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Organisch ist gesund! © Wiener Privatbank
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22.01.2016

Organisch ist gesund!

Die Vorstände der Wiener Privatbank, Eduard Berger und Helmut Hardt, setzen weiter auf Wachstum – allerdings ohne neue Zukäufe.

••• Von Thomas Müller

WIEN. Die Wiener Privatbank ist eigentlich keine typische Wiener Privatbank. Es gibt sie gerade mal zehn Jahre lang und sie trägt auch keinen bekannten oder glamourösen Familiennamen. Ihre Spezialität sind Wohnimmobilien, in die bereits mit relativ wenig Kapital investiert werden kann, und eine exklusive Note in Form einer millionenschweren Mindestanlagesumme sucht man auf der Webseite vergeblich. Die Vorstände Eduard Berger und Helmut Hardt erklären im Interview, was sie nun mit der Valartis Bank vorhaben und warum die Vorsorgewohnungen immer noch eine gute Anlage-Idee sind.

medianet: Sind Sie beide Immobilienentwickler, die Banker geworden sind, oder umgekehrt?
Helmut Hardt: Ursprünglich komme ich aus der Bankenwelt und bin dann ins Immobiliengeschäft zu Günter Kerbler in die conwert-Gruppe gegangen. Vor zehn Jahren wurde die Bank gegründet, um banknahe Immobilienprodukte zu kreieren. Vor vier Jahren haben wir mit Eduard Berger als klassischen Banker unser Private Banking massiv gestärkt. Heute sind wir damit ein Spezialist für Sachwerte-Investments mit Kompetenz im Bereich Kapitalmarkt und Immobilien.

medianet:
Die Valartis Bank Aus­tria hat rund 560 Mio. Euro Bilanzsumme, die Wiener Privatbank selbst hat gerade mal 128 Millionen Euro. Übernehmen Sie sich da nicht ein bisschen?
Eduard Berger:
Wir wollen unsere Marktposition ausbauen und unser Privatbank-Geschäft auf breitere Beine stellen. Mit der Übernahme der Valartis Bank hatten wir die Möglichkeit, unser organisches Wachstum zu beschleunigen. Wir haben die Transaktion im Vorfeld natürlich genau geprüft und sehen große Potenziale, da wir uns sehr gut ergänzen. So hat Valartis zum Beispiel viele internationale Kunden, wir haben einen starken Österreich-Fokus; hier werden wir voneinander profitieren können. Unsere beiden Kern-Geschäftsfelder Kapitalmarkt und Immobilien werden etwa gleich groß sein.

medianet: Wird es Straffungen beim Mitarbeiterstand geben?
Berger: Alle Mitarbeiter werden übernommen, und wir werden das strategisch beste Team aufstellen. Aber natürlich müssen wir allein schon wegen des regulatorischen Drucks schauen, dass wir bei den Kosten gut aufgestellt sind.

medianet: Wie geht es jetzt weiter? Bleiben beide Banken bestehen?
Berger: Wichtig ist festzuhalten, dass es noch einige aufschiebende Bedingungen gibt, die noch erfüllt werden müssen. Dazu gehört unter anderem die Integration der IT-Systeme, wo wir zum Glück die gleichen Systeme verwenden. Wir arbeiten diese Liste mit Hochdruck ab und rechnen damit, dass wir Ende des ersten Quartals bzw. Anfang des zweiten Quartals so weit sein werden und damit das offizielle Closing umsetzen können. Ab dann werden wir nur noch unter der Marke Wiener Privatbank auftreten.

medianet: Was ist das langfristige Ziel?
Berger: Zusammen haben wir rund 2,3 Milliarden Assets under Management; das sehen wir als solide Basis für weiteres Wachstum, allerdings organisch. Mit der Valartis Bank, die geradezu eine globale Coverage hat, wollen wir das auch international schaffen. Wir haben diesen Schritt nicht gesetzt, um nur den Status quo zu verwalten, sondern um gemeinsam größer zu werden.

medianet: Können Sie schon konkrete Pläne verraten?
Berger: Oberste Priorität haben jetzt ein möglichst rasches Closing und eine gute Integration. Über die Zukunft werden wir dann berichten, wenn wir die Voraussetzungen dafür erledigt haben. Sie sieht aber sehr positiv aus, da uns allein das Cross-Selling helfen sollte, unser Geschäft im Fondsmanagement oder in der Immobiliensparte zu vergrößern.

