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Hochmut statt Bargeld © APA/EPA/Kay Nietenfeld
© APA/EPA/Kay Nietenfeld

28.08.2015

Hochmut statt Bargeld

Betriebe erleiden oft einen Forderungsausfall, weil sie sich aus Hochmut zu wenig vorsehen, so eine Gallup-Studie. Bei Exportgeschäften wird es nun besonders spannend.

••• Von Gerald Stefan

WIEN. Zahlungsverzüge und Ausfälle bewegen sich seit Jahresanfang auf hohem Niveau, heißt es beim Kreditversicherer Acredia: Man ließ die Gründe durch das Gallup Institut erforschen. Gallup befragte 300 unversicherte Unternehmen, welche Maßnahmen sie zum Schutz gegen Forderungsausfälle kennen. „Kreditversicherung” war mit 81 Prozent eine der am häufigsten genannten Möglichkeiten, gefolgt von „Vorauskassa” mit 79 Prozent. Beides werde dennoch unzureichend genutzt, Kreditversicherung sogar nur zu 12 Prozent. Das sei laut Acredia auch der Grund, warum die Schäden für Unternehmen nicht zurückgehen. 86 Prozent der Befragten meinten: „Ich kenne unsere Kunden. Unsere Kunden zahlen immer.” 48 Prozent der Unversicherten sind der Meinung, sie können das Risiko selbst gut tragen. 44 Prozent meinen, eine Versicherung gegen Forderungsausfall und Zahlungsverzug sei zu teuer. „Zu kompliziert” antworten 34 Prozent, und 32 Prozent vermuten, die Versicherung übernehme zu wenig Risiko.

Gerade bei guten Kunden

Karolina Offterdinger, Markenvorstand der OeKB Versicherung, die zu Acredia gehört: „Unsere Erfahrung zeigt, dass Schadensfälle am häufigsten bei langjährigen Kunden unserer Versicherungsnehmer eintreten.” Oft hindere wohl einfache Missgunst Unternehmen daran, Risiken gegen Bezahlung einzutauschen – im Glauben, das Risiko des Zahlungsausfalles allein tragen zu können. Weiters könne Geiz Unternehmer daran hindern, den kalkulierbaren Kosten den Vorzug zu geben. Ein immer wiederkehrendes Thema sei der Wunsch nach günstigeren Prämien bei umfassender Risikoübernahme.

42 Prozent der Befragten sind übrigens derzeit der Ansicht, dass das Risiko von Forderungsausfällen für ihr Unternehmen zunimmt. Wer von einem gesteigerten Risiko ausgeht, macht dafür im Wesent­lichen (75%) die aktuelle Wirtschaftslage verantwortlich.

Der Blick über die Grenzen

Besonders spannend ist derzeit der Blick über die Grenzen: Die OeKB Versicherung veröffentlicht regelmäßig die wichtigsten Exportländer, in denen die Zahlungen an ihre Kunden am häufigsten ausbleiben. Russland steht an der Spitze der Länder mit den höchsten Zahlungsverzügen, gefolgt von Türkei und Indien.

In 75 Prozent der Fälle ist ein Verzug Vorläufer eines Schadensfalls und daher laut Kreditversicherer eine wichtige Kennzahl. Das restliche Viertel resultiert aus der Insolvenz von Abnehmern. „Wenn unsere Versicherungsnehmer steigende Verzüge melden, dann ist das für uns ein wichtiger Indikator für die zukünftige Entwicklung. Denn in diesen Ländern werden auch die Schäden steigen”, so Offterdinger. Aktuell rutschen Russland und Brasilien in die Rezession; Chinas Wachstum verlangsamt sich 2015 auf etwa 6,5 Prozent. Indien ist der einzige BRIC-Staat, dessen Wirtschaftswachstum mit 4,9 Prozent zuletzt an Dynamik gewonnen hat. Hoffnungsmärkte in Lateinamerika sind Mexiko, Ecuador und Peru.

Neuer Index für die „Nachbarn”

Den Aussichten in Südosteuropa widmet sich ein neuer Geschäftsklima-Index, der von der Prisma Kreditversicherung mit GfK Austria erhoben wird.

Derzeit zeige sich in Slowenien, Kroatien, Serbien und Bosnien Herzegowina ein ambivalentes Bild aus der Sicht der befragten 600 Unternehmen. „Serbien überrascht mit Optimismus und positiver Zukunftseinschätzung”, so Prisma-Vorstand Ludwig Mertes. In Kroatien und Slowenien herrscht dagegen schlechte Laune, vor allem bei den kleinen und mittelständischen Betrieben; besser sei die Lage dort bei den großen Konzernen.

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