HEALTH ECONOMY
Ärzte als Hürde für Klarheit © European Society of Radiology

Kongresse sollen nur noch der Wissensvermittlung dienen, sagen Industrie und Kritiker.

© European Society of Radiology

Kongresse sollen nur noch der Wissensvermittlung dienen, sagen Industrie und Kritiker.

04.12.2015

Ärzte als Hürde für Klarheit

Die Pharmaindustrie will ab dem kommenden Jahr alle Zuwendungen an Ärzte ­offenlegen. Das Problem dabei: Jeder Arzt muss dem auch zustimmen.

••• Von Ulli Moschen

WIEN. Das Gesundheitswesen gilt nach Ansicht von Experten als besonders intransparent und anfällig für Korruption. Immer wieder wurden in der Vergangenheit Pharmaunternehmen und Ärzte kritisiert. Im kommenden Jahr startet nun eine freiwillige Initiative zur Offenlegung von Zuwendungen an medizinische Einrichtungen und Ärzte durch die Industrie, die die Pharmafirmen des europäischen Branchenverbandes EFPIA bereits im Jahr 2013 beschlossen haben. Die Pharmaunternehmen verpflichten sich dazu, ab 2016 jeweils für das Vorjahr sämtliche ihrer Zahlungen an Ärzte und andere Gesundheitsberufe auf ihren Webseiten offenzulegen.

Rahmen für Offenlegung

Einziger Haken: Für die Offenlegung benötigen die Unternehmen die Zustimmung des jeweiligen Arztes. Wenn eine solche nicht möglich sein sollte, darf die Meldung in ­aggregierter Form, also zusammengefasst und anonymisiert, erfolgen. Die Verpflichtung zur Offenlegung betrifft Honorare an Ärzte im Zuge einer Vortragstätigkeit, die Kostenübernahme bei Teilnahme eines Arztes an einem Kongress oder auch Leistungen im Rahmen einer Forschungstätigkeit. Bei Transparency International – Austrian Chapter (TI-AC) fürchtet man zurzeit noch, dass der Datenschutz als Vorwand gegen eine transparente Offenlegung vorgeschoben wird. TI-AC wird die Offenlegungspraxis daher im kommenden Jahr genau analysieren und, falls die Einhaltung der freiwilligen Initiative zu wünschen übrig lässt, verbindliche gesetzliche Regelungen fordern.

„Sollte die freiwillige Selbstverpflichtung der Pharmaunternehmen nicht für ausreichend Transparenz sorgen, sollte über eine gesetzliche Regelung analog zum Sunshine Act in den USA nachgedacht werden”, fordert Franz ­Piribauer, Leiter der Arbeitsgruppe Gesundheitswesen bei TI-AC. „Patienten müssen sich darauf verlassen können, dass sie die beste Behandlung bekommen und nicht die, für die meinungsbildende Ärzte das meiste Geld bekommen.” Die Pharmig-Vertreter versprechen sich von der Initiative eine Verbesserung der Versorgungsqualität.

Pharmig zuversichtlich

Für den Branchenverband Pharmig ist die Selbstverpflichtung hingegen ein wichtiger Schritt: „Alle Mitgliedsunternehmen der Pharmig unterliegen dem Verhaltenscodex. Das sind über 100 Unternehmen und damit der Großteil der österreichischen pharmazeutischen Industrie”, sagt Pharmig-Generalsekretär Jan Oliver Huber, und Präsident Robin Rumler präzisiert: „Wichtig ist die gemeinsame Überzeugung von Ärzten und Industrie, dass die Transparenzregeln das Vertrauen in die Zusammenarbeit stärken und auch das Engagement beider Seiten benötigen, um wirkungsvoll zu sein.”

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