auch Dylan Ball, Portfoliomanager bei Templeton Global Equity, optimistisch für Europa: „Aus unserer Analyse geht hervor, dass die Kurs-Gewinn-Verhältnisse in Europa darauf hindeuten, dass der Markt zwar ein besseres Wirtschafts- und Gewinnwachstum einpreist, jedoch noch nicht von Euphorie getragen wird. Darüber hinaus ist der aktuelle Haussemarkt in Europa breiter gestreut als in anderen Regionen, was wir als gutes Zeichen für die Nachhaltigkeit des Marktpotenzials deuten.”

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