medianet: Sollten Investoren bei Vorsorgewohnungen, insbesondere im Altbau, angesichts der Steuerreform und einer allfälligen Mietrechtsreform nicht vorsichtig sein?
Hardt:
Wir halten Wohnimmobilien-Investments im aktuellen Marktumfeld für ein diversifiziertes Portfolio unverändert für unverzichtbar. Sie sind eine der letzten Möglichkeiten, in denen ich ohne großen Preisschwankungen werterhaltend investieren kann. Es stimmt natürlich, dass durch die Steuerreform ein paar Verschlechterungen zu beklagen sind. Im Großen und Ganzen ist es aber eine Gleichstellung mit anderen Asset-Klassen. Beim Mietrecht sehe ich nicht wirklich Chancen auf eine Umsetzung. In der derzeitigen konjunkturellen Situation wird sich niemand trauen, den Wohnbau in irgendeiner Form zu beschränken. Stattdessen sollte sich die Politik lieber darum kümmern, wie sie Investitionen fördern könnte. Langfristig schätzen wir die Renditeausssichten also immer noch als sehr attraktiv ein.

Vor allem bei Altbauwohnungen sehen wir noch gute Chancen, denn dort haben Sie eine ganz anderes Preisgefüge. Dass heißt ich verkaufe dort Wohnungen um 2.500 bis 3.500 Euro pro Quadratmeter, etwa im 2., 7., 8., 9. Bezirk. Die großen Preissteigerungen der letzten fünf Jahre werden wir aber nicht mehr sehen.

medianet: Welche neuen Projekte werden 2016 kommen?
Hardt: Derzeit vertreiben wir gerade unsere Parkapartments im Quartier Belvedere. Das ist ein ganz besonderes Projekt, für das Sigma als Entwickler den Star-Architekten Renzo Piano gewinnen konnte. Kleinere Projekte befinden sich gerade in der Developmentphase. Bei den Stadthäuseranleihen werden wir heuer auch noch etwas machen.

medianet: Wien wächst, und die Wohnfläche pro Person ist ungleich höher als vor 40 Jahren. Werden sich diese Ansprüche aufrecht­erhalten lassen?
Hardt: Wenn die Stadt wächst, wird eben der Wohnraum teurer. Wenn Mieter oder Wohnungskäufer in einer guten Lage wohnen wollen, müssen sie dann eben mehr bezahlen oder sich mit einer etwas kleineren Wohnung anfreunden. Also keine 60 Quadratmeter mehr, sondern vielleicht 45. Die Ansprüche an die Grundausstattung sind allerdings gestiegen. Das relativiert wieder den gestiegenen Preis etwas.

 

medianet: Wie haben Sie im Asset Management auf die historisch niedrigen Zinsen reagiert?
Berger:
Wir haben in den letzten Jahren sehr hohe Aktienquoten gefahren und haben Europa stark gewichtet, was sich auch wirklich bezahlt gemacht hat. Es gab zwar jetzt eine Korrektur, aber Europa sollte absolut von den niedrigen Energiepreisen profitieren, und die Gewinne dürften steigen. Die Gefahr von Verwerfungen sehe ich eher beim Anleihemarkt. Bei langläufigen Anleihen sind wir eher vorsichtig und ziehen kurze Laufzeiten vor, aber wir bleiben grundsätzlich eher bei den Aktien. Wir haben den strategischen Vorteil, dass wir den Kunden auch die Immobilieninvestments anbieten können und empfehlen, dort rund ein Drittel des Portfolios anzulegen. Bei den Emerging Markets haben wir Indien ein bisschen dazugemischt.

 

medianet: Ab welcher Summe werden Private Banking-Kunden interessant für Sie?
Berger: Ich habe da eine eindeutige Meinung: Wir setzen keine Untergrenzen. Eine individuellen Vermögensverwaltung macht aber erst ab einem sechsstelligen Betrag Sinn. In der Regel sind es schon diejenigen, die dieses Kapital zur Verfügung haben, die zu uns kommen. Aber wir wollen keine potenziellen Kunden mit einer Untergrenze abschrecken, da wir auch für sie Produkte haben. Wenn die Renditen gut sind, wächst der Kunde ja mit uns mit.

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