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Vor der Zinswende? © APA/dpa/Boris Roessler

Die Zentralbanken in Europa (im Bild Frankfurt, EZB) und in den USA müssen früher oder später an der Zinsschraube drehen.

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Die Zentralbanken in Europa (im Bild Frankfurt, EZB) und in den USA müssen früher oder später an der Zinsschraube drehen.

28.08.2015

Vor der Zinswende?

Einmal muss die Ära der Mini-Zinsen in Europa zu Ende gehen. Einen Vorgeschmack gab es heuer schon, so Kreditmakler Infina.

••• Von Gerald Stefan

WIEN. Wann steigen auch in Europa die Kreditzinsen wieder? Immer mehr Experten warnen davor, dass die aktuelle Niedrigzinsphase in Europa kein Dauerzustand sein kann, heißt es beim Kreditmakler Infina. Zwar mehren sich vor dem aktuellen Hintergrund des Börse-Bebens – mit dem Epizentrum China – wieder die Ängste vor einer flauen Weltkonjunktur, die auch der US-Wirtschaft als aktuellem Zugpferd einen Dämpfer verpassen könnten.

Doch irgendwann – auch wenn sich die Ökonomen über den Zeitpunkt und die Höhe uneinig sind – in der näheren Zukunft muss es eine Leitzinserhöhung in den USA geben; und früher oder später muss auch Europa nachziehen und die nun schon so lange währende Mini-Zinsphase zu Ende gehen, was bekanntlich der Sparer Freude, aber der Kreditnehmer Leid ist.

Plötzlich mehr Inflation

Im Verlauf des 2. Quartals 2015 gab es jedenfalls einen ersten Vorgeschmack auf die mögliche neue Zins-Zukunft: Es kam infolge gestiegener Inflationserwartungen der Europäischen Zentralbank (EZB) zu einem ersten Anstieg der langfristigen Zinsen, so die Infina-Experten. Gleichzeitig drohen Banken infolge der jüngsten Rating-Downgrades der führenden Rating-Agenturen höhere Refinanzierungskosten.

Die Folge: Bereits im Verlauf des 2. Quartals bzw. bis Anfang des 3. Quartals haben sich die Kreditkonditionen in Österreich verteuert. Das zeige der jüngst erhobene Infina Kredit-Indikator (IKI) bei variablen und Fixzinskonditionen (s. Tabelle unten). Der IKI wird auf Basis der übermittelten Konditionen der Kreditinstitute ermittelt und soll als Orientierungshilfe für die „gefühlten Kosten besicherter Wohnkredite” dienen.

Zinsaufschlag steigt an

Von 1. 4. bis 1. 7. 2015 ist demnach der durchschnittliche Aufschlag auf den 3-Monats-Euribor um 0,114% auf 1,531% gestiegen. Fünf Institute der Marktstichprobe erhöhten dabei ihre Bankenaufschläge, während 6 Institute sie unverändert ließen, heißt es weiter. Bei einem Kreditbetrag von 100.000 Euro (Laufzeit 25 Jahre) verteuerte sich in den vergangenen 3 Monaten bis Anfang Juli die effektive monatliche Rückzahlungsrate demnach um 4,42 auf 411,50 Euro. Bei den besicherten Wohnkrediten mit 10jähriger Fixzinsbindung kam es zu einer durchschnittlichen Verteuerung der effektiven Monatsrate um 14,91 auf 460,27 Euro, denn der nominale Durchschnittszins stieg um 0,293% auf 2,494%.

Die Ausreißer

Ergänzend erwähnenswert sei dabei jedoch, dass die aktuelle Spitzenkondition bei den 10jährigen Fixzinssätzen außerhalb der Marktstichprobe noch immer bei beachtlich niedrigen 1,65% nominell liege – und sich somit eine gewaltige Differenz zum Durchschnittswert der Marktstichprobe auftut.

Die variablen Kredite

Auch bei den variablen Konditionen zeige sich innerhalb der Bankenlandschaft Österreichs ein enorm uneinheitliches Bild. Die Aufschlagsdifferenz zwischen dem günstigsten und teuersten Angebot der Marktstichprobe beträgt den Angaben zufolge 1,0% p.a. – also ein ganzer Prozentpunkt, was bei einem Kreditbetrag von 100.000 Euro auf eine Laufzeit von 25 Jahre Zins-Kostenunterschiede von über 14.100 Euro bedeute.

Obwohl sich vor allem die fixen Kreditzinsen für hypothekarisch besicherte Kredite in den letzten Monaten etwas erhöhten, so sei doch festzuhalten, dass für Immobilieninvestoren (und damit verbunden Kreditnehmer) immer noch ein ausgezeichnetes Umfeld gegeben sei, heißt es bei Infina; dies gelte auch für längerfristige Fixzinsbindungen. Sie sind laut dem Kreditmakler nicht nur für sicherheitsbetonte Kreditnehmer einen Blick wert.

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