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Exportrisiken als Hemmschuh © APA/dpa/Kay Nietfeld

Die deutsche Wirtschaft hat mit steigenden Exportrisiken zu kämpfen. Die Binnennachfrage steigt aber auch und puffert Ungemach ab.

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Die deutsche Wirtschaft hat mit steigenden Exportrisiken zu kämpfen. Die Binnennachfrage steigt aber auch und puffert Ungemach ab.

Helga Krémer 11.03.2016

Exportrisiken als Hemmschuh

Entwickelte Volkswirtschaften als Exportländer für die ­deutsche Wirtschaft bleiben stark. Alle anderen schwächeln.

WIEN/BERLIN. Das Angenehme für die deutsche Exportwirtschaft gleich vorweg: Die Experten von Coface erwarten eine ähnlich gute Entwicklung wie im Vorjahr, die Ausfuhren in die entwickelten Volkswirtschaften sollen aller ­Voraussicht nach stark und robust bleiben.

Jedoch, es dräut Ungemach: in Form von Exportrisiken. Eine aktuelle Coface-Studie über deren Anstieg für Deutschland zeigt, dass diese für dortige Unternehmen das Wachstum im ganzen Land hemmen. Die deutsche Wirtschaft habe starke Verbindungen zu den aufstrebenden Ländern und den Entwicklungsländern – und sei dadurch von den strukturellen und konjunkturellen Veränderungen dort betroffen, heißt es in der Studie. „Diese externen Einflüsse sind derzeit negativ. Denn das Wachstum in den Emerging Markets ist gebremst und deutlich schwächer als die Nachfrage aus den entwickelten Ländern”, erklärt ­Mario Jung, Regional Economist für Nordeuropa bei Coface.

Exporte nach China gesunken

So sei die Nachfrage nach deutschen Produkten vom globalen Risikomix aus politischen und militärischen Konflikten, Terroranschlägen und strukturellen Problemen in vielen aufstrebenden Ländern beeinträchtigt. Rund 29% der deutschen Exporte gehen in Emerging Markets, mehr als ein Fünftel davon nach China. Und dort ist das Wachstum gerade mau. „Die Wachstumsaussichten für viele Emerging Markets sind eher verhalten. Auch die Aussicht auf eine weitere graduelle Abschwächung der chinesischen Dynamik dürften sich negativ auf die deutsche Exportwirtschaft auswirken”, erwartet Coface-Experte Jung. „Die Exporte nach China sind im vergangen Jahr erstmals seit 1997 gesunken; die Bilanz für die Ausfuhren nach Russland und Brasilien fällt noch schlechter aus”, sagt Mario Jung.

Entwickelte Länder im Fokus

Nach der Coface-Studie seien die deutschen exportierenden Unternehmen derzeit, regional betrachtet, eher für die entwickelten Länder optimistisch gestimmt.

Die schwächsten Aussichten werden dagegen für Süd- und Mittelamerika, Osteuropa, Russland, die Türkei und China erwartet. Bei den Branchen seien einige besonders von Risiken in den Emerging Markets betroffen: Automobil, Maschinenbau sowie Elektrische Ausrüstungen und die sehr zyklische Chemiebranche, heißt es bei Coface.
Als Stabilitätspuffer für die deutsche Wirtschaft sehen die Coface-Experten zum einen die robuste Binnennachfrage – angetrieben von der guten Arbeitsmarktlage, steigenden Löhnen sowie der niedrigen Inflation – und zum anderen die höheren Exporte nach Großbritannien und in die USA. Aufgrund der robusten Inlandsnachfrage erwartet Coface im laufenden Jahr ein Wachstum der deutschen ­Wirtschaft um 1,7%.

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