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Hartes Brot für Anleiheninvestoren © APA/dpa/Frank Rumpenhorst
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Andre Exner 27.01.2017

Hartes Brot für Anleiheninvestoren

Die EZB hält die Zinsen beim Nullpunkt. Wenn sich das ändert, könnten Bonds gefährlich werden.

••• Von Andre Exner

WIEN. Früher war die Faust­regel einfach: Privatanleger sollten sich beim Anleihenanteil im Depot an ihrem Alter orientieren. Ein 30-Jähriger brauche 30% Anleihen und ein 70-Jähriger schon 70%, lautete die Devise – Anleihen galten als absolut risikolos und Aktien als ein Instrument für Spekulanten. Spätestens seit die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) begonnen hat, die Leitzinsen zu erhöhen, gilt diese Devise nicht mehr: „Die Zeiten, in denen mit Anleihen praktisch ohne Risiko fünf bis sechs Prozent Rendite jährlich erwirtschaftet wurden, sind seit 2016 endgültig vorbei”, sagt Alexander Eberan, Vorstand der Privatbank Krentschker.

Inzwischen liegt die Rendite­erwartung eines global gestreuten, gemischten Anleihenportfolios nur mehr bei rund 1,7 Prozent pro Jahr, und der Anleihenteil dient rein als Stabilisator in einem ausgewogenen Port­folio. Ab heuer ist es wohl auch mit der Stabilität vorbei: „Vor dem Hintergrund steigender Inflationserwartungen und damit anziehender Zinsen in den USA müssen mit Anleihen derzeit in erster Linie Kursverluste vermieden werden”, sagt Eberan. Dazu sollten Papiere mit Laufzeiten zwischen drei und fünf Jahren erworben werden. Hohe Kursgewinne bei bestehenden, lang laufenden Engagements sollten realisiert werden. Darüber hinaus empfiehlt die Grazer Privatbank Anleihen mit variabler Verzinsung.

Verwerfungen drohen

Noch größere Verwerfungen drohen, wenn Mario Draghi, Gouverneur der Europäischen Zentralbank (EZB), dem Beispiel der Fed folgt und ebenfalls die Leitzinsen nach oben schraubt. Rainer Singer, Senior Economist Eurozone und USA der Erste Bank, erwartet von der EZB nach der jüngsten Sitzung Mitte Jänner vorerst keine Richtungsänderung: „Diese bestätigt unsere Meinung, dass die EZB bis weit in die zweite Jahreshälfte 2017 an ihrem Kurs nicht rütteln wird und erst zum Ende des Jahres dem Markt signalisieren wird, wie es 2018 weitergeht.”

Wenn Draghi an den Zinsen schraubt, kommen auf Anleiheninvestoren jedoch schwere Zeiten zu, warnt Dieter Wermuth vom deutschen Family Office Wermuth Asset Management: „Infolge der zweieinhalbjährigen Abwertung des Euro und des Anstiegs der Weltmarktpreise für Rohstoffe steckt inzwischen eine Menge an Inflation in der Pipeline Eurolands. Auch die einigermaßen robuste Konjunktur trägt dazu bei, dass sich die Preise leichter erhöhen lassen. Last but not least galt in der Vergangenheit stets, dass die EZB über kurz oder lang der Fed folgt. Es wird diesmal nicht anders sein.”

Unternehmensanleihen top

In Summe raten die Experten, von Staats- zu Unternehmensanleihen zu wechseln. Bei Fremdwährungsanleihen sollte das Währungsrisiko grundsätzlich abgesichert werden; nach Absicherungskosten noch eine positive Mehrrendite gegenüber dem Euro zu erwirtschaften, ist allerdings schwierig. Bei Unternehmensanleihen sind daher generell Papiere europäischer Emittenten zu empfehlen.

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