FINANCENET
Ein turbulentes Jahr © Raiffeisen Bank IInternational/Keinrath

Neue StrukturDie Verschmelzung der Raiffeisen-Spitzeninstitute Raiffeisen Bank International und Raiffeisen Zentralbank markiert den Beginn einer neuen Ära in der österreichischen Bankenlandschaft.

© Raiffeisen Bank IInternational/Keinrath

Neue StrukturDie Verschmelzung der Raiffeisen-Spitzeninstitute Raiffeisen Bank International und Raiffeisen Zentralbank markiert den Beginn einer neuen Ära in der österreichischen Bankenlandschaft.

Andre Exner 07.04.2017

Ein turbulentes Jahr

In der österreichischen Finanzlandschaft blieb 2016 kein Stein auf dem anderen. Die Umwälzungen bilden die Grundlage für künftige Entwicklungen.­

••• Von Andre Exner

WIEN. Turbulent: Mit diesem Wort lassen sich die zwölf ­Monate zwischen der aktuellen und der jüngsten medianet-rankingweek-Ausgabe in der österreichischen Finanzlandschaft zusammenfassen. Es gab Rückzüge (Generali Bank), Rekord­ergebnisse (Erste Bank), Fusionen (Sparda Bank und Volksbank Wien) sowie eine wahre Zeitenwende. Denn die Fusion von Raiffeisen Bank International und Raiffeisen Zentralbank markiert den Beginn einer neuen Zeitrechnung.

Der Verschmelzung ging ein wahrer Abverkauf zuvor, der neben 100%-Töchtern wie Raiffeisen Informatik oder Raiffeisen evolution auch Beteiligungen wie Uniqa betraf – mit weiteren Auswirkungen auf andere, etwa auf Casinos Austria oder den Baukonzern Strabag.

Viele neue Vorstandschefs

Die Ernennung von Johann Strobl zum neuen CEO der fusionierten Raiffeisen-Gruppe war im Bankensektor die wichtigste Personalmeldung – aber nicht die einzige. So geht bald Byron Haynes von Bawag/PSK, Ex-Bank-Austria-Chef Willibald Cernko wechselte bereits zur Erste Bank, und sein früherer Vize Helmut Bernkopf wurde Kontrollbank-Chef. Das Comeback von zwei „Urgesteinen” der Wiener Bankenszene war bei der Sberbank zu beobachten; dort sitzen seit Neuestem Ex-Bank-Austria-Boss Gerhard Randa und Ex-Wiener-Börse-Vorstand Stefan Zapotocky am Ruder.

Frauenpower in Assekuranzen

Nicht weniger spannend war das Jahr bei Versicherungen: Während die Branche 2016 mit einem leichten Prämienrückgang von 2,1% auf 17 Mrd. € stabil abschloss, gab es im Hintergrund viele Umwälzungen. Vero wurde von Aon Holdings geschluckt, die frühere Skandia wurde unter neuem Eigentümer als ForwardYou wiedergeboren. ÖVP-Finanzsprecher Andreas Zakostelsky wechselte von ­Valida zu VBV in die Chefetage, Andrea Stürmer wurde CEO von Zürich. Damit ist die Versicherungsbranche Vorreiterin bei der Gleichstellung in Österreich – bei Marktführerin VIG wurde bereits mit Anfang 2016 Elisabeth Stadler als CEO neu bestellt.

Auch andere börsenotierte Konzerne wie UBM, RHI und Semperit bekamen neue CEOs. Als Fels in der Brandung diente interessanterweise der Aktienmarkt selbst: Der Leitindex ATX legte 2016 eine zweistellige Performance aufs Parkett und eilt auch heuer von einem Hoch zum nächsten.

Keine Börsengänge in Wien

Ob die Turbulenzen aus dem Inland kamen oder aus dem Ausland: Selbst Brexit und Machtwechsel in den USA brachten bei der Rallye höchstens kleine Verschnaufpausen. Allzeit-Hochs gab es bei Börsenaufträgen sowie im Handelssegment Unternehmensanleihen.

„Die Wiener Börse ist heute klarer Marktführer im Handel mit heimischen Aktien”, sagt Christoph Boschan, der die Wiener Börse seit dem Mai 2016 als neuer CEO leitet. Das stimmt, die Handelsstatistiken sind überzeugend – der Wermutstropfen: der Mangel an Börsengängen. Statt neuem Futter für die Bullen gab es zuletzt Rückzüge, siehe Austria Email und Schlumberger. Und dabei bleibt es: Der milliardenschwere Novomatic-Börsegang kommt heuer wenn, dann gleich in London.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL

Ihr Kommentar zum Thema