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Jetzt kommt das Ende der Dürre © EY Österreich

Georg von Pföstl, Leiter Financial Services Advisory bei EY Österreich: „Der Kuchen wird kleiner, die Herausforderungen größer”.

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Georg von Pföstl, Leiter Financial Services Advisory bei EY Österreich: „Der Kuchen wird kleiner, die Herausforderungen größer”.

reinhard krémer 08.04.2016

Jetzt kommt das Ende der Dürre

Europaweit überwiegt bei Bankern die Zuversicht – jene in Österreich sind besonders optimistisch.

WIEN. In keinem anderen Land erwarten so viele Banker eine Konsolidierungswelle wie in Österreich: Für die kommenden zwölf Monate rechnen vier von fünf (80%) Befragten – und damit europaweit die meisten – mit einer „mittleren” oder sogar „erheblichen” Konsolidierung im heimischen Bankensektor. In Bezug auf die kommenden drei Jahre erwarten dies sogar fast alle Institute (90%).

Das ergab das aktuelle European Banking Barometer der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die 250 Banken in Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, den Niederlanden, Österreich, Polen, den skandinavischen Ländern, Schweiz und Spanien befragt wurden.
Angesichts der aktuell schwierigen Situation vieler Banken rechnen Bankmanager mit einer spürbaren Marktbereinigung: „Der Kuchen wird kleiner, die Herausforderungen werden größer. Viele Banken werden auf sich allein gestellt nicht in der Lage sein, sich dafür mit den notwendigen Investitionen, beispielsweise in die Digitalisierung, zu rüsten und gleichzeitig einen Sparkurs einzuschlagen”, beobachtet Georg von Pföstl, Leiter Financial Services Advisory bei EY Österreich.

Stimmungslage positiv

Dem schwierigen Marktumfeld und geplanten Einschnitten zum Trotz überwiegt der Optimismus bei Europas Bankmanagern: Immerhin 52% – und damit nur knapp weniger als vor einem Jahr (56%) – erwarten, dass sich ihr operatives Geschäft in den kommenden zwölf Monaten verbessern wird, weniger als jede vierte Bank (23%) erwartet eine Eintrübung.

In Österreich rechnen sogar sechs von zehn Banken mit besseren Geschäften in den kommenden zwölf Monaten (2015: 50%); nur Banker in Irland (76%), Großbritannien (68%) und Spanien (66%) sind noch zuversichtlicher. Europaweit gehen die Institute deshalb unterm Strich auch von steigenden Umsätzen (46%) und einer gleichzeitig sinkenden Kostenbasis (44%) aus. Österreichische Banken liegen im europäischen Trend und erwarten ebenfalls steigende Umsätze (55%) und gleichzeitig steigende Kosten (40%).
Entsprechend zuversichtlich zeigen sich die Institute in Bezug auf ihre Eigenkapitalrendite: Im Durchschnitt gehen 43% der europäischen Banken (Österreich: 30%) von einem Anstieg der Eigenkapitalrendite aus, nur 18% (Ö: 20%) rechnen mit einem Absinken. Besonders gut sind nach Ansicht der meisten Banken europaweit (63%) die Perspektiven für das gehobene Privatkundengeschäft; außerdem setzen sie stark auf das Firmenkundengeschäft (59%).
In Österreich liegt der Fokus ebenfalls auf dem gehobenen Privatkundengeschäft sowie Retail Banking, Wertpapierdienstleistungen und Transaktionsberatung.

Briten machen Bauchweh

Ein Austritt Großbritanniens aus der EU würde europaweit bei fast jeder vierten Bank (23%) nach eigener Einschätzung zu einer starken Beeinträchtigung der Geschäfts­tätigkeit führen; besonders betroffen von einem Brexit wären britische und irische Banken, bei denen sogar 53 bzw. 48% mit erheblichen Problemen rechnen.

Die österreichischen Institute ­sehen einen möglichen Austritt Großbritanniens vergleichsweise sehr gelassen: Hierzulande sehen vier von zehn Banken keinerlei negative Auswirkungen im Fall eines Brexit, kein Institut rechnet mit starken negativen Folgen für das eigene Geschäft. Und 40% rechnen mit „mittleren” Auswirkungen im Fall eines EU-Austritts von Großbritannien.

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