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Europas Wirtschaft liegt gut im Wind © PantherMedia/iLexx
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reinhard krémer 14.07.2017

Europas Wirtschaft liegt gut im Wind

Die europäischen Ökonomien zeigen wieder Stärke, nur in wenigen Ländern herrscht noch Flaute.

••• Von Reinhard Krémer

WIEN. Die Finanzkrise ist Geschichte, die Wirtschaft in Europa zeigt Muskeln: Die Eurozone entwickelt sich positiv, berichtet der Kreditversicherer Coface.

Dazu tragen sehr günstige Finanzierungskonditionen, die Unterstützung für Wachstumsinvestitionen und die wieder erwachte Zuversicht in den Unternehmen bei. In fast allen Ländern sind die Insolvenzzahlen niedrig.
Ausnahmen sind Großbritannien und Belgien; dort dürften die Insolvenzen 2017 nach Coface-Berechnungen um neun bzw. fünf Prozent steigen.

¡Qué viva España!

Positives gibt es auch von der Iberischen Halbinsel zu berichten: In Spanien entwickeln sich nach Einschätzung der Coface-Analysten Wachstum und Außenhandel dynamisch. Ersteres legt 2017 mit voraussichtlich 2,7% schneller zu als erwartet.

Getragen wird der Aufschwung von starken Exporten. Die verbesserte Arbeitsmarkt­lage dürfte aber auch den privaten Konsum weiter ankurbeln, so Coface.
Rund läuft es auch an der ­Atlantikküste: Portugal ist aus dem Defizitverfahren der Europäischen Kommission genommen worden. Auch wenn die Verschuldung noch eine große Bürde ist, markiert dies einen Wendepunkt für das Land, ist man bei Coface überzeugt. Bei einem weiterhin starken Exportbeitrag dürfte die portugiesische Wirtschaft nach 1,4% 2016 in diesem Jahr um zwei Prozent und 2018 um 1,7% zulegen.

Russischer Bär brummt laut

Eine leichte Erholung sieht ­Coface in Russland und hat die Länderbewertung von C in B heraufgesetzt: Die Investitionen stiegen im ersten Quartal 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,3%; die Industrieproduktion legte im April gegenüber dem Vorjahr ebenfalls um 2,3% zu, und die Einzelhandelsumsätze gingen nicht weiter zurück.

Ursächlich ist laut Coface u.a. die kontrollierte Inflation, die bei rund vier Prozent liegt. Auch der Absatz von Autos zieht an (2017 bis jetzt um elf Prozent).
Die Unternehmen machten im ersten Quartal 2017 gut fünf Prozent mehr Gewinn als im ersten Vierteljahr 2016. Besser lief es hier vor allem im Bergbau, bei der Energiegasproduktion und in der Immobilienwirtschaft. Im verarbeitenden Gewerbe gingen die Netto-Erträge zurück.

Trumpland: Mixed Feelings

Indifferent ist die Entwicklung über dem „Großen Teich”: Negative Anzeichen aus der US-Wirtschaft (Coface-Länderbewertung USA: A2, niedriges Risiko) mahnen zusammen mit unklaren Signalen beim Anschub-Finanzpaket zur Vorsicht. „Trotz eines BIP-Wachstums im ersten Quartal von 0,7 auf 1,2% und der niedrigsten Arbeitslosenquote seit 16 Jahren lahmt der private Konsum in den USA weiter. Auch die Kreditvergaben dürften sich nach einer zu erwartenden Zinserhöhung verlangsamen.

Mehr Risiko in Afrika

Der Nahe und Mittlere Osten und Afrika sind die Regionen, in denen sich die Bewertungen seit 2014/2015 am meisten verschlechtert haben; Hauptgründe sind die zunehmenden politischen Probleme und die gesunkenen Öl- und Gaspreise. In diesem Quartal Coface daher einige Länder herabgestuft: Das Wachstum und die finanzielle Situation für Katar (jetzt A4) könnte sich aufgrund der jüngsten politischen Maßnahmen einiger Golfländer verschlechtern. Weitere Coface-Bewertungen: Bahrain (jetzt C; Haushaltsdefizit und hohe Schulden: Namibia (B; schwach); Mauritius (A4, Geschäftsumfeld schwach).

